US-Mutter drängt auf neue Sparsamkeit – Wechsel an der Spitze
Ford-Luxussparte PAG fährt im Schlingerkurs

Die Premier (PAG), der Luxuswagen-Verbund des US-Konzerns Ford, könnte in schweres Fahrwasser geraten. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass sich das amerikanische Unternehmen von seinen edlen Töchtern trennen wird. Doch noch wird in der Ford-Konzernzentrale nach Kräften dementiert.

DÜSSELDORF. So gut die Lage im Hause Jaguar gegenwärtig auch sein mag, in den Reihen der Ford Premier (PAG) sorgen heftige Gerüchte für schlechte Stimmung. Zur PAG gehören außer Jaguar die Marken Volvo, Aston Martin und Land Rover. Seit der frühere BMW-Manager Wolfgang Reitzle als PAG-Chef die Brücke verlassen hat und zur Linde AG gewechselt ist, laufen täglich neue Hiobsbotschaften am feinen Londoner Berkeley Square, dem Sitz der Gruppe, ein. Einmal soll die gesamte PAG verkauft werden, dann wieder Teile davon, heißt es.

Angeblich stand Volvo in der vergangenen Woche für 5 Mrd. Euro zum Verkauf. "Ausgemachter Blödsinn", rückte Ford-Präsident Nick Scheele in einem Interview die vermeintlichen Verkaufspläne des Autokonzerns zurecht. Das US-Unternehmen betont immer wieder, dass nicht daran gedacht sei, die profitable PAG zu veräußern. Immerhin soll sie einmal 30 % der gesamten Ford-Erträge abliefern. Und Reitzles Nachfolger, der Amerikaner Mark Fields, heißt es aus seinem Umfeld, freue sich auf die neue Aufgabe.

Inwieweit die gesamte Premier ohne Wolfgang Reitzle den Erfolg in Zukunft konservieren kann, hängt von vielen Faktoren ab. Reitzle hat ohne Zweifel das Premiumpaket PAG in der feineren Autogesellschaft etabliert und ihm kraft seiner Persönlichkeit eine Luxusaura mit auf den Weg gegeben. Dieses edle Image ließ so manches PAG-Modell in einem besseren Licht erscheinen, als es tatsächlich ist.

Zukünftig aber dürften die Kunden die Autos der Edelmarken von Ford wieder genauer in Augenschein nehmen. Wobei sie feststellen werden, dass etwa bei Jaguar - stärker noch als bisher - der Rotstift regiert. Der Anteil an Ford-Komponenten wird eher zunehmen als weniger werden. Der X-Type hat in der (preiswertesten) Einstiegsversion nicht nur den Frontantrieb des Ford Mondeo, sondern auch einen Motor von Ford bekommen. Und die viel gelobte F-Type-Studie - als kerniger Porsche-Konkurrent gedacht - soll nur noch als kostengünstige abgespeckte Version gebaut werden.

Maßnahmen, die einen schweren Imageverlust zur Folge hätten. Allenfalls der Ende 2002 auf den Markt kommende, ganz aus Aluminium gebaute XJ-Nachfolger könnte wieder Imagepunkte gut machen. Doch er muss mit einem entscheidenden Prestige-Manko gegen die Top-Elite antreten: Ein Zwölfzylinder-Motor steht für den großen Jaguar nicht zur Verfügung.

Bei Aston Martin geht indes die Angst um, auf das Niveau von einst zurückgeschnitten zu werden. Reitzle hatte vor, die Traumsportwagen aus dem englischen Newport Pagnell zum ersten Ferrari-Herausforderer aufzurüsten. Jetzt lauert die Gefahr, dass Ford sich von der traditionsreichen Marke trennt, weil sie für lange Zeit keine Gewinne einfahren wird.

Glaubt man Ford-Präsident Nick Scheele, hat Volvo kaum etwas zu befürchten. So lange die Volvo-typischen Aspekte wie Sicherheit und Solidität gewahrt bleiben, tangieren mögliche Gemeinsamkeiten mit Ford das Image der schwedischen Marke kaum. Volvo-Kunden verlangen zwar Qualität, haben aber nicht so exklusive Ansprüche wie die Jaguar-Klientel. Volvo-Marketingvorstand Dieter Laxy: "Wir schreiben als Profit-Center der PAG schwarze Zahlen, bauen unser Modellprogramm weiter aus und wollen bis 2004 mehr als 500 000 Autos absetzen. Warum sollte Ford uns also verkaufen?" Ähnliches gilt für die Marke Land Rover. Lediglich der luxuriöse Range Rover läuft Gefahr, an Ansehen zu verlieren, wenn seine noch bei BMW gekauften Triebwerke eines Tages gegen Ford-Motoren ausgetauscht werden.

Dennoch: Sollte Ford auch bei der PAG einen rigiden Sparkurs fahren, ist nicht auszuschließen, dass der exklusive Markenverbund zerbröselt und das von Reitzle aufgebaute Luxus-Ensemble schnell wieder Geschichte ist. Denn auch der neue PAG-Chef Mark Fields gilt trotz seiner Verdienste bei Mazda, wo er durchaus Gespür für Markenmanagement bewies, als harter Sanierer. Im Zweifel rangiert auch bei ihm Profit vor Luxus.

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