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US-Pharmakonzern Merck mit Gewinnrückgang wegen Vioxx - 300 Klagen

Wegen der Rücknahme des Arthritismedikaments Vioxx ist das Ergebnis beim US-Pharmakonzern Merck & Co im dritten Quartal deutlich gesunken. Der Nettogewinn sei mit 1,33 Mrd. Dollar um 28 Prozent niedriger ausgefallen als ein Jahr zuvor, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

dpa-afx NEW YORK. Wegen der Rücknahme des Arthritismedikaments Vioxx ist das Ergebnis beim US-Pharmakonzern Merck & Co im dritten Quartal deutlich gesunken. Der Nettogewinn sei mit 1,33 Mrd. Dollar um 28 Prozent niedriger ausgefallen als ein Jahr zuvor, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Im Zusammenhang mit Vioxx seien bereits rund 300 Klagen eingegangen. Im vorbörslichen Aktienhandel in New York notierte das Papier mit einem Minus von 0,5 Prozent.

Der Gewinn je Aktie (EPS) sei im Berichtszeitraum von 0,82 Dollar im Vorjahr auf 0,60 Dollar zurückgegangen, teilte das Unternehmen mit. In diesen Wert sei der Vioxx-Effekt mit eingerechnet. Dieser habe etwa 0,25 Dollar ausgemacht. Analysten hatten im Schnitt mit einem EPS von 0,71 Dollar gerechnet. Der Umsatz betrug im dritten Quartal 5,54 Mrd. Dollar (Vorjahr: 5,76 Mrd.). Experten hatten im Schnitt mit Erlösen von 5,93 Mrd. Dollar gerechnet.

Gewinneinbruch Auch IM Gesamtjahr

Für das vierte Quartal erwartet Merck nun einschließlich des Vioxx-Effektes ein EPS von 0,48 bis 0,53 Dollar. Analysten waren bisher von 0,35 Dollar ausgegangen. Im Gesamtjahr rechnet der Pharmakonzern mit einem EPS zwischen 2,59 und 2,64 Dollar. Diese Zahl beinhalte einen Vioxx-Effekt in Höhe von schätzungsweise 0,50 bis 0,55 Dollar. Die Expertenprognose für das EPS in 2004 liegt im Schnitt bei 2,58 Dollar.

Dem Unternehmen sind nach eigenen Angaben bis 15. Oktober rund 300 bereits eingereichte oder beabsichtigte Klagen im Zusammenhang mit Vioxx bekannt geworden. Diese Zahl beinhalte sowohl private als auch strafrechtliche Klagen. Mit dem ersten Verfahren sei in der ersten Jahreshälfte 2005 zu rechnen. Merck sieht sich bisher noch nicht in der Lage, eine Prognose hinsichtlich der zu erwartenden Kosten aus den Verfahren abzugeben. Es seien auch noch keine Rückstellungen gebildet worden.

Merck hatte mit Vioxx im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,5 Mrd. Dollar erzielt. Die Rücknahme von Vioxx bedeute für das Unternehmen einen erheblichen finanziellen Verlust, erklärte Konzernchef Raymond Gilmartin. Die Rücknahme von Vioxx stand im Zusammenhang mit einer Studie, die ein erhöhtes Risiko im Hinblick auf Herzerkrankungen ausgewiesen hatte.

Merck bezifferte die Produkthaftungs-Versicherungshöhe für Vioxx auf rund 630 Mill. Dollar. Das Unternehmen habe auch eine zusätzliche Versicherung im Hinblick auf Aktionärsklagen. Einige Merck-Anteilseigner haben bereits Sammelklagen eingereicht, in denen dem Unternehmen falsche und irreführende Aussagen zu Vioxx vorgeworfen wurden. Merck wurde auch in mehreren europäischen Ländern sowie in Kanada, Brasilien und Israel verklagt.

Forschung Ausgebaut

Merck hat die für Forschung aufgewendeten Mittel im dritten Quartal um 18 Prozent aufgestockt. Der US-Arzneimittelbehörde FDA werde im vierten Quartal ein Zulassungsantrag für Proquad vorgelegt, einen neuen Impfstoff für Kinder, der außer Masern, Mumps und Röteln auch Windpocken abdecken wird. Außerdem werde in diesem Jahr noch um die Zulassung des Wirkstoffs Muraglitazar ersucht, der gemeinsam mit Bristol-Myers Squibb entwickelt worden sei und der Bekämpfung von Diabetes des Typs zwei (früher: Alterszucker) diene.

Bei der Kostenreduzierung befinde sich Merck auf gutem Weg, hieß es weiter. Bis Ende September seien bereits 4 500 Arbeitsplätze gestrichen worden - dem Plan hätten es bis Ende des Jahres nur 4 400 sein müssen. Das Unternehmen erwartet sich davon eine Einsparung bei den Personalkosten in Höhe von 250 Mill. bis 300 Mill. Dollar jährlich beginnend mit 2005.

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