US-niederländischer Kabelnetzbetreiber UPC wird Mehrheitseigner
Primacom verdoppelt mit UPC die Reichweite

Die beiden Kabelnetzbetreiber UPC und Primacom haben ihre Netze zusammengelegt. Diese Einigung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu größeren Kabelunternehmen. Das gilt als Voraussetzung dafür, dass die Fernsehkabel als Konkurrenz zum Telefonnetz der Deutschen Telekom ausgebaut werden.

BERLIN. Christian Schwarz-Schilling ist begeistert. "Endlich wird aus dem Kabel das, was ich immer wollte: eine Plattform für zusätzliche digitale Angebote im Wettbewerb zur Telekom", schwärmt der frühere CDU-Bundespostminister. Als Aufsichtsratsvorsitzender des Kabelnetzbetreibers Primacom AG, Mainz, hat er gemeinsam mit Peter Bogner, dem Beauftragten des Kabelnetzbetreibers UPC, die Zusammenlegung der deutschen Kabelnetze beider Unternehmen vorangetrieben.

Bis gestern um kurz vor 8 Uhr haben die Unterhändler beider Seiten an den Verträgen gefeilt, nach denen UPC ihre Tochter EWT/TSS mit 645 000 Haushalten in die Primacom (1,6 Mill. Haushalte) einbringt. Dafür kann sie ihren 25 %-Anteil an Primacom auf eine 51 %-Mehrheit aufstocken. In einem zweiten Schritt bringt UPC zusätzlich 472 000 Kabelhaushalte ein, die sie aus dem Bestand von Telecolumbus bis zum 31. August erwerben will. Dann wird Primacom mit 2 Millionen Haushalten nach der Deutschen Telekom AG (18 Mill. Haushalte) und der Callahan Gruppe (heute 4,2 Mill. Haushalte bei Kabel NRW) der drittgrößte Betreiber sein. Die Primacom-Kabelnetze sind in den Regionen Berlin/Brandenburg, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen und Rheinland-Pfalz/Saarland.

In den Ausbau zu rückkanalfähigen Breitbandnetzen will Primacom nach Angaben von Finanzchef Paul Thomason in diesem Jahr 100 Mill. Euro stecken. In den kommenden Jahren sollen jeweils bis zu 300 000 Haushalte aufgerüstet werden, wobei Thomason 200 bis 400 Euro je Haushalt ansetzt.

Schwarz-Schilling sieht das Zusammengehen der Unternehmen als wichtigen Schritt, dem Kabelmarkt in Deutschland zu größeren, finanzkräftigeren Unternehmen zu verhelfen. Diese könnten als echte Wettbewerber mit eigener Infrastruktur im Ortsnetz der Telekom Konkurrenz machen. Lange Zeit herrschte Funkstille zwischen Primacom und seinem Großaktionär UPC, den das alte Primacom-Management eher als feindlichen Übernehmer denn als Partner sah. Entsprechend langwierig gestalteten sich Verhandlungen, vor allem darum, wie hoch die Kabelhaushalte beider Seiten zu bewerten sind. Am Ende einigten sich die Partner darauf, einen Primacom-Haushalt mit 770 Euro zu bewerten, die EWT/TSS-Haushalte mit 30 % weniger.

Auch nach der Transaktion behält Primacom seine Eigenständigkeit als börsennotiertes Unternehmen. Im Aufsichtsrat stellt Primacom fünf Mitglieder und die US-niederländische UPC NV, Amsterdam, vier. UPC-Chef Mark Schneider sieht eine Zusammenarbeit besonders bei der Entwicklung digitaler Angebote und dem Einkauf von Settop-Boxen als sinnvoll an. UPC mit heute 6,5 Millionen Haushalten in Europa setzt derzeit Boxen von Phillips und Motorola ein, mit denen Digital-Programme auf dem TV-Bildschirm sichtbar werden. Wie Schwarz-Schilling setzt auch Schneider darauf, dass möglichst jeder Inhalteanbieter Zugang zu Primacom-Kabeln erhalten kann.

Den Aufsichtsratsvorsitz bei Primacom, deren Kurs gestern zulegte, behält Schwarz-Schilling, über einen neuen Vorstandschef wird noch entschieden. Seit dem Abgang von Jacques Hackenberg führt Finanzvorstand Thomason kommissarisch die Geschäfte. Für das Jahr 2000 meldete Primacom gestern einen um 17 % gestiegenen Umsatz von 124,3 Mill. Euro und einen Verlust von 64,3 Mill. Euro, nach 29,3 Mill. Euro im Vorjahr.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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