US-Notenbank Gefangene der eigenen Politik
EZB unter Zugzwang

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich mit ihrer zögerlichen Politik selbst in Zugzwang gebracht. Die Inflationsraten sind seit Monaten rückläufig, dafür häufen sich die konjunkturellen Hiobsbotschaften. Die Nachfrage der Verbraucher zeigt zunehmende Schwächen, und auch die Aufträge der Industrie leiden unter der weltweiten Konjunkturflaute.

dpa FRANKFURT/MAIN. Nach fast zweimonatigem Warten werden die europäischen Währungshüter an diesem Donnerstag nun nicht mehr um eine weitere Zinssenkung herum kommen, obwohl die Wirkung auf die Realwirtschaft erst in zwölf Monaten Wirkung zeigen kann.

Die Mannschaft um EZB-Präsident Wim Duisenberg hat mit ihrer vorsichtigen Gangart allerdings den aktuell weitaus wichtigeren psychologischen Effekt verspielt. Der allseits erwartete Zinssenkungsschritt dürfte erneut als Nachklapp auf die US-Notenbank interpretiert werden, die am Dienstag bereits die zehnte Leitzinssenkung in diesem Jahr vorgenommen hat. Dafür kann der Chef der amerikanischen Federal Reserve Bank, Alan Greenspan, wieder Lob für entschlossenes Handeln zur Bekämpfung der Rezession einheimsen.

Doch die Rolle der EZB ist nicht mit der Fed zu vergleichen. Die US-Notenbank ist stärker der Konjunkturentwicklung verpflichtet, wobei sie die Preisstabilität im Auge behalten soll. Nach den europäischen Verträgen lautet der Auftrag der EZB aber eindeutig: Erhaltung der Geldwertstabilität. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, kritisierte deshalb, dass "kein Tag vergeht, an dem nicht auf der EZB herumgeknüppelt wird".

Auch die amerikanische Notenbankpolitik ist fraglich

Nach Meinung des deutschen Spitzenbankers wird die EZB - im Gegensatz zur Fed - jedoch alleine gelassen. Der amerikanische Notenbankpräsident habe in der Regierung Bush und im Kongress verlässliche Partner. "Hand in Hand" könne ein Maßnahmenkatalog erstellt werden, um aus der Rezession heraus zu kommen.

Im Euro-Raum gebe es dagegen zwölf unabhängige Regierungen und keine geschlossene Reaktion auf die Flaute. Die Bundesregierung habe lediglich ein Sicherheitspaket von drei Milliarden DM zu Stande gebracht. "Das kann nicht wahr sein", bemängelte Breuer. Unter diesen unterschiedlichen Voraussetzungen müsse der Politik der EZB "allerhöchster Respekt" gezollt werden.

Aber auch die amerikanische Notenbankpolitik ist nicht ohne innere Widersprüche, die die jüngste drastische Zinssenkung fraglich machen. Der forcierte Expansionskurs kommt erst in vier Quartalen in der Realwirtschaft an - und droht dann die Inflation anzuheizen, wenn die Konjunktur längst wieder Tritt gefasst hat. Dann wäre die Fed möglicherweise schon wieder gezwungen, auf die Bremse zu treten.

"Fehlerhaft auf die Asienkrise reagiert"

Nach einer Analyse der DGZ Deka-Bank hat die Fed schon "fehlerhaft" auf die Asien-Krise reagiert und mit deutlichen Zinssenkungen den Millenium-Boom befördert. Das in der anschließenden Wachstumsphase notwendige Gegensteuern sei zu weit gegangen und habe zu lange gedauert. Der in diesem Jahr zu beobachtende Abschwung ist für Volkswirt Paul Terres von der DGZ Deka-Bank nun die Folge dieser geldpolitischen Verknappung.

Die US-Notenbank sei mit ihrer gleichzeitigen Zielvorgabe auf Konjunktur und Preisstabilität geradezu prädestiniert, eine solche Auf- und Ab-Politik zu erzeugen. Zusammen mit der expansiven Haushaltspolitik der US-Regierung könnten die häufigen Zinssenkungen bereits ein "explosives Gemisch" darstellen, das bestimmte Bereich der US-Wirtschaft längerfristig in eine erneute Überhitzungsphase bringe. Um allerdings an den Finanzmärkten, bei Verbrauchern und Investoren noch Wirkung zu erzielen, muss Greenspan den eingeschlagenen Kurs fortsetzen.

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