US-Notenbank senkt den Leitzins um halben Prozentpunkt – Index der Frühindikatoren rutscht im März weiter ab
Konjunkturskepsis zieht in USA ihre Kreise

Das Tauziehen zwischen Optimisten und Skeptikern unter den US-Ökonomen hält an. Auch die jüngsten Konjunkturdaten senden gemischte Signale. Mit ihrer gestrigen Leitzinssenkung scheint sich die US-Notenbank dem Lager der Konjunkturpessimisten zu nähern - zu unrecht, wie viele Ökonomen und Politiker glauben.

zz/bbl WASHINGTON/DÜSSELDORF. Wie gut oder wie schlecht steht es um die Konjunktur in den USA? Der Kampf zwischen den Optimisten und den Skeptikern ist noch nicht entschieden. Im März wagte das Economic Recycle Institute die vergleichsweise klare Aussage: Eine Rezession sei im gegenwärtigen Wirtschaftszyklus nicht mehr zu umgehen. So pessimistisch ist freilich nur eine Minderheit unter den amerikanischen Ökonomen. Doch Skeptiker machen meist mehr Schlagzeilen als Optimisten.

Nun scheinen auch die amerikanischen Währungshüter der Meinung zu sein, die Abwärtsrisiken überwögen in der US-Wirtschaft. Die Fed senkte gestern zum vierten Mal in diesem Jahr den Zinssatz für Tagesgeld auf nun 4,5 % und hat damit ihre Zinserhöhungen aus den Jahren 1999 und 2000 mehr als zurückgenommen. Vor allem die nachlassenden Investitionsausgaben der US-Unternehmen beunruhigen die Notenbanker vor dem Hintergrund verschlechterter Gewinnaussichten. Weiterhin warnen sie vor den Risiken einer schwächeren Konsumentwicklung.



Mit der außerplanmäßigen Zinssenkung noch vor der nächsten regulären Sitzung des Offenmarktausschusses - dem maßgeblichen Gremium für die Zins- und Geldpolitik - am 15. Mai signalisiert die Fed dringenden Handlungsbedarf. Die jüngsten offiziellen Wirtschaftsdaten stützen eine allzu pessimistische Konjunktureinschätzung allerdings nicht.



Der Index der Frühindikatoren, der eine Vorschau auf das Wirtschaftsgeschehen in drei bis sechs Monaten erlauben soll, hat im März zwar seinen Rückgang vom Vormonat fortgesetzt. Er ist um 0,3 % auf 108,5 und damit stärker als von Analysten erwartet abgerutscht. Dies ist der fünfte Rückgang in sechs Monaten. Die Industrieproduktion, einer der wesentlichen Gradmesser der wirtschaftlichen Aktivität, hat sich gegenüber dem Vormonat aber um 0,4 % verbessert.



Haben damit jene Optimisten Oberwasser, die im zweiten Halbjahr ein stärkeres Wachstum erwarten? Noch rechnet auch der Internationale Währungsfonds (IWF) für das laufende Jahr mit einem US-Wachstum von mindestens 2 %. IWF-Chef Horst Köhler bekräftigte gestern seine Einschätzung, dass der US-Abschwung nur kurz dauern und nicht in eine Rezession münden werde. Wohin also steuert die amerikanische Ökonomie im Jahr 2001? Das möchte vor allem Präsident George W. Bush genau wissen. Denn er will sein Steuersenkungsprogramm, das vom Senat bereits vorläufig von 1,6 auf 1,2 Billionen Dollar gestutzt wurde, im Kongress durchsetzen.



Dabei muss Bush in einen gewagten Spagat gehen: Er stellt einerseits die gegenwärtige wirtschaftliche Gesamtlage so dramatisch dar, dass die Steuersenkungen den Bürgern wie eine Erlösung aus ökonomischer Not erscheinen. "Es ist Aufgabe des Präsidenten, vor kommenden wirtschaftlichen Problemen zu warnen", antwortet Bush seinen Kritikern. Andererseits darf der Präsident die wirtschaftlichen Perspektiven nicht so trübe darstellen, dass die Unternehmen den Mut zu Investitionen und die Verbraucher die Lust am Konsumieren verlieren.



Erstaunlich ist die Verbesserung des amerikanischen Außenhandelsdefizits im Februar. Gegenüber Januar ist es um 18,8 % auf 27 Mrd. Dollar zurückgegangen. Aber der Importeinbruch um 4,4 % könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass der US-Markt derzeit weniger aufnahmefähig ist.



Die US-Zinssenkung rückt den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) ins Blickfeld der Märkte. Nach Ansicht der europäischen Notenbanker rechtfertigt die Wachstumsverlangsamung im Euro-Raum bislang noch keine Ausweitung des Geldmantels. Doch der Druck auf die EZB auch von Seiten der Vertreter internationaler Finanzinstitutionen steigt. IWF - Chef Köhler wiederholte gestern seine Forderung nach einer Zinssenkung im Euro-Raum, um einen raschen Aufschwung der Weltwirtschaft zu unterstützen. Eine geldpolitische Lockerung im Euro-Raum würde das Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten, dass die Fed gestern ausgelöst hat, verstärken. Die Börsen schauen hoffnungsvoll nach vorn.

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