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US-Rüstungsindustrie gerät in Bewegung

Der Sieg von Lockheed Martin bei der Vergabe des bisher größten amerikanischen Rüstungsauftrages für das neue Kampfflugzeug "Joint Strike Fighter" (JSF) der US-Streitkräfte ist ein schwerer Schlag für den Verlierer Boeing. Das Unternehmen steht bereits im Verkehrsflugzeugbereich unter massivem Druck.

dpa NEW YORK. Lockheed Martin baut damit seine Führungsposition als größter US- Rüstungskonzern und weltweit führender Kampfflugzeugproduzent weiter aus.

Der Gesamtauftrag für 3000 Maschinen könnte 200 Mrd. $ erreichen, falls er voll realisiert werden sollte. Das Kampfflugzeug ist auch als F-35 bekannt. Großbritannien will davon 150 Stück kaufen. Die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Kanada und die Türkei ziehen eine Beteiligung in Erwägung, betonte Lockheed Martin. Die Beteiligten gehen von einem zusätzlichen Verkaufspotenzial für 2000 der Flugzeuge im Ausland aus.

Branchenkenner rechnen mit insgesamt 9000 neuen Lockheed-Martin - Stellen. An dem Projekt werden aber auch zehntausende Amerikaner in 27 US-Bundesstaaten bei den Zulieferanten arbeiten. Bei Boeing werden hingegen weitere Entlassungen nicht ausgeschlossen.

Boeing hofft allerdings mit Hilfe der Politiker doch noch an dem lukrativen JSF-Projekt beteiligt zu werden. Boeing-Chef Phil Condit bot dem Gewinner sofort die Mitarbeit an: "Wir sind bereit, unsere Fähigkeiten und unser Können zum Lockheed-Martin-Team zu bringen." Lockheed Martin will sich in Sachen Boeing nach den Pentagon-Wünschen richten.

Condit rechnet auch mit Neuaufträgen für das riesige Transportflugzeug C-17. Er hofft, dass die aus mehreren hundert Flugzeugen bestehende veraltete Tankerflotte der US-Streitkräfte ersetzt wird. Zukunftsträchtige Boeing-Projekte sind unbemannte Aufklärungs- und Kampfflugzeuge. Man kann deshalb Boeing auch zukünftig im Rüstungsbereich keineswegs abschreiben.

Boeing hatte nach den Terroristenattacken und dem massiven Einbruch im Luftverkehr die Entlassung von bis zu 30 000 Mitarbeitern seiner Verkehrsflugzeugsparte angekündigt. Der Konzern erwartet für 2001 einen Umsatz von 58 Mrd. $ (123 Mrd. DM/63 Mrd. Euro). Davon dürften weit mehr mehr als zwölf Mrd. $ auf Militärflugzeuge und andere Rüstungsprojekte entfallen. Condit hat aber jetzt die Umsatzprognose für 2002 von 56 auf 55 Mrd. $ reduziert.

Lockheed Martin rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatz von bis zu 24,4 Mrd. $. Davon dürften mehr als 15 Mrd. $ auf Pentagon-Aufträge entfallen.

Northrop Grumman profitiert als Hauptlieferant des F-35-Rumpfes und zahlreicher elektronischer Systeme ebenfalls enorm. Die Gesellschaft hat gerade den Rüstungsfirma Litton gekauft und übernimmt in Kürze die Kriegsschiffwerft Newport News. Damit rückt die Northrop Grumman unter den US-Rüstungskonzernen vom fünften auf den dritten Platz vor. Es folgen Raytheon, General Dynamics, United Technologies mit seiner Pratt & Whitney-Triebwerkssparte, TRW und General Electric.

Pratt & Whitney hat einen Auftrag von vier Mrd. $ für die Entwicklung des F-35-Triebwerks erhalten und arbeitet mit Rolls Royce - zusammen. Die britische BAE Systems liefert Rumpfteile und andere Komponenten für die Maschine.

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