US-Pläne der CeBIT-Leitung
In Übersee ist weltgrößte IT-Messe kaum bekannt

Ray Lane war überwältigt. Der frühere Oracle-Vorstand und Wagniskapitalgeber hatte sich nicht träumen lassen, was er in den weitläufigen CeBIT-Messehallen Hannovers umschaute: Eine Fachausstellung, die um Welten größer war, als alles, was er aus den USA kannte. So wie Lane geht es vielen Top-Managern aus Übersee. Dort gilt die Technologie-Schau Comdex in Las Vegas mit 1 950 Ausstellern als das Branchen-Ereignis schlechthin. Dass die CeBIT mit 8 100 locker die vierfache Zahl an Ausstellern anzieht, ist im Taktgeber-Land der digitalen Wirtschaft den wenigsten bekannt.

HB SAN FRANCISCO. "Die US-Kollegen wussten vielleicht gar nicht genau, was die CeBIT ist", räumt auch Harald Zapp, Sprecher des Netzwerkausrüsters Cisco in Deutschland ein. Denn obwohl viele der amerikanischen IT-Riesen auf der Computermesse in Hannover vertreten sein werden, liegt die Organisation fast immer in deutscher oder europäischer Hand. Selbst beim Softwarekonzern Microsoft, dessen Vorstandschef Steve Ballmer die Eröffnungsrede halten wird, kümmert sich die deutsche Tochter um Messeauftritt.

Kein Wunder also, dass gleich mehrere Anfragen in den Pressestellen großer Unternehmen der digitalen Wirtschaft mit ungläubigen Nachfragen quittiert werden: "CeBIT? Wie schreibt sich denn das?" Tatsächlich sind nur rund 7 % der Unternehmen, die an der CeBIT teilnehmen, amerikanisch. Allerdings tauchen internationale Konzerne wie Microsoft, Cisco oder Intel, die ihren Auftritt von ihren Niederlassungen vor Ort aus organisieren lassen, als europäische Firmen in der offiziellen CeBIT-Statistik auf.

Dennoch: Von großer Begeisterung für die Messe ist zumindest im Hightech-Tal Silicon Valley nicht allzu viel zu spüren. "Es war ein hartes Stück Arbeit, den amerikanischen Firmen das Vertrauen zu vermitteln, auf die CeBIT zu gehen", sagt George Tastard. Der Handelsexperte unterstützt im Auftrag des amerikanischen Wirtschaftsministeriums US-Unternehmen bei ihrem Engagement auf der CeBIT.

Er hat wenigstens 17 kleine und mittlere Unternehmen von der Westküste davon überzeugen können, ihre Produkte auf dem USA-Länderstand in den Hannoveraner Hallen zur Schau zu stellen. "Die Firmen haben sich erst sehr spät entschieden", berichtet Tastard. Denn bei der derzeitigen konjunkturellen Lage würde jede Investition genau auf ihre kurzfristige Rendite überprüft - bei einer Messe-Teilnahme ist das ein schwieriges Unterfangen.

Doch der Bekanntheitsgrad der CeBIT in den USA könnte bald steigen. Schließlich plant die Deutsche Messe AG, auch in den USA eine CeBIT zu organisieren - sofern die Großen der Branche wie Microsoft, Intel und IBM mitziehen.

Dass die Vermarktung der Messe in Übersee kein Kinderspiel werden wird, ist Messe-Sprecher, Ulrich Koch, klar: "Wir werden da sicher nicht blauäugig rangehen." Er räumt ein: "Noch gilt die Comdex dort als größte Messe." Doch was nicht ist, kann ja noch werden, glaubt Koch kämpferisch: "Wir werden schon dafür sorgen, dass die CeBIT in den USA bekannt wird."

Bekannt oder nicht - die CeBIT wird sich gegen die Konkurrenz von Comdex, PC World, Internet World, Consumer Electronics Show und einer ganzen Reihe von Fachmessen durchsetzen müssen. Und das in einem Klima, in dem eine Reihe von Unternehmen ihre Messe-Strategie neu ausrichten. Bei einigen Firmen ist längst schon kein Platz mehr für einen teuren Stand auf der CeBIT, die in diesem Jahr rund 800 000 Besucher anziehen soll.

Eine kleine Zahl von wichtigen Unternehmen verzichtet bereits auf einen Auftritt in Hannover. "Die CeBIT war für uns einfach nicht mehr die richtige Plattform", sagt Caroliene Götz, Sprecherin von AOL Deutschland. Der Internet-Zugangsanbieter will sich künftig eher auf kleinere Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen konzentrieren: "Dort können wir unsere Zeilgruppen besser ansprechen", sagt Götz. Schließlich ginge beim Trubel der Großveranstaltung CeBIT ja doch einiges an Ankündigungen unter.

Allerdings fiel die Entscheidung, keinen Stand auf der CeBIT aufzubauen, weitgehend unabhängig von der US-Zentrale - schließlich war das amerikanische Mutterunternehmen AOL Inc. selbst noch nie auf der CeBIT vertreten. Auch die Softwarehersteller Computer Associates und Siebel, der Computerproduzent Apple sowie der Datenbankspezialist Oracle werden nicht nach Hannover reisen.

"Die Amerikaner haben keinen richtigen Bezug zur CeBIT", erklärt Oracle-Sprecherin Chari Lazaridis. Statt der Teilnahme an der Großmesse wird Oracle Deutschland nun - ganz nach amerikanischem Vorbild - kleinere Hausmessen wie die Oracle World organisieren. Für Lazaridis steht fest: "So eine Massenveranstaltung entspricht einfach nicht mehr dem Trend." Auch der Computerhersteller Apple nutzt lieber die eigene Hausmesse Mac World, um neue Produkte vorzustellen.

Bei aller Skepsis gibt es aber auch überzeugte CeBIT-Anhänger unter den amerikanischen Unternehmen: "Die CeBIT hat immer noch eine Menge an Glaubwürdigkeit", sagt die europäische Intel-Sprecherin Gail Hall. Für den Chip-Hersteller sei das breit angelegte Konzept der CeBIT genau richtig, um Kontakte zu knüpfen und mit Kunden zu sprechen. Folge: Der Intel-Stand wird in diesem Jahr mit 600 Quadratmetern dreimal so groß sein, wie im vergangenen Jahr. "Für?s Geschäft ist die CeBIT immer gut", meint Hall. Das reicht, um auch den Executive Vice President von Intel, Mike Splinter, zu einer Reise nach Hannover zu bewegen.

Auch der Serverhersteller Sun, bei dem sogar die Zentrale im Silicon Valley bestens über die CeBIT informiert ist, will die Messe nicht missen. "80 Prozent der Besucher sind IT-Experten", schwärmt Sun-Sprecherin Cinthia Portugal über die Qualität der Besucher. "Die CeBIT ist der einzige Platz, an dem wir so viele Fachleute und Produkte an einem Platz finden."

Sie hält es auch für möglich, dass ihr Unternehmen das geplante US-Engagement der CeBIT unterstützt: "Wir werden sicherlich darüber nachdenken. Schließlich ist die Teilnahme an der CeBIT für uns bisher immer ein erfolgreiches Unterfangen gewesen."

Auch wenn der Stand von Sun mit 850 Quadratmetern in diesem Jahr etwas kleiner ist als im vergangenen, stehen die Sun-Spitzenmanager hinter dem Engagement in Hannover. So wird auch der für das operative Geschäft zuständige Vorstand, Ed Zander, die CeBIT besuchen.

Doch trotz aller Begeisterung, auf den US-Markt dürfte der Messeauftritt in Hannover keine großen Auswirkungen haben: "Die CeBIT ist eine bedeutende Veranstaltung in Deutschland und Europa", sagt Sprecherin Portugal. "Sie ist das Gleiche, was die Comdex in den USA darstellt."

Und da hilft es auch nichts, dass die CeBIT die weltgrößte Messe überhaupt ist: Aus amerikanischer Perspektive hat sie eben doch nur europäische Bedeutung - und damit regionale.

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