US-Regierung gibt nach
Kommentar: Gates kann sich zufrieden die Hände reiben

Zwar sind noch nicht alle Details der außergerichtlichen Einigung zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium ausgehandelt. Die vorliegenden Eckpunkte deuten jedoch darauf hin, dass der weltgrößte Softwareanbieter weit gehend ungeschoren aus dem seit über drei Jahren laufenden Kartellverfahren in den USA hervorgehen wird.

Daran werden selbst die skeptischen 18 Bundesstaaten wenig ändern können, die ebenfalls gegen Microsoft klagen und der Einigung noch zustimmen müssen. Sie verfügen weder über die finanziellen Ressourcen noch über den öffentlichen Druck, das Verfahren allein fortzusetzen.

Entscheidend für Microsoft ist, dass der Konzern seine Monopolstellung bei Betriebssystemen weiterhin dazu benutzen kann, die Konkurrenz auch auf anderen Märkten an die Wand zu drücken. Das ist gerade bei der Eroberung des Internets ein großer Wettbewerbsvorteil. Zwar sollen die PC-Hersteller jetzt die Freiheit erhalten, Microsoft-Angebote durch Konkurrenzprodukte zu ersetzen. Nur wenige werden sich jedoch angesichts sinkender Absatzzahlen und der überragenden Marketingkraft von Microsoft diese Mühe machen. Nicht ein einziger Computerbauer hat bislang von dem Angebot Gebrauch gemacht, den Microsoft-Internet-Explorer durch ein Konkurrenzprodukt auszutauschen. Für die Konsumenten bedeutet das: weniger Innovation und weniger Auswahl.

Dass die Kartellwächter Bill Gates so weit entgegenkommen, hat der Microsoft-Gründer vor allem dem Regierungswechsel in Washington zu verdanken. Die Bush-Administration wollte von Anfang an ein schnelles Ende des Verfahrens. Dieser Druck hat sich seit den Terrorattacken am 11. September noch erhöht.

Letzte Hoffnung für die Konsumenten ist jetzt die EU in Brüssel. Wettbewerbskommissar Mario Monti hat angekündigt, Microsoft genau unter die Lupe zu nehmen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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