US-Milliardär Kerkorian drängt auf einen Prozess: Neue Attacke gegen Daimler-Chef

US-Milliardär Kerkorian drängt auf einen Prozess
Neue Attacke gegen Daimler-Chef

Kirk Kerkorian, ehemaliger Chrysler-Großaktionär, erhöht den Druck. Er will Daimler-Chef Jürgen Schrempp vor Gericht sehen, weil der eine "Fusion unter Gleichen" zwischen Daimler und Chrysler nur vorgetäuscht habe.

STUTTGART/NEW YORK. Die Anwälte des US-Milliardärs Kirk Kerkorian und dessen Vermögensgesellschaft Tracinda lassen nicht locker. Mit einem neuen Schriftsatz drängen sie auf Eröffnung eines Prozesses gegen Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp und Finanzchef Manfred Gentz. Sie werfen ihnen vor, die Aktionäre bei der Fusion von Daimler und Chrysler im Jahr 1998 hinters Licht geführt zu haben. Da es sich nicht, wie proklamiert, um eine "Fusion unter Gleichen", sondern um eine Übernahme gehandelt habe, fordern sie Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Bei Daimler-Chrysler in Stuttgart reagiert man leicht gereizt auf die neuerliche Attacke: "Tracinda verzerrt wieder einmal die Fakten und ignoriert die Tatsachen in einem verzweifelten Versuch, die Geschichte umzuschreiben", erklärte das Unternehmen am Freitag. Das Unternehmen zieht alle juristischen Register bis zu dem Schritt, die Seriosität des Klägers anzuzweifeln.

Daimler-Chrysler hat bereits am 19. Februar beantragt, die Klage abzuweisen. Doch die Auseinandersetzung wird noch eine Zeit lang dauern. Es kann sich bis Mitte Mai hinziehen, bis das Distriktgericht in Delaware entscheidet, ob es die Klage Kerkorians gegen Schrempp und Gentz zulässt. Die Klage gegen Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hat das Gericht, wie jetzt bekannt wurde, am 5. März wegen fehlender persönlicher Haftung abgewiesen.

Tracinda hielt vor der Fusion 13,8 % der Chrysler-Anteile und bezichtigt Daimler, den wahren Charakter der Fusion verschleiert zu haben. Schrempps Ziel sei von Anfang an eine Übernahme gewesen. Bei einer Übernahme wäre nach Meinung von Tracinda aber ein erheblich höherer Aufschlag auf die Chrysler-Aktien fällig gewesen als die schließlich errechneten 28 %. Tracinda-Anwalt Terry Christensen bezifferte vor kurzem gegenüber dem Handelsblatt die Schadenersatzforderung auf 2 Mrd. Dollar.

Den Betrug macht Tracinda insbesondere daran fest, dass bald nur noch ein US-Mitglied im Vorstand sitzen wird. Zu Beginn waren es acht. Schrempp habe seit der Fusion die US-Vorstandsmitglieder systematisch herausgedrängt. So führt seit November 2000 mit Dieter Zetsche ein Deutscher die Chrysler-Sparte. Die Tracinda-Klage, die im November 2000 eingereicht wurde, stützt sich stark auf ein Zeitungsinterview von Schrempp vom Oktober 2000. Dort hatte er erklärt: "Als Schachspieler rede ich normalerweise nicht über den zweiten oder dritten Zug. Die Struktur, die wir jetzt mit Chrysler als Geschäftsfeld haben, war die Struktur, die ich immer wollte." Er fügte hinzu: "Wir mussten einen Umweg machen, aber dies war aus psychologischen Gründen wichtig", da sonst die Chrysler-Seite nicht mitgemacht hätte.

Die Daimler-Anwälte weisen die Vorwürfe zurück. An der "Fusion unter Gleichen" änderten auch die Wechsel im Vorstand nichts. Denn nach deutschem Recht entscheide nicht der Vorstandschef, sondern der Aufsichtsrat über die Besetzung von Vorständen. Und im Aufsichtsrat säßen auf der Kapitalseite weiter gleich viele Chrysler - und Daimler-Vertreter. Zudem hat sich Daimler von 11 früheren Chrysler-Vorständen beeiden lassen, dass der Vertrag über die Fusion vollständig umgesetzt wurde.

Zur Begründung einer Forderung müsse Tracinda zudem nachweisen, dass die deutschen Prüfer der Verschmelzung und die Aktionäre von Daimler-Benz einen höheren Preis überhaupt gebilligt hätten. Parallel dazu setzt Daimler auch auf Verjährung. Schon vor dem Oktober 2000 sei in der Presse behauptet worden, dass es sich nicht um eine Fusion unter Gleichen handele. Ein professioneller Investor wie Tracinda hätte spätestens im April 1999 aktiv werden müssen. Im übrigen sei Tracinda in alle Entscheidungen eingebunden gewesen. Als weiteres Mittel wird auch die Seriosität von Tracinda in Zweifel gezogen. Im Beweisverfahren habe ein Vertreter zugegeben, die Fusionspläne im Mai 1998 an das Wall Street Journal vorab verraten zu haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%