US-Präsidentschaftswahlkampf
Demokraten streiten um Superdelegierte

Der Streit um die Superdelegierten entzweit die Demokraten. Diese Delegierten könnten letztendlich darüber entscheiden, ober Hillary Clinton oder Barack Obama ins Rennen um das Weiße Haus gehen. Nun wird Kritik laut, dass die Superdelegierten eine zu große Bedeutung hätten. Nun machen vor allem clinton-nahe Spender Druck.

HB WASHINGTON. Keine Geringere als Nancy Pelosi, die Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, hat den Stein ins Rollen gebracht. Es wäre schädlich für die Demokratische Partei, wenn die „Superdelegierten“ das Ergebnis der Vorwahlen umkehren sollten, sagte sie vor kurzem. Pelosi, Aushängeschild der Demokraten in Washington, nannte keinen der beiden Kontrahenten Hillary Clinton und Barack Obama beim Namen. Sie kündigte aber an, ihre Stimme auf dem Nominierungsparteitag im August dem zu geben, der in den Vorwahlen die meisten Delegierten auf sich verpflichtet habe. Und das ist aller Voraussicht nach Obama.

Nach Zählung der Nachrichtenagentur AP kommt Obama bislang auf 1 406 Delegiertenstimmen und Clinton auf 1 249. Egal, wie die restlichen zehn Abstimmungen ausgehen, es wird für Clinton praktisch unmöglich sein, den Rückstand aufzuholen, da auch der Zweitplatzierte in den Wahlen einen proportionalen Anteil an Delegiertenstimmen erhält.

Angesichts dieser Situation richtet sich das Augenmerk umso stärker auf die sogenannten Superdelegierten. Diese fast 800 Parteifunktionäre und Amtsträger sind im Gegensatz zu den in Vorwahlen gekürten Delegierten nicht auf einen Kandidaten verpflichtet und werden wohl als Zünglein an der Waage den Ausschlag geben, wer letztlich Präsidentschaftskandidat der Demokraten wird.

So wird verständlich, dass die Anhänger Clintons die Äußerungen Pelosis mit großem Missfallen sehen. Sie bemühen sich jetzt um Schadensbegrenzung. 20 große Spender für die Demokratische Partei haben jetzt in einem Brief Pelosis Bemerkung scharf kritisiert. Die Superdelegierten „dürfen nicht auf ein Kriterium allein schauen“, warnen sie. Sie müssten vielmehr bei der Frage, welcher Kandidat die besten Chancen bei der Präsidentschaftswahl im November habe, „die ganze Palette der Faktoren“ beachten. Mit dem Hinweis auf ihr starkes finanzielles Engagement für die Demokraten forderten die Spender Pelosi auf, ihren Standpunkt noch einmal zu überdenken.

Doch Pelosi lässt sich nicht beirren. Ihrer Meinung nach würde es der Demokratischen Partei großen Schaden zufügen, „sollte der Eindruck entstehen, die Superdelegierten würden sich über den Willen der Wähler hinwegsetzen“, erklärte ihr Sprecher Brendan Daly.

In Obamas Wahlkampfteam ist man erbost über das Schreiben der Spender. „Dieser Brief ist unangemessen. Wir hoffen, das Clinton-Lager wird die versteckten Andeutungen, die darin enthalten sind, zurückweisen“, sagte Obamas Sprecher Bill Burton.

Doch Clinton gibt sich zugeknöpft. „Es gibt wenige Menschen, die so viel für den Aufbau der Demokratischen Partei getan haben wie Bill und Hillary Clinton“, sagte ihr Sprecher Phil Singer. „Das letzte, was sie brauchen, ist eine Lektion vom Obama-Lager.“ Obama selbst macht sich unterdessen für eine Idee stark, die der Gouverneur von Tennessee, Phil Bredesen, ins Spiel gebracht hat: eine Vorwahl innerhalb der Superdelegierten. Damit könne sich die Partei möglichst bald Klarheit über ihren Spitzenkandidaten verschaffen und auf den eigentlichen Gegner im Kampf ums Weiße Haus konzentrieren - die Republikaner, deutete Obama am Mittwoch an.

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