US-Medienkonzerne überdenken Internet-Strategien
NBC zieht sich frustriert aus dem Web-Business zurück

Der US-Fernsehsender NBC steigt aus dem allgemeinen Internet-Geschäft wieder aus. Zu vage erscheinen die Aussichten, damit einmal Geld verdienen zu können. Dies ist der bisher drastischste Schritt eines Medienunternehmens in Bezug auf seine Internet-Tochter. Die Medientochter des Mischkonzerns General Electric Co. war eines der ersten traditionellen Unternehmen der Branche, das sich ins Internet gewagt hat.

su NEW YORK.

Auch andere Medienriesen überdenken ihre Online-Aktivitäten. Die Walt Disney Co. hat ihr Online-Portal Go.com weitgehend eingestellt - Fragen von Besuchern werden vollautomatisch beantwortet. Auch Rupert Murdochs News Corp. musste Internet-Investitionen abschreiben, Viacom Inc. baute bei MTV Interactive - Online-Version des Musiksenders MTV - Personal ab und gab Pläne für einen Börsengang auf.

Auch Verlage werden vorsichtiger. Die alt ehrwürdige New York Times hat Entlassungen bei newyorktimes.com angekündigt und selbst bei wsj.com, dem als erfolgreich geltenden gebührenpflichtigen Internet-Angebot des Wall Street Journal, ist ein Personalabbau geplant.

NBC will durch den Ausstieg weitere Verluste von der Tochter NBC Internet Inc. (NBCi) vermeiden, heißt es zur Begründung. NBCi war 1999 durch die Verschmelzung von Xoom.com, der Suchmaschine Snap und der Internet-Investitionen des Senders entstanden und sollte NBC auf einen führenden Platz unter den Portalsanbietern bringen. Allerdings konnte sich NBCi gegen Wettbewerber wie Yahoo! Inc., AOL Time Warner Inc. und Microsoft Corp. nicht durchsetzen. Derzeit rangiert das Portal nach Angaben der Marktforscher von Jupiter Media Metrix weltweit lediglich auf Platz 13.

NBCi hatte versucht, ins Direkt-Marketing im Internet einzusteigen. Allerdings konnte das Unternehmen selbst mit dem bekannten Markennamen NBC nicht ausreichend Besucher auf seine Seite locken, sagen Analysten. Und in letzter Zeit sei das Werbeaufkommen im Web "praktisch kollabiert", sagte NBCi-Chef Will Lansing. Damit entfiel der wichtigste Einnahmestrom.

NBC wird die als Geschäftsbereichsaktien gehandelten Anteile von NBCi für 2,19 $ je Aktie - insgesamt rund 138 Mill. $ - zurückkaufen. Das ist ein Aufschlag von 46 % auf den Schlusskurs vom Freitag, aber nur ein Bruchteil des Emissionskurses. NBC besitzt selbst 38,6 % an NBCi, so dass der Rückkauf den Sender etwa 85 Mill. $ kosten wird. "Wir glauben, der Ausstieg ist im besten Internesse der Aktionäre", kommentierte NBCi-Chef Lansing die Ankündigung. NBC will weiter Chancen im Internet nutzen, zunächst jedoch die Vermögenswerte von NBCi verwerten. Der Sender will umgehend mit Entlassungen beginnen. NBCi beschäftigt derzeit noch etwas mehr als 300 Mitarbeiter - einst waren es über 800. Einzelne Angebote will NBC weiter betreiben, so etwa die erfolgreiche Finanzseite msnbc.com.

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