US-Präsidentenwahl
Gore will gründliche Untersuchung

Nach der amerikanischen Präsidentenwahl hat das möglicherweise lange Warten auf den Namen des Siegers begonnen. Beide Kandidaten lagen im Staat Florida vor Beginn einer Neuauszählung nur 1 784 Stimmen auseinander, das sind weniger als ein halbes Prozent der fast sechs Mill. Stimmen. Auf den Sieger werden alle 25 Wahlmännerstimmen verpflichtet, die darüber entscheiden, ob George Bush oder Al Gore 43. Präsident der Vereinigten Staaten wird.

ap WASHINGTON. Der hauchdünn führende Republikaner Bush zeigte sich zuversichtlich, als Wahlsieger bestätigt zu werden. Die Stimmauszählung in Florida müsse schnell geklärt werden "und dann werde ich der gewählte Präsident sein", sagte er am Mittwoch abend. Gore, Vizepräsident unter dem scheidenden Bill Clinton, mahnte dagegen eine gründliche Untersuchung ohne voreilige Schlussfolgerungen an. Sein Wahlkampfleiter William Daley ergänzte, es könne nicht mit Gewissheit gesagt werden, wann alle offenen Fragen beantwortet seien. "Dies ist der Beginn eines Prozesses, nicht das Ende", fügte er hinzu.

Ganz nahe an einem Patt - beide Kandidaten erzielten einen Anteil von 48 % der 101 Mill. Stimmen - erhielt Gore nach absoluten Zahlen in allen US-Staaten etwas mehr Stimmen als Bush. Da der Sieger aber nicht direkt, sondern über Wahlmännerstimmen bestimmt wird, könnte Bush mit einem Sieg in Florida die gesamte Wahl gewinnen. Bush wäre dann erst der vierte Präsident in der Geschichte der USA, der ins Weiße Haus einzieht, ohne auch direkt die meisten Stimmen erhalten zu haben. Zuletzt war dies Präsident Benjamin Harrison im Jahr 1888.

Neben der Neuauszählung der Stimmen prüften die Demokraten unterdessen, ob sie Einspruch wegen Unregelmäßigkeiten im Wahlprozess einlegen. Insbesondere eine Wiederholung der Wahl im Kreis Palm Beach wurde ins Auge gefasst, in dem sich mehrere Wähler über die unübersichtliche Gestaltung des Stimmzettels beschwerten. Gore und der Kandidat der Reformpartei, Pat Buchanan, standen auf dem in eine zweispaltige Tabelle gestalteten Stimmzettel nebeneinander, das Kreuz für Gore musste in den dritten Kreis in der Mitte, das für Buchanan in den zweiten gemacht werden. Buchanan erhielt in Palm Beach 3 412 Stimmen - sein bestes Ergebnis in Florida. Bush stand an erster Stelle des Stimmzettels. Darüber hinaus wurde in Palm Beach 19 120 Stimmzettel für ungültig erklärt, weil zwei Kandidaten angekreuzt worden waren. Bei der Senatswahl machten nur 3 783 Wähler denselben Fehler.





Clinton weist auf Bedeutung jeder einzelnen Stimme hin

Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, rief unterdessen zur Besonnenheit auf. Wer Bedenken habe, solle den Kontrollprozess abwarten, mahnte der jüngere Bruder Bushs. "Aber lasst uns die Dinge nicht übertreiben." Nach Neuauszählung der Stimmen in 32 der 67 Wahlkreise hatte Gore den Rückstand auf Bush verringert, wie am Donnerstagmorgen bekannt wurde. Der Vizepräsident lag demnach nur noch 941 Stimmen zurück. Möglicherweise entscheidet erst die Auswertung der Briefwahlstimmen, die bis zu zehn Tage dauern darf.

Präsident Bill Clinton nutzte das dramatische Kopf-an-Kopf-Rennen, um auf die Bedeutung jeder einzelnen Stimme hinzuweisen. "Kein Amerikaner wird jemals wieder ernsthaft sagen könne, auf seine Stimme komme es nicht an", sagte er. "Das amerikanische Volk hat gesprochen, es wird aber eine Weile dauern herauszufinden, was es gesagt hat", fügte er in Washington nach seiner Rückkehr von New York hinzu, wo seine Frau Hillary zur Senatorin gewählt wurde.

Einige Links zur amerikanischen Präsidentschaftswahl

Noch mehr Informationen, Analysen über den Wahlausgang und Gegenüberstellungen der beiden Kandidaten finden Sie unter
www.voter.com: Umfrageergebnisse und erste Hochrechnungen
www.georgebush.com: Offizielle Homepage von George Bush
www.algore.com: Offizielle Homepage von Al Gore
www.clerkweb.house.gov: Informationen über 100 Jahre Präsidentschaftswahlen in den USA
www.usinfo.state.gov: Amtliche Analysen und Berichte des amerikanischen Außenministeriums

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