US-Präsidentschaftswahlen
Obama – Präsident von Bloggers Gnaden

Spielekonsolen, Youtube und Datenbanken entschieden den Wahlkampf für den zukünftigen US-Präsidenten. Auch der unterlegene John McCain nutzte das Web so gut er konnte – doch eine wirkliche Chance hatte er gegen den Internet-Feldzug von Barack Obama nie.

DÜSSELDORF. Zum Schluss lagen die Nerven nur noch blank im Bootcamp von John McCain. Die Video-Plattform Youtube hatte einen Werbespot des Republikaners gelöscht und seine Helfer hatten sich schriftlich erbost bei der Google-Company beschwert. Doch die belehrte die Wahlkämpfer süffisant, dass das Urheberrecht nun mal für alle gelte, auch für John McCain. Und der hatte unerlaubt ein Lied verwendet, dessen Rechteinhaber die Löschung verlangt habe. Ganz im Sinne des Digital Millennium Copyright-Gesetzes, dass auch McCain maßgeblich befürwortet hat. Der Brief und die bissige Antwort fanden - so ein Zufall - den Weg an die Öffentlichkeit und wurden zur letzten großen Niederlage des Republikaners im Internet-Zweikampf der Giganten.

Und da hatte John McCain nie eine Chance. Wenn TV-Sender wie CNN die Ausstrahlung eines Werbespots des Konkurrenten Barack Obama ablehnten, hatten nur Stunden später tausende Webseiten auf die dreißigminütige Imageshow verlinkt - kostenlos. Stapfte McCains ahnungslose Vize und bekennende "Hockeymom" Sarah Palin in TV-Interviews in ein Fettnäpfen nach dem anderen, war dies binnen kürzester Zeit online. Das Web vergisst nichts und zeigt alles. Immer wieder.

Auch McCain nutzte das Web so gut er konnte, aber Obamas Helfer waren einfach jünger, zahl- und einfallsreicher und besser vernetzt. Während McCains alte Anrufroboter noch seelenlos tausende von Telefonate tätigten, um mit schnarrender Stimme monoton vor der angeblich heraufziehenden Gefahr zu warnen, schnitten Obama-Anhänger die blamablen Telefonante digital mit, um sie genüsslich kommentiert ins Internet zustellen. Ob auf Mysace, Facebook oder in politischen Blogs rund um den Globus - Obama war omnipräsent.

Eine pfiffige kleine Software machte jeden Besitzer eines Apple "iPhones" zur Ein-Mann-Wahlkampfmaschine. Es gab ständig die letzten News aus dem kommenden Epizentrum der Macht, frische Argumentationshilfen für die abendliche Diskussionsrunden in der Bar, und mit nur einem Knopfdruck verlinkte das Programm ins iPhone-Adressbuch, um in Sekunden alle Freunde zu Kampfhelfern und Wählern zu machen.

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