US-Präsidentschaftswahl
Joe Biden: Obamas Beißer

Joe Biden, Obamas zweiter Mann, soll im US-Wahlkampf gegen John McCain die Tonlage verschärfen. Biden soll das machen, was Barack Obama nicht kann oder nicht will: Zähne zeigen. Und das ausgerechnet gegen einen Mann, den er in der Vergangenheit seinen Freund genannt hat.

DENVER. Leichtfüßig hüpft er aufs Podium und läuft los. Zehntausende jubeln, als er oben vor dem Kapitol von Springfield in Illinois steht und der Menge zuwinkt: ein freundlicher 65-Jähriger mit silbrigem Haar.

Aber es dauert keine fünf Minuten, bis Joe Biden in die Rolle schlüpft, für die er gerade erst ausgesucht worden ist. Er attackiert John McCain so massiv wie nie zuvor. Biden macht das, was Barack Obama nicht kann oder nicht will. Er zeigt die Zähne.

Wer bis dahin dachte, der frisch gekürte Kandidat für den Vizepräsidentenposten soll Obama vor allem fein gesponnenen außenpolitischen Rat erteilen, wird überrascht. Joe Biden ist tags zuvor auch dafür verpflichtet worden, die Drecksarbeit im Wahlkampf zu erledigen. So zeigt er sich vor den mächtigen Säulen des Kapitols von Springfield durch und durch als „attack-dog“ von Obama. Ausgerechnet Joe Biden.

Denn noch vor vier Jahren empfahl er dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, den Republikaner John McCain zu seinem Vize zu machen. Damals hielt der Senator aus Delaware große Stücke auf seinen Freund John. Weil der in seiner republikanischen Partei immer wieder gegen den Strom schwamm, weil er oft seinem Herzen und nicht stur der Parteilinie folgte und weil er als Gefangener in Vietnam Heldenmut bewiesen hatte.

„John McCain ist ein persönlicher Freund von mir“, sagte Biden in einem Fernsehinterview 2005. Und später auch: „Ich wäre geehrt, wenn ich eines Tages mit oder gegen ihn antreten könnte – weil ich glaube, dass dies gut für das Land wäre.“ Ausgerechnet der Mann also, der mit solcher Hochachtung über McCain spricht, der kämpft nun für dessen Gegner Obama und soll McCain stoppen. Stoppen, da McCain aufholt, langsam, aber kontinuierlich. Weil der einst totgesagte 71-Jährige wieder einmal aufsteht und Boden gutmacht. Herangerobbt hat sich der Republikaner an Obama bis auf Armeslänge. Nur noch knapp liegt der Senator aus Illinois in den Umfragen vor McCain. Auch weil der tiefer in die Trickkiste greift als je geglaubt. Als „elitär“ tut McCain den Jungsenator ab, als „Promi“, als „abgehoben“.

Seite 1:

Joe Biden: Obamas Beißer

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%