US-Notenbankchef Greenspan und Bankenaufseher William McDonough konnten auf langfristig aufgebautes Netzwerk zurückgreifen
Banken haben nach dem Terroranschlag schnell gehandelt

Als vor einem Jahr die beiden vollbesetzten Maschinen in die Türme des World Trade Center rasten, hielten sich Amerikas Notenbankchef Alan Greenspan und sein oberster Bankenaufseher William McDonough im Ausland auf.

HB BERLIN. Greenspan hatte an jenem schicksalhaften Dienstag den Rückflug von der monatlichen Sitzung der Notenbankgouverneure bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angetreten. McDonough, Präsident der New Yorker Federal Reserve, leitete als Vorsitzender den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht. Wieder standen die neuen Eigenkapitalvereinbarungen, also "Basel II", auf dem Programm.

Nachdem man McDonough gegen Ende der Sitzung am Nachmittag die Schreckensnachricht vom Einsturz beider Türme des World Trade Centers überbracht hatte, war der oberste Bankenaufseher der Welt zunächst ohne Worte. Wie er konnten auch die Anwesenden das eigentlich Unfassbare nicht begreifen. McDonough stürzte aus dem Sitzungssaal, um mit New York zu telefonieren. Weil der Luftraum über den USA abgesperrt war, musste die Linienmaschine, mit der Greenspan in die USA zurückkehren wollte, umkehren. Mit amerikanischen Militärmaschinen ist Amerikas oberster Währungshüter dann - inklusive einem Zwischenstop in Deutschland - nach Washington zurückgekehrt.

Für die vom terroristischen Anschlag überraschten Notenbanker und Bankenaufseher, wie beispielsweise auch der Chef der deutschen Bankenaufsicht Jochen Sanio, standen Auffangmanöver zur Aufrechterhaltung des internationalen Zahlungsverkehrs und die ausreichende Bereitstellung von Liquiditätshilfen ganz oben auf der Dringlichkeitsliste. Das über die "Bank der Notenbanken" seit vielen Jahren und in vielen Finanzkrisen bewährte Kontaktnetz von Zentralbankern und Bankenaufsehern hat sich in den Stunden, Tagen und Wochen nach dem terroristischen Anschlag auf das New Yorker World Trade Center bewährt. Geradezu Unvorstellbares haben jedoch im Schatten des zweiten Pearl Harbor die betroffen Banken, Handelshäuser und sonstigen Finanzdienstleister geleistet.

Als der südliche Teil von Manhattan in Trümmern und Staub versank, setzte Thomas Fischer, im Vorstand der Deutsche Bank AG für das Risikomanagement verantwortlich, eine noch nie dagewesene Rettungsaktion für das New Yorker Clearingsystem in Gang. Weil die Abrechnungsfazilitäten der Bank of New York ausgefallen waren, übernahm die Deutsche Bank mit ihren Back-Up-Fazilitäten auf der anderen Seite des Hudsons einen großen Teil des Clearingverkehrs. Nicht nur die Offiziellen auf der deutschen Seite wie der heutige BAFin-Chef Sanio, auch Amerikas Krisenmanager in New York und Washington, haben den Einsatz der Deutschen Bank als Abrechnungsretter in der Not nicht vergessen.

"In der Zeit nach dem 11. September hat sich wieder gezeigt, was das Wort eines Kaufmanns wert ist", erinnert sich auch Commerzbank-Vorstand Andreas de Mazière. Die Banken hätten sich untereinander Linien eingeräumt, die zum Teil über Tage offen standen. Mündliche Zusagen und Vertrauen in die Bankenpartner hätten ausgereicht, um Risiken zu übernehmen.

Quelle: Handelsblatt

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