US-Manager sind noch unbeliebter als US-Politiker: Das Image ist dahin

US-Manager sind noch unbeliebter als US-Politiker
Das Image ist dahin

Seitdem Staatsanwälte in Deutschland auf Vorstandsetagen ermitteln, fürchten deutsche Manager, wie in den USA zur Rechenschaft gezogen zu werden. Dort hat es nach den Pleiten von Enron, Worldcom & Co. eine Flut von Anklagen und Verhaftungen der Täter in Nadelstreifen gegeben.

HB/tmo/tor NEW YORK. In Meinungsumfragen rangieren amerikanische Wirtschaftsführer seither abgeschlagen hinter den schon immer unbeliebten Politikern. Der enorme Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit werde zwar zurzeit von Themen wie etwa dem drohenden Krieg überdeckt, sagt David Mem-mott, Aktienhändler bei der Investmentbank Morgan Stanley in New York.

Dennoch sind die Folgen der Skandalwelle unverändert sichtbar. Gegen zahlreiche Spitzenmanager wird ermittelt, andere sind bereits angeklagt. Alle müssen sich mit einem Regelwerk herumschlagen, das der US-Kongress zum Schutz der Investoren verabschiedet hat - dem Sarbanes-Oxley-Gesetz. Es hat insbesondere die Kontrolle der Kontrolleure - der Wirtschaftsprüfer - und die Richtlinien für die Führung der Unternehmen verschärft. Experten bezweifeln jedoch, dass das Gesetz ausreicht, um Bilanzskandale zu vermeiden. "Die Politiker sind den leichten Weg gegangen, der aber nur wenig Wirkung erzielen wird", sagt Wirtschaftsprofessor David Sollars, stellvertretender Dekan der School of Business an der Universität von Montgomery.

Zwar seien die Strafen für Wirtschaftsstraftaten drastisch gestiegen. Wichtiger wäre es jedoch gewesen, solche Vergehen konsequenter zu verfolgen. "Die kriminologische Forschung zeigt, dass das Strafmaß das Verhalten weniger stark prägt als die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden", sagt Sollars. Professor Dallas Ble-vins von der Universität Montevallo glaubt, dass Geldstrafen für Wirtschaftsvergehen nicht ausreichen. "Erst wenn Manager wirklich fürchten, ins Gefängnis zu gehen, werden sie ihr Verhalten ändern", sagt der Experte für Bilanzierung.

Tatsächlich haben die Fernsehbilder von Managern in Handschellen den stärksten Eindruck innerhalb und außerhalb der Unternehmen hinterlassen. Die Verurteilung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen wegen Behinderung der Justiz hat den gesamten Berufsstand in Aufruhr versetzt. "Wenn irgendjemand jetzt umsichtig und vorsichtig ist, dann sind es die Wirtschaftsprüfer", sagt Rick Antle, Bilanzprofessor an der Universität Yale.

Die Furcht vor strafrechtlicher Verfolgung und einem erheblichen Imageschaden hat viele US-Firmen dazu veranlasst, ihre eigenen Anstrengungen für eine bessere Unternehmensführung zu verstärken. So weist Coca-Cola künftig die Kosten von Aktienoptionen in der Bilanz aus, und General Electric hat die Zahl unabhängiger Direktoren im Führungsgremium des Konzerns erhöht

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