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US-Militär geht in Nadschaf in die Offensive

dpa BAGDAD. In der umkämpften irakischen Pilgerstadt Nadschaf geht das US-Militär in die Offensive. Am Dienstag fuhren US-Soldaten durch die Straßen und forderten über Megafon die Bewohner des von radikalen Schiiten-Milizen kontrollierten Altstadtkerns auf, ihre Viertel zu verlassen.

dpa BAGDAD. In der umkämpften irakischen Pilgerstadt Nadschaf geht das US-Militär in die Offensive. Am Dienstag fuhren US-Soldaten durch die Straßen und forderten über Megafon die Bewohner des von radikalen Schiiten-Milizen kontrollierten Altstadtkerns auf, ihre Viertel zu verlassen.

Zuvor hatten sich die US-Truppen am sechsten Tag in Folge Kämpfe mit der "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada el Sadr geliefert. Im südirakischen Basra wurden die britischen Truppen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, nachdem bei Zusammenstößen mit Sadr-Anhängern ein britischer Soldat getötet und fünf verletzt worden waren. Derweil ließen Geiselnehmer im Irak fünf ihrer Opfer, zwei Jordanier und drei Libanesen, frei.

In Nadschaf bereiteten sich auch die Milizionäre auf einen Angriff vor. "Wir haben das Gelände rund um die Imam-Ali-Moschee und beim Friedhof vermint", sagte ein Milizführer einem dpa-Reporter. Die Zugänge zum heiligen Bezirk wurden von US-Truppen und irakischen Sicherheitskräften strikt kontrolliert. El Sadr hatte es am Montag abgelehnt, seine Milizen abzuziehen und einen Kampf "bis zum letzten Blutstropfen" angekündigt.

Am Dienstagmorgen hatte das US-Militär, bestehend aus einer Marineinfanterieeinheit, zwei Infanteriebataillonen und einem Hubschraubergeschwader, versucht, die Aufständischen vom großflächigen Pilgerfriedhof zu vertreiben. Beim Einrücken der US- Verbände hätten sich die Milizionäre zurückgezogen und in der Imam- Ali-Moschee verschanzt, berichtete eine Sprecherin des US- Militärs. "Es ist immer die selbe Taktik", sagte sie. Die Moschee, in der Ali, der vierte Kalif und Schwiegersohn Mohammeds begraben ist, ist eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten.

Das Gesundheitsdezernat von Nadschaf gab bekannt, dass bei den Kämpfen am Vortag sechs Zivilisten getötet und 14 verletzt wurden. Darüber hinaus wurden am Dienstag von Ambulanzwagen elf Leichen eingesammelt, die noch nicht identifiziert werden konnten. Die Verluste der Milizionäre waren nicht bekannt. Nach Einschätzung des US-Militärs wurden in den ersten vier Tagen der vergangenen Donnerstag begonnenen Kämpfe 360 Sadr-Kämpfer getötet.

Unterdessen ließen Geiselnehmer im Irak zwei Jordanier und drei Libanesen frei, wie der arabische Fernsehsender El Dschasira sowie Angehörige berichteten. Die beiden jordanischen Lastwagenfahrer waren vor zwei Wochen von einer Gruppe entführt worden, die sich "Kämpfer der irakischen Todesschwadron" nannte. Es gab zunächst keine Informationen über die Umstände der Freilassung.

In Teheran wies der im Irak per Haftbefehl gesuchte langjährige Exilpolitiker und US-Verbündete Ahmed Chalabi die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und kündigte seine Rückkehr nach Bagdad an. Die Vorwürfe seien konstruiert und unbegründet. Einen Termin für seine Rückkehr nannte er nicht. Chalabi hielt sich am Wochenende mit einer Wirtschaftsdelegation in Iran auf, als die irakische Justiz Haftbefehle gegen ihn und seinen Neffen Salem erlassen hatte. Ahmed Chalabi wird Geldfälschung, seinem Neffen Mord vorgeworfen.

Dänemark kündigte an, ab sofort keine Gefangenen im Irak mehr an britische Stellen auszuliefern. Als wichtigsten Grund dafür nannte Verteidigungsminister Søren Gade nach einem Gespräch mit seinem US- Amtskollegen Donald Rumsfeld in Washington die Wiedereinführung der Todesstrafe durch die irakische Übergangsregierung. Dänische Soldaten hatten irakische Gefangene bisher stets an britische Militärstellen ausgeliefert und diese sie dann an irakische Stellen weitergegeben.

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