US-Milliardär übernimmt weitere Teile der Kirch-Gruppe
Saban hat jetzt auch den Filmrechtehandel

Wenige Tage nach dem Verkauf von Deutschlands größter Senderfamilie Pro-Sieben-Sat.1 an den US-Milliardär Haim Saban ist auch die Übernahme der Filmbibliothek der insolventen Kirch-Media besiegelt.

Reuters MÜNCHEN. Wie angekündigt habe die Saban Gruppe den Kaufvertrag zu dem 18 000 Filme und Serien umfassenden Rechtestock am Donnerstag unterzeichnet, teilten Kirch-Media und der US-Investor in einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag mit. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. "Mit diesem Vertrag ist sichergestellt, dass sowohl die Senderkette als auch die Filmbibliothek für eine erfolgreiche Zukunft positioniert werden können", erklärte Saban.

Am Montag soll nun der Gläubigerausschuss von KirchMedia, in dem die vier Gläubigerbanken BayernLB, Commerzbank, HVB Group und DZ-Bank sowie die US-Studios Columbia und Disney vertreten sind, die Übernahme beider Geschäfte genehmigen. Die Zustimmung des Gremiums zu den Transaktionen gilt als sicher. Keine Probleme werden auch bei der kartellrechtlichen Prüfung erwartet.

Verzahnung von Pro-Sieben-Sat.1 und Filmrechtehandel

Am Montag vor einer Woche hatte der US-Investor Saban, der mit Trickfilmen wie den Power Rangers in den USA ein Vermögen gemacht hat, bereits den Kauf von Pro-Sieben-Sat.1 beschlossen. Die Unterschrift unter den zweiten Teil der Transaktion hatte sich verzögert, weil die Anwälte das 40 000 Seiten starke Dokument noch einmal durcharbeiten wollten. Insgesamt hat die Übernahme nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen ein Volumen von rund zwei Milliarden Euro.

Saban hatte während des Bieterverfahrens betont, das Filmrechtegeschäft durch seine Kontakte nach Hollywood ausbauen zu wollen. An der Gesellschaft, die die Bibliothek übernimmt, soll sich auch Pro-Sieben-Sat.1 mit einem Anteil beteiligen und sich so den Zugang zu dem großen Reservoir an Spielfilmen sichern, die zum Teil schon älteren Datums sind. Kirch-Media hat in den vergangenen Monaten mit Hollywoodstudios aber auch neue Filmlieferverträge vereinbart.

Langfristig käme für Saban auch eine Fusion des Filmrechtehandels mit der Sendergruppe in Frage, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Ein solcher Schritt greift die Pläne des alten Kirch-Managements um Leo Kirch und Dieter Hahn wieder auf, die so einen integrierten Medienkonzern schaffen wollten. Im März 2002 war die Fusion wegen der sich abzeichnenden Finanzkrise der Kirch-Gruppe aber abgesagt worden.

Am schwierigsten war die Bewertung der Bibliothek

In dem monatelangen Bieterverfahren um die Kerngeschäfte des früheren Medienimperiums von Leo Kirch galt der Filmrechtehandel als Stolperstein, weil sich die Bewertung der Bibliothek als äußerst kompliziert erwies. Auch mit dem Hamburger Bauer-Verlag, der lange als Favorit für die Übernahme von KirchMedia und Pro-Sieben-Sat.1 galt, hatte sich das Kirch-Media-Managment und die Gläubigerbanken nicht abschließend über den Filmrechtehandel einigen können.

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