US-Medienriese bleibt stur
Liberty: Deutschland-Offensive vor dem Aus

Die milliardenschwere Offensive des US-Medienriesen Liberty Media auf dem deutschen Fernsehmarkt steht vor dem Aus. Das Unternehmen des Milliardärs John Malone will sich den Forderungen des Kartellamts beim Kauf der Kabelnetze von der Deutschen Telekom nicht beugen. Damit ist das Scheitern des Kaufs so gut wie sicher.

dpa MÜNCHEN. Das Kartellamt hatte dem Unternehmen Ende Januar signalisiert, dass es den Deal ohne wesentliche Zugeständnisse Libertys nicht genehmigen wird. Dann dürfte vor allem die Deutsche Telekom ein Problem bekommen: Sie hat den vereinbarten Kaufpreis von 5,5 Mrd. Euro für die Mehrzahl der Kabelnetze schon fest zum Schuldenabbau eingeplant. Für diesen Preis wird Telekom-Chef Ron Sommer nach Einschätzung von Branchenkennern auf die Schnelle keinen anderen Käufer finden.

Um den Kauf doch noch zu ermöglichen, will sich die Telekom nun nach Informationen des "Spiegel" dafür einsetzen, dass das Kartellamt politisch überstimmt wird. Die Erfolgsaussichten dieses Versuchs sind nach Einschätzung von Branchenkennern aber gering, da Malone es sich bei seinem Deutschland-Besuch im vergangenen November mit seiner forschen Art in Berlin verscherzt haben soll.

Dabei hatte sich der Amerikaner seinen Siegeszug auf dem deutschen Fernsehmarkt schon in den schönsten Farben ausgemalt. Seit Anfang der 90er Jahre hatte der "Herr der Kabel" schon in vielen Ländern Kabelnetze aufgekauft und sein Unternehmen Liberty Media so zu einem der einflussreichsten Medienkonzerne der Welt gemacht. Auch in Deutschland wollte er klotzen, nicht kleckern. Noch in diesem Jahr wollte er rund 10 Mill. Kabelnetz-Haushalten in Deutschland die Empfangsgeräte für das digitale Fernsehen schenken - und ihnen so Appetit auf das Bezahlfernsehen machen. Mit einem Schlag hätte er Zugriff auf die Kabelnetzkunden in 13 Bundesländern gehabt. 10 000 Arbeitsplätze wollte er in Deutschland schaffen. Bei seinem Besuch in Berlin schwärmte der Amerikaner auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) von seinen Plänen vor.

Pläne Malones sorgten für Unbehagen

In der Medienbranche sorgten die Pläne Malones aber für Unbehagen. Besonders die Fernsehsender hatten Angst, dass Malone den deutschen Markt mit seiner prall gefüllten Kriegskasse unter Kontrolle bringen und kleinere Sender ganz verdrängen könnte. Auch den Wettbewerbshütern waren die Pläne des mächtigen Medienmoguls suspekt. Sie fürchten eine marktbeherrschende Stellung auf dem Kabelmarkt und forderten Liberty auf, diese durch mehr Wettbewerb in der Telekommunikation oder beim schnellen Internetzugang mehr als auszugleichen.

In den vergangenen drei Wochen schickten sie Liberty gleich zwei Abmahnungen zum Kauf der Kabelnetze und zum Kauf des Kabelnetzbetreibers Telecolumbus. "Das Kartellamt hatte ein grundsätzliches Problem mit Liberty", sagt ein Branchenkenner. Für Liberty wäre ein Ausbau der Kabelnetze für das Telefonieren und den Internet-Zugang allerdings nach einer Analyse der HypoVereinsbank mit bis zu sechs Mrd. Euro Kosten im Jahr verbunden. Malone ließ schon in der vergangenen Woche durchblicken, dass er sein Geschäftsmodell für Deutschland nicht um jeden Preis ändern will. "Wir werden nie dumme, kurzfristig gedachte Dinge tun, nur um ins Gesamtbild zu passen", sagte Malone dem "Wall Street Journal". Dass sich Malone ganz aus Deutschland zurückziehen wird, glauben viele Branchenkenner aber auch nicht. "Er hat nun den Fuß in der Tür", sagt ein Experte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%