US-Präsidentschaftskandidaten
Charmeur trifft auf Raubein

Das ungleiche Duell um das Weiße Haus hat begonnen: auf der einen Seite der Volksheld Barack Obama, der um die Einheit seiner Partei kämpfen muss. Auf der anderen Seite der kamferprobte John McCain, der mit seinen Versprechungen vor allem bei der Wirtschaft punktet. Das große Doppelportrait der Kandidaten.

WASHINGTON/NEW YORK. Barack Obama gegen John McCain - viel unterschiedlicher könnten auf den ersten Blick die personellen Alternativen kaum sein, die sich am 4. November den amerikanischen Wählern bieten. Denn die beiden Präsidentschaftsanwärter sind in Stil und Vision klar voneinander zu trennen. Hier der jugendliche und leidenschaftliche Obama, der einen neuen Aufbruch will. Dort der 71-jährige McCain, der noch einmal eine schon vergangen geglaubte Generation verkörpert. Inhaltlich indes könnten sich Obama und McCain in den nächsten Wochen annähern. Denn vor allem Obama braucht zum Siegen mehr Wähler aus der Mitte.

Das etwas schärfere Profil hat dabei John McCain. Denn der steht ganz eindeutig für ein Festhalten am militärisch Kurs im Irak, für eine Sicherheitspolitik, die Terrorabwehr an die Spitze stellt, für eine neoliberale Steuerpolitik, für Freihandel - und auch für eine Neuausrichtung der Klima- und Energiepolitik. Für die republikanische Basis liefert McCain zudem die gewünschten negativen Positionen bei den Themen Abtreibung, Homo-Ehe und Waffenkontrolle.

Allerdings wäre McCain nicht McCain, wenn tatsächlich sämtliche seiner Positionen in Stein gemeißelt wären. Der Senator aus Arizona hat schon oft enorme Flexibilität an den Tag gelegt - etwa bei den Abstimmungen über die Steuersenkungen unter Präsident George W. Bush oder in der Frage der Abtreibung. So stimmte er zweimal gegen die Steuersenkungen und sprach sich einst auch für die geltenden relativ liberalen Abtreibungsregelungen aus. Inzwischen ist er in beiden Punkten von seinen damaligen Meinungen abgerückt und propagiert das Gegenteil. Beim heißdiskutierten Thema Einwanderung ist McCain zudem eher ein Liberaler. Er unterstützte hier George W. Bush, der einen Weg zur Legalisierung des Aufenthalts für unerlaubt eingereiste Menschen forderte - und damit im Kongress scheiterte.

Barack Obama dagegen liefert seinen Anhängern die klassische Projektionsfläche eines Newcomers. Dort kann jeder aufschreiben, was er sich wünscht: einen schnellen Rückzug aus dem Irak, eine offensive Diplomatie mit den Feinden Amerikas, Ausgabenprogramme für die Bildung, eine umfassende Gesundheitsreform mit einer Krankenversicherung für alle und eine ökologische Klima- und Umweltpolitik. Indem Obama im Vorwahlkampf vieles davon offengelassen hatte oder seine Positionen nur auf seiner Webseite versteckte, vermied er es, seine Anhänger zu verprellen. Doch wird er jetzt auch öffentlich Farbe bekennen müssen - und damit Verärgerung bei seiner angestammten Klientel riskieren.

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