US-Regierung baut auf Hilfe aus der Bundesrepublik
Deutsche Firmen dürfen auf Irak-Aufträge hoffen

Deutsche Unternehmen können damit rechnen, am Wiederaufbau des Iraks beteiligt zu werden. Die politische Führung der USA signalisiere dies sehr deutlich, hieß es in deutschen Regierungskreisen. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass der US-Konzern Bechtel aktiv auf deutsche Unternehmen zugeht, um sie am Wiederaufbau im Irak zu beteiligen.

fmd/ink EVIAN/BERLIN. Beide Schritte sind deshalb wichtig, weil zum einen die US-Besatzungsbehörden im Irak über den geplanten milliardenschweren Entwicklungsfonds bestimmen werden. Mit diesem aus irakischen Ölverkäufen stammenden Geld sollen größere Infrastrukturprojekte bezahlt werden. Zum anderen ist Bechtel von Washington mit der notdürftigen Wiederherstellung der zivilen Infrastruktur beauftragt worden und der kalifornische Konzern sucht deshalb Subunternehmer.

Sowohl von deutscher wie amerikanischer Seite wird der gute Wille betont, nach dem Disput um den Irak-Krieg wieder stärker miteinander ins Gespräch zu kommen. "Man gibt sich große Mühe", heißt es in deutschen Delegationskreisen auf dem G8-Gipfel in Evian. Geprägt sei diese Wiederannäherung durch die Erkenntnis, dass "die Deutschen die Amerikaner brauchen, aber die Amerikaner auch die Deutschen". Dies beziehe sich vor allem auf die Schwierigkeiten der USA beim Wiederaufbau im Irak.

Dabei herrscht die Überzeugung vor, dass dieser langfristig nur durch ein Engagement Deutschlands erfolgreich gestaltet werden kann. Die Bundesrepublik sei eines der wenigen Länder, das internationales Gewicht in die Waagschale werfen kann, hieß es selbstbewusst. Außer den USA seien nur Japan, Frankreich, Großbritannien und Deutschland in der Lage, eine solch große Aufgabe politisch, technisch und finanziell zu schultern.

Im übrigen sieht man sich im Irak zum Erfolg verdammt. "Denn der Wiederaufbau des Iraks ist für die Europäer mindestens genauso wichtig wie für Amerikaner", sagte der außenpolitische Berater im Kanzleramt, Bernd Mützelburg, in Evian. Von einem Scheitern seien die Europäer noch stärker als die USA betroffen. Allerdings erneuerte Mützelburg die Forderung, dass sich der Wiederaufbau unter dem Dach der Uno vollziehen müsse. "Die Irak-Frage ist jedoch keine transatlantische Streitfrage mehr. Wir sind zum partnerschaftlichen Dialog in Fragen von strategischer Bedeutung zurückgekehrt", sagte er.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte unterdessen vor einem voreiligem Engagement. "Deutsche Firmen, die sich bei Bechtel registrieren lassen, sollten prüfen, ob sie dadurch nicht gegen die deutsche Außenwirtschaftsverordnung (AWV) verstoßen", warnte Jochen Münker, Nahost-Experte des DIHK. Denn die AWV verbietet deutschen Firmen, so genannte Boykottklauseln zu unterschreiben. Wie viele US-Konzerne hat aber auch Bechtel in seinen Verträgen einen Passus vorgesehen, nach dem für Geschäftspartner der Handel mit "Schurkenstaaten" wie Iran, Libyen oder Sudan verboten ist. Umgangen werden könne dieses Problem dadurch, dass deutsche Firmen sich über ausländische Töchter registrieren lassen, meint Münker. "Für kleinere oder mittelständische Firmen, die keine Auslandstöchter haben, könnte dies aber ein Problem werden."

Unterdessen haben erste deutsche Firmen wieder Vertreter in den Irak geschickt. Auch der Repräsentant der Bundesregierung ist aus der jordanischen Hauptstadt Amman nach Bagdad zurückgekehrt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%