US-Marke besitzt weitaus bessere Marktchancen mit Minivans und Geländemodellen
Chryslers Stufenheck-Limousinen droht in Europa das Aus

Während sich die Nischen- und Lifestyle-Modelle von Chrysler großer Beliebtheit erfreuen, stehen die klassischen Stufenheck- Limousinen der Marke wie Blei in den Verkaufsräumen - vor allem in Europa. Schon wird darüber spekuliert, Chrysler könnte auf dem europäischen Markt auf die Pkw verzichten.

HB DÜSSELDORF. Für Chrysler-Chef Dieter Zetsche kommt die angespannte Weltwirtschaftslage denkbar ungünstig. Sieht er doch sein Sanierungsziel, die amerikanische Daimler-Chrysler-Sparte schnell aus den roten Zahlen zu bringen, durchkreuzt. Ein genereller Kurswechsel ist zwar nicht zu erwarten, aber es verdichten sich die Anzeichen, dass zumindest eine korrigierte Europa-Strategie beschlossen werden könnte. In der nächsten Woche trifft Zetsche in Detroit Vertreter der wichtigsten europäischen Absatzmärkte. Ganz oben auf der Tagesordnung steht die Frage: Macht es für Chrysler überhaupt noch Sinn, in Europa Stufenheck-Limousinen anzubieten?

Chrysler gehört zu den führenden Herstellern von Nischen- und Lifestyle-Autos wie dem Großraumwagen Voyager oder dem legendären Jeep. Geht es um diese Fahrzeuge, erfreut sich Chrysler einer anspruchsvollen wie zahlungskräftigen Kundschaft. Und das Retromodell PT Cruiser schickt sich an, die Herzen vornehmlich junger Menschen zu erobern. Auch bei anspruchsvollen Sportwagenfahrern genießt Chrysler mit der "Viper" hohes Ansehen - das Auto gilt als gelungenes Exemplar in dieser Klasse.

Wären da nicht die biederen Stufenheck-Limousinen wie der Neon, der Sebring oder der 300M, die kaum Kunden finden und Chryslers Image immer wieder nach unten ziehen. Diese wenig Fahrfreude und wenig Esprit versprühenden Modelle sind den europäischen Chrysler-Händlern seit langem ein Dorn im Auge. Sie wollen Zetsche darlegen, welch aussichtslosen Kampf sie damit führen. Der Neon beispielsweise wird in Deutschland überwiegend in den neuen Bundesländern verkauft - dort aber auch nur mit Hilfe hoher Rabatte. Ein Werbeetat ist bei den geringen Stückzahlen der drei Limousinen (zusammen weniger als 3000 Autos in diesem Jahr) betriebswirtschaftlich nicht zu verantworten. Um sie überhaupt auf den Straßen erscheinen zu lassen, werden sie Leihwagenfirmen zum Nulltarif angedient.

Ganz anders dagegen die Lifestyle-Abteilung von Chrysler. Im Voyager gehen gut situierte, kinderreiche Familien gern auf Reisen. Der große sportliche Geländewagen Grand Cherokee - in der Topversion bis zu 100 000 DM teuer - genießt sogar bei den Vorständen der Deutschen Bank Dienstwagenstatus. Außerdem steht er bei Freiberuflern ganz oben auf der Einkaufsliste. Und zum Jeep Wrangler greifen Offroad-Puristen - egal, ob es über Stock und Stein geht oder auf den Boulevard.

Der Jeep Cherokee, nach einem Indianerstamm in Michigan benannt, bekommt jetzt einen Nachfolger, für den sich die Jeep-Ingenieure hohe Ziele gesetzt haben: Gelände-Fähigkeiten mit mehr Komfort und manierlichen Fahreigenschaften auf der Straße zu verbinden. Dabei durften sie eines nicht aus den Augen verlieren - das Markenimage. Jeep genießt weltweit den Ruf des "American Hero".

Die Entscheidung, erstmals in der Geschichte einen Sportwagen wie den "Crossfire" außerhalb Amerikas produzieren zu lassen, zielt auf den Anspruch der Marke, das internationale Image zu stärken. Mit Bedacht hat man den deutschen Karossier Karmann in Osnabrück ausgewählt. Dort lässt Mercedes den CLK bauen und der SLK wurde dort entwickelt. Auf seinem Unterbau basiert der neue "Crossfire".

In dieser geschlossenen Philosophie der Nischenpolitik ist nach Auffassung mancher Branchenexperten kein Platz mehr für konservative Stufenheck-Limousinen. Nicht wenige glauben sogar, wenn Chrysler konsequent den Weg der Lifestyle-Strategie ginge, würde der Aktienkurs von Daimler-Chrysler wieder nach oben ausschlagen.

Sogar für den Heimatmarkt Nordamerika scheint diese Strategie langfristig aktuell. Von den rund zwei Millionen Autos, die Chrysler jährlich verkauft, sind nur 480 000 Stufenheckmodelle. Davon entfallen mehr als 200 000 auf die Neon-Modellreihe; das Auto treibt auch in den USA sein Unwesen als Preisbrecher. Eine günstige Variante des PT Cruiser könnte die Rolle des Einstiegsmodells genauso gut übernehmen. Limousinen sind in den USA auf dem Rückzug. Mit einem endgültigen Verzicht ließe sich der Wert der Marke Chrysler steigern.

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