US-Regierung will Firmenchefs und Wirtschaftsprüfer stärker kontrollieren
Immer mehr Unternehmen werfen Arthur Andersen raus

In den USA trennen sich mehr und mehr Unternehmen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, um nicht in den Dunstkreis des Enron-Skandals zu geraten. Nach Auskunft des Brancheninformationsdienstes Bowman's Report hat, neben Enron selbst, eine ganze Reihe größerer Kunden die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gewechselt.

hus/lü/mbr NEW YORK/DÜSSELDORF. So ist der Pharmakonzern Merck & Co. als umsatzstärkster Kunde von Arthur Andersen zu Pricewaterhouse Coopers (PwC) gewechselt, vor zwei Tagen gab das Hypothekenfinanzierungs-Institut Freddie Mac seine Kündigung bekannt.

Auch der Grundstoff-Konzern International Paper Co. und die Fluggesellschaft Delta Airlines Inc. erwägen den Absprung. So viele Abgänge sind ungewöhnlich. In der Regel bleiben Firmenkunden ihren Wirtschaftsprüfern über Jahrzehnte treu. Allerdings seien die Umsatz-Verluste für Andersen bis jetzt nicht lebensbedrohlich, meint Geschäftsführer Art Bowman von Bowman's Report: "Bis jetzt handelt es sich um Umsatzverluste in Höhe von etwa 100 Mill. $, das ist noch nicht das Ende der Welt."

Um die Abgänge in Grenzen zu halten und den angeschlagenen Ruf wiederherzustellen, hat Andersen kürzlich den angesehenen früheren Zentralbankchef Paul Volcker gebeten, die Firmenstrukturen zu überprüfen und Reformvorschläge zu unterbreiten. Diese Vorschläge dürften allerdings für die laufende Saison zu spät kommen. Die Konzernkunden müssen bis April ihre Steuererklärungen vorlegen und entscheiden jetzt, ob sie bleiben oder gehen.

Nicht nur Andersen, auch andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften müssen um Aufträge bangen. So droht auch Pricewaterhouse Coopers der Verlust von Millionen-Aufträgen beim russischen Energiekonzern Gazprom. Minderheitsaktionäre verlangen den Austausch des Wirtschaftsprüfers gegen Deloitte & Touche. Sie werfen PwC vor, Gazprom-Manager bei Buchprüfungen zu Lasten der Aktionäre gedeckt zu haben. Die Gesellschaft habe bewusst nicht aufgedeckt, dass Unternehmensteile weit unter Wert an befreundete Personen von Gazprom-Managern verkauft wurden. Auch in den USA verliert PwC Kunden. So will der US-Telekomausrüster Lucent Technologies die Gesellschaft nicht mehr als Berater einsetzen. PwC soll aber weiter den Jahresabschluss prüfen.

Seit dem Zusammenbruch des Energiehändlers Enron kritisieren auch Gewerkschaften und Pensionsfonds, dass Wirtschaftsprüfer gleichzeitig Unternehmen beraten und prüfen.

Unterdessen will US-Präsident George W. Bush Firmenchefs und Bilanzprüfer stärker kontrollieren und bei Bilanzvergehen härter bestrafen. Bush verspricht sich davon auch eine stabilisierende Wirkung auf die Finanzmärkte. "Die bestehenden Regeln sollten klarer und Strafen für Fehlverhalten strenger sein. Die Reform sollte das Vertrauen der Anleger stärken und das Wachstum unserer Wirtschaft unterstützen", hieß es einem vorab veröffentlichten Redetext des US-Präsidenten. Bush selbst war von Ex-Enron-Chef Kenneth Lay im Wahlkampf 2000 mit hohen Summen unterstützt worden.

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