US-Präsidentschaftskandidatur: Rudy will es wissen – trotz Leichen im Keller

US-Präsidentschaftskandidatur
Rudy will es wissen – trotz Leichen im Keller

Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Rudolph Giuliani seine Kandidatur für das höchste Staatsamt in den USA erklären musste. Denn während der Ex-Bürgermeister von New York zuletzt vor allem durch Pannen für Aufmerksamkeit sorgte, zogen die andere Bewerber um die Präsidentschaft bereits an ihm vorbei. Ob er es letztendlich schafft, ist dabei aber gar nicht so entscheidend.

WASHINGTON. Bei seinen Republikanern waren es vor allem Senator John McCain und Mitt Romney aus Massachusetts, bei den Demokraten Hillary Clinton, John Edwards und Aufsteiger Barack Obama. Also setzte der 62Jährige jetzt seine Unterschrift unter ein Papier, das seinen Status als Kandidat bestätigte. "I?m in this to win" präzisierte er später in seinem Haussender "Fox News" für all jene, die immer noch nicht sicher waren, was Rudy wirklich will.

Semantisch blieb Giuliani mit diesem Statement aber wieder nur zweiter Sieger hinter seiner Konkurrentin Clinton, denn die New Yorker Senatorin hatte schon am 20. Januar die Gewinner-Phrase geprägt. Und im Unterschied zu der ehemaligen First Lady schien es, als ob Giuliani doch etwas zu dieser öffentlichen Erklärung geschoben werden musste.

Dabei ist der Sohn italienischer Immigranten einer der wenigen republikanischen Politiker, die sich mit der aktuellen Strahlkraft der demokratischen Bewerber messen können. Ob Giuliani von seiner Partei letztlich auf den Schild gehoben wird, ist dabei gar nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass er die Medienöffentlichkeit auf sich und auf seine Partei ziehen kann.

Dabei hatte der Ex-Bürgermeister - mit John McCain der natürliche Spitzenkandidat auf der konservativen Flanke - allerdings einen denkbar schlechten Start. Denn als seinem Team Ende letzten Jahres ein 140 Seiten starkes Strategiepapier abhanden kam, schaffte er es zwar auf die Titelseiten - jedoch nicht in der geplanten Form. Der Inhalt des Konvoluts, das aus dem Koffer eines Mitarbeiters entwendet worden war, wurde flugs an die New Yorker Boulevardzeitung "Daily News" lanciert. In dem Papier fanden sich nette Details aus Giulianis Leben, auf die sich das "Team Rudy" schon mal mit Abwehrmanövern einstellen wollte - etwa weitere Einzelheiten über seine Romanze mit seiner dritten Frau Judith Nathan, die schon begann, als er noch mit Donna Hanover verheiratet war. Der folgende Scheidungskrieg, der ihn sogar zum Auszug aus der Villa des Bürgermeisters zwang, gilt inzwischen als legendär - und teuer. In den Weblogs setzte sich daraufhin die Meinung fest, dass Bill Clinton mit seiner Lewinsky-Affäre im Vergleich zu Giuliani eigentlich ein Waisenknabe gewesen sei.

Auch ohne diese Leichen in seinem Keller schwimmt der Bewerber mit seinen liberalen Ansichten zu Abtreibung und Homosexualität oder einer strengeren Kontrolle des Waffenbesitzes nicht gerade im republikanischen Mainstream. Da er inzwischen aber von diesen Positionen nicht mehr abrücken kann, betont er umso stärker seine Ansichten zu "law & order". Giuliani wird zugeschrieben, New York in den 90er-Jahren sicherer gemacht und die Kriminalität wirksam bekämpft zu haben. Er hat Steuern gesenkt und den Behördenapparat verkleinert. Und er hat im Augenblick der größten Bedrohung - am 11. September 2001 - Führungsstärke bewiesen.

Allerdings wird die gnadenlose amerikanische Wahlkampfmühle auch hier die Vergangenheit nochmals akribisch aufrollen. Denn seine New Yorker Erfolge erzielte Giuliani teilweise mit umstrittenen Methoden: So klagten 70 000 Bürger der Stadt gegen ihren Bürgermeister, weil dieser unter anderem Leibesvisitationen für Schwarzfahrer angeordnet hatte.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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