US-Luftwaffe bestellt Transportflugzeuge
Vermittler soll Streik bei Boeing noch verhindern

Beim weltgrößten Flugzeugbauer Boeing droht ein Streik: Bis Anfang September muss ein neuer Vertrag mit der Maschinistengewerkschaft IAM unter Dach und Fach sein. Doch die Fronten sind verhärtet: Die Gewerkschaft will Arbeitsplatzgarantien in Abhängigkeit vom Umsatz. Boeing will mehr Arbeit an Zulieferer in Übersee auslagern.

NEW YORK. Ein Streik beim weltgrößten Flugzeugbauer Boeing Co. wird immer wahrscheinlicher. Nach weniger als acht Stunden intensiver Gespräche hat die Gewerkschaftsseite die Verhandlungen um einen neuen Drei-Jahres-Vertrag abgebrochen und einen Vermittler bestellt. Wenn die Parteien sich bis zum 1. September nicht geeinigt haben, wollen die Arbeiter ab 2. September streiken.

Vor allem bezüglich der Pensionen und der geplanten Verlagerung von Arbeit zu Zulieferern in Übersee hätten die beiden Parteien gegensätzliche Ansichten gehabt, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft International Association of Machinists and Aerospace Workers (IAM), die fast 24 000 der weltweit 173 000 Boeing-Mitarbeiter vertritt. Dick Schneider, Chefunterhändler der Mechaniker-Gewerkschaft, sagte, seine Organisation werde diesmal wohl härter bleiben als bei vorangegangenen Verhandlungen.

Die Boeing-Mechaniker haben seit 1995 nicht mehr gestreikt. Seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001 hat der Konzern fast 30 000 Mitarbeiter entlassen, die Mehrheit davon Maschinisten. Auch der Umzug des Hauptsitzes des Unternehmens von Seattle nach Chicago hat die Stimmung unter den Mitarbeitern nicht verbessert, denn sie habe faktisch die Konzernspitze von den Produktionsstätten getrennt. Viele Branchenvertreter rechnen diesmal mit einem Arbeitskampf, weil Boeing - ähnlich wie Konkurrent Airbus - immer stärker auf Outsourcing setzt. Im neuen Vertrag mit der IAM will sich der Konzern nun mehr Freiheiten einräumen lassen bei der Entscheidung, wieviel Arbeit er nach draußen verlagert.

Boeing begründet seine Forderungen mit dem Druck von Kunden und dem Wettbewerb vom europäischen Flugzeugbauer Airbus. So versuchen etwa die Fluggesellschaften derzeit, angesichts des starken Rückgangs der Passagierzahlen, die Leasingkosten für die Maschinen zu drücken.

Bei Boeing heißt es, man brauche maximale Flexibilität bei der Suche nach billigeren Produktionsmöglichkeiten. Boeing-Chefunterhändler Jerry Calhoun sagte, der Konzern arbeite immer noch nicht kosteneffektiv. Boeing würde nie eine Ausschreibung gewinnen, wenn allein der Preis eine Rolle spiele. "Es sind unsere Kunden, die die Sicherheit unserer Arbeitsplätze garantieren", sagt ein Boeing-Sprecher. "Wir können sie nicht künstlich garantieren, wir müssen Aufträge haben."

Die IAM will jedoch das genaue Gegenteil, nämlich die Zusage des Konzerns, künftig eine Mindestzahl von Maschinisten in Abhängigkeit vom Umsatz oder von der Zahl der bestellten Flugzeuge zu beschäftigen. Damit könnte der Konzern nicht frei entscheiden, wieviel Arbeit er auslagert.

Ein weiterer wichtiger Punkt in den Verhandlungen sind die Pensionen. Das Durchschnittsalter der Boeing-Maschinisten ist 47, viele haben mehr als 20 Jahre Berufserfahrung. Diese Mitarbeiter haben vor allem ein Interesse an höheren Renten. Derzeit erhalten die Rentner im Monat 50 $ multipliziert mit der Anzahl der Jahre, die sie bei Boeing gearbeitet haben. Die Gewerkschaft schlägt jetzt 120 $ als Multiplikator vor.

Für die Neuregelung der Krankenversicherung, deren Kosten in den vergangenen Jahren zweistellig gestiegen sind, liegen noch keine Vorschläge auf dem Tisch. Beobachter erwarten, dass die Mitarbeiter sich - wie bei anderen Unternehmen auch - stärker an den Kosten beteiligen müssen.

Wenn die Gewerkschaft zum Streik aufruft, könnte die Produktion zum erliegen kommen. Das könne Verspätungen bei der Auslieferung bestellter Maschinen bedeuten - davor hat der Flugzeugbauer seine Kunden bereits in einem Rundschreiben gewarnt. 1995 hatten die Ausstände 69 Tage gedauert.

Auch intern machte ein entsprechendes Informationsblatt die Runde, in dem es hieß, letzte Konsequenz sei die Schließung eines großen Teils der zivilen Flugzeugproduktion. Die Gewerkschaft kritisierte, der Konzern versuche, die Mitarbeiter so zu verängstigen, dass sie nicht streiken.

Großaufträge wie die Order der US-Luftwaffe, die der Konzern in der vergangenen Woche bekannt gab, sind derzeit eher selten. Vor allem die Krise der zivilen Luftfahrt, die sich nach dem 11. September 2001 noch verschärft hat, macht dem Konzern zu schaffen. Auf die Militärflugzeug-Sparte hat der Anschlag die entgegengesetzte Wirkung: Die US-Regierung hat die Verteidigungsbudgets erhöht. Das Geld für die neuen Transportflugzeuge ist im Budget für das Fiskaljahr 2003 eingeplant, das am 1. Oktober beginnt.

Die Luftwaffe will bis 2008 von Boeing 60 Transporter für insgesamt 9,76 Mrd. $ kaufen. Mit diesem Auftrag werde der Konzern die C 17-Flugzeuge bis 2009 weiter produzieren, sagt James Albaugh, Chef der Verteidigungssparte des Konzerns. Beim Konkurrenten Lockheed Martin hat die Luftwaffe 64 Transportmaschinen C-130J bestellt.

Quelle: Handelsblatt

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