US-Präsidentschaftswahlkampf
Comeback der Polit-Bettler

Lange galt in den USA als ausgemacht, dass nur derjenige Präsident werden kann, der sich mit Millionen von Spendendollar Fernsehwerbung kauft. Doch Mike Huckabee ist trotz vergleichsweise kleiner Wahlkampfkasse dabei, zum Favoriten der Republikaner aufzusteigen. Auch Konkurrent John McCain zeigt, dass die Gleichung „Geld gleich Wahlerfolg“ nicht mehr aufzugehen scheint. Ein Dogma der US-Politik wackelt.

DES MOINES. Alle sind sie gekommen, die Politikexperten aus Washington, die so gerne Schicksal spielen im Fernsehen. Tim Russert, NBC-Polit-Moderator bei NBC ebenso wie George Stephanopoulos von ABC und Chuck Todd, lange Jahre Kongress-Astrologe beim „National Journal“, dem Insiderblatt für Politiker schlechthin.

Die Medienstars drängeln sich an diesem Abend mit 200 Kollegen in der Zentrale von John McCain in Urbandale, Iowa. Die schwülwarme Luft ist zum Schneiden. Im Hintergrund läuft Swing – „Rat Pack“, Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Junior. McCain verspätet sich.

Doch die Meute wartet geduldig. Der Senator aus Arizona steht vor einem Comeback, er ist das Stadtgespräch. Und die, die heute hier sind, haben ihn dazu gemacht – ohne dass McCain, 71, dafür zahlen musste.

Lange galt in den USA als ausgemacht, dass nur derjenige Präsident werde, der sich von Anfang an mit Millionen von Spendendollar aus seiner Wahlkampfkasse Fernsehwerbung kauft, um Wähler und auch die „freien“ Medien wie Zeitungen und Internet zu beeindrucken. Nun zeigen chronische Polit-Bettler McCain und sein Gegner Mike Huckabee, dass es auch anders geht – ein Dogma der US-Politik scheint zu wackeln.

Wie kein Zweiter hat John McCain die Liebe der Medien nötig. Der alte Wahlkämpfer war im Sommer fast pleite. Manche Umfragen führten den Vietnamhelden aus Arizona schon gar nicht mehr. Dutzende Mitarbeiter wurden gefeuert, seine Top-Polit-Manager verließen McCain. Spenden konnte er so kaum noch sammeln. Im Sommer waren noch zwei Millionen Dollar in der Kasse – und schon eine Million Dollar Schulden. Auch sein zweiter Versuch seit dem Jahr 2000, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden, schien gescheitert.

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