US-Regierung missbilligt Besuch in Kuba
Ex-Präsident Carter verärgert Washington

Bereits einen Tag nach seiner Ankunft auf Kuba hat sich der frühere US-Präsident Jimmy Carter die Missbilligung der Regierung in Washington für seine vermeintlich große Nähe zur Regierung von Fidel Castro zugezogen.

keh MEXIKO-STADT. Es gebe keine Beweise dafür, dass die kommunistisch regierte Insel biologische Waffen entwickele oder entsprechende Technologie an Drittstaaten weitergebe, sagte Carter nach einem Besuch im kubanischen Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie. Damit widersprach er offen Behauptungen, die das US-Außenamt kurz vor Carters Reise nach Havanna aufgestellt hatte.

Dementsprechend verschnupft waren dann auch die Reaktionen aus Washington. "Präsident Carter befindet sich auf einem Privatbesuch in Kuba und ist nicht dort, um die möglichen B- und C- Waffen-Potenziale zu inspizieren", sagte Lynn Cassel, Sprecherin des US-Außenamtes. Der Demokrat sei allzu leicht auf die Propaganda der Castro-Regierung reingefallen.

Carter unterläuft mit seinem fünftägigen Besuch den sorgsam ausgearbeiteten Plan der US-Regierung, Kuba zu verteufeln und als Unterstützer von Terroristen darzustellen. Wenige Tage vor der Ankunft des früheren US-Präsidenten am Sonntag in Havanna hatte die Administration von Präsident Bush den Ton gegen die Regierung von Castro massiv verschärft: Kuba biete spanischen und kolumbianischen Terroristen Unterschlupf und entwickle und verkaufe Bio-Waffen. Washington prüfe, wie das Ende der Regierung Castro mit politischen Mitteln beschleunigt werden könne, sagte der Abteilungsleiter für Lateinamerika, Otto Reich, unverblümt. Reich, gebürtiger Kubaner, ist ein Hardliner und wurde als solcher bewusst von Bush ohne Plazet des US- Kongresses Ende vergangenen Jahres berufen.

Für Castro ist der Besuch Carters hingegen ein großer Erfolg. Der 77-Jährige ist der ranghöchste US-Politiker, der die kommunistisch regierte Insel seit der Revolution vor 43 Jahren besucht. Sein Besuch soll das Bild eines offenen und flexiblen Kubas vermitteln. Carter könne reden, mit wem er wolle, sicherte Castro zu. Er durfte am Dienstag im staatlichen Rundfunk sprechen. Außer dem Papst bei seinem Besuch vor vier Jahren wurde diese Ehre noch keinem Ausländer zuteil.

Havanna sieht in dem Carter-Besuch ein weiteres Zeichen der sanften Öffnung der US-Gesellschaft in Richtung Kuba. Die Menschen in den USA wollten entgegen dem Konfrontationskurs der Regierung normale Beziehungen zu Kuba. Eine vom Fernsehsender ABC veröffentlichte Umfrage scheint diese Einschätzung zu bestätigen. Demnach sind 44 % der US-Bürger für eine Aufhebung der rund 40 Jahre alten Wirtschaftsblockade gegen Kuba.

Quelle: Handelsblatt

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