Archiv
US-Präsidialamt: Äußerungen Scharons sind inakzeptabel

Das US-Präsidialamt hat Äußerungen von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon zurückgewiesen, die USA betrieben auf Kosten Israels eine Beschwichtigungspolitik zu Gunsten arabischer Staaten. "Die Äußerungen des Ministerpräsidenten sind inakzeptabel", sagte Regierungssprecher Ari Fleischer am Freitag in Washington.

Reuters WASHINGTON. Israel habe weltweit keinen stärkeren Freund und Verbündeten als die USA, US-Präsident George W. Bush sei ein besonderer Freund Israels. Die Reaktion der USA sei Scharon über die US-Botschaft in Israel und den Nationalen Sicherheitsrat übermittelt worden. Ein Berater Scharons sagte, Israel habe allgemein vor den Gefahren einer Beschwichtigungspolitik warnen wollen.

Scharon hatte am Donnerstag die USA und den Westen davor gewarnt, ihr Bemühen um Unterstützung arabischer Staaten für den Kampf gegen weltweiten Terrorismus nicht auf Kosten Israels zu betreiben. Scharon sprach von dem "entsetzlichen Fehler von 1938", als Europa "entschieden habe, die Tschechoslowakei den Nazis zu opfern". "Die USA tun nichts, um die Araber auf Kosten Israels zu beschwichtigen", sagte Fleischer. Am Dienstag hatte Bush erklärt, ein eigener palästinensischer Staat sei schon immer Teil der langfristigen US-Vision für Frieden im Nahen Osten gewesen.

Im 1938 zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland vereinbarten Münchener Abkommen musste die Tschechoslowakei ihre deutsch besiedelten Randgebiete Böhmen und Mähren an das Deutsche Reich abgeben. Das Abkommen sollte die neuen Grenzen der Tschechoslowakei garantieren. Großbritannien und Frankreich hofften, einen Krieg mit Deutschland zu vermeiden, indem sie Hitler mit Zugeständnissen beschwichtigten. Im März 1939 brach Hitler das Abkommen, als er die restliche Tschechoslowakei besetzen ließ.

"Ministerpräsident Scharon wollte natürlich auf keine Art und Weise andeuten, dass Amerika und seine Führung mit der gegenwärtigen Situation, soweit sie Israel betrifft, unehrenhaft umgingen", sagte Scharon-Berater Salman Schowal. Scharon habe lediglich eine Warnung an alle, auch an Israel, aussprechen wollen, dass Beschwichtigung niemals gelänge. Scharon habe deutlich machen wollen, dass Israel sich im Gegensatz zur damaligen Tschechoslowakei um seine Sicherheit kümmern könne und dies auch tun werde, sagte Schowal.

Die USA schmieden derzeit eine Anti-Terror-Koalition und werben dabei vor allem in islamischen Staaten um Unterstützung. Einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten kommt bei diesen Bemühungen zentrale Bedeutung bei. Israels Außenminister Schimon Peres und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hatten erst in der vergangenen Woche einen Waffenstillstandsplan bekräftigt. Da die Waffenruhe jedoch brüchig blieb, hatten die USA am Mittwoch an Israel und die Palästinenser appelliert, auf weitere Gewalt zu verzichten. Israel und die Palästinenser geben sich gegenseitig die Schuld an der gescheiterten Waffenruhe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%