US-Präsidentschaftswahl
Obama: „Jetzt seid ihr dran“

Von Anspannung ist nichts zu sehen, als Barack Obama unter den Augen der Weltöffentlichkeit seinen Wahlzettel in den Scanner schiebt. 15 Minuten nimmt er sich Zeit, seinen Töchtern den Wahlprozess in der Turnhalle zu erklären, dann geht es zum letzten Wahlkampfauftritt in Indiana. Hunderttausende seiner Nachbarn in Chicago bereiten sich bereits auf eine gewaltige Siegesfeier vor.

CHICAGO. Die Turnhalle der Shoesmith Grundschule ist für das Ereignis extra renoviert worden, der Fußboden ist frisch versiegelt, die rotbraunen Bühnevorhänge neu. Hier soll Barack Obama, mit hoher Wahrscheinlichkeit Amerikas nächster Präsident, seine Stimme abgeben - und seine Nachbarn sind fürchterlich stolz auf ihn. "Darauf haben wir lange gewartet, jetzt darf nichts mehr schiefgehen. Obama im Weißen Haus - das wird mein Leben verändern", sagt Laura Fine, die an dieser Schule unterrichtet.

Um 7.35 Uhr kommt die Familie Obama um die Ecke. Sie wohnen nur zwei Blöcke weiter, an einem der Boulevards am Rande des Uni-Viertels Hyde Park, eine kuschelige, fast europäisch anmutende Insel im hektischen Chicago. Hier hat sich Barack Obama als junger Senator ein großes Haus gekauft, finanziert aus seinen Buchhonoraren. Obama trägt einen schmal geschnittenen schwarzen Anzug, seine Frau Michelle im ebenfalls schwarzen Kleid, die beiden Töchter hüpfen nebenher.

Eigentlich eine idyllische Szene, wie die vier unter den noch immer gelb und orange gefärbten Laubbäumen heran kommen. Wären da nicht die vielen Polizisten und Secret-Service-Agenten, die das ganze Viertel überwachen. Und wären da nicht die Dutzenden von Kamerateams, die jeden Schritt verfolgen.

Doch die Familie ist das inzwischen gewohnt. Lässig begrüßt Obama ein paar seiner Nachbarn in der Schlange, die hier am frühen Morgen schon anstehen. In der Turnhalle nimmt er sich Zeit. Allerdings ist der Wahlzettel auch einen halben Meter lang, neben dem Präsidenten müssen Dutzende andere Posten bestimmt werden - von dem Kongressabgeordneten über einige Richter bis hinunter zum Schuldezernenten. Ein so genanntes Straight Vote, bei dem man mit einem Kreuz alle Posten einer Partei zuweisen kann, gibt es in diesem Wahlbezirk nicht.

Barack und Michelle Obama stellen sich hinter zwei der nur halbhohen Wahlkabinen und machen sich an die Arbeit. Daneben steht die ältere Tochter. Die zehnjährige Malia trägt Rastalocken - und kann ein Gähnen zwischendurch nicht unterdrücken. Doch ihr Vater zieht sie heran, erklärt ihr offenbar, was er ankreuzt. "Ich hatte die Chance, mit meinen Töchtern an der Seite zu wählen, das hat Spaß gemacht," sagt er später den wartenden Reportern. Er selbst habe keine Probleme gehabt, sich zu entscheiden. "Aber Michelle hat ziemlich lange gebraucht, da habe ich lieber mal kontrolliert, wen sie wählt."

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