US-Rüstungskonzern plant Übernahme von TRW für 6 Mrd. Dollar
Northrop greift Lokheed Martin an

Mit der Aussicht auf lukrative Staatsaufträge im Rücken plant der US-Rüstungskonzern Northrop den Kauf von TRW. Dadurch will er Lokheed Martin die Marktführerschaft in den USA streitig machen.

kk NEW YORK. Der weltgrößte Kriegsschiffbauer Northrop Grumman Corp will sich mit einer feindlichen Übernahme an die Spitze der US-amerikanischen Rüstungskonzerne katapultieren. Das Unternehmen aus Los Angeles hat den Aktionären des Luftfahrt- und Automobilzulieferers TRW Inc. ein Kaufangebot von insgesamt knapp 6 Mrd. $ vorgelegt. Northrop plant auch die Übernahme von TRW-Schulden in Höhe von 5,5 Mrd. $. Der TRW-Vorstand steht der Offerte noch abwartend gegenüber.

Northrop will mit dem Kauf seine Raumfahrt-, Satelliten- und Raketenabwehrsparten stärken. Die Produktion von Autoteilen, die zwei Drittel des 16,4 Mrd.$-Umsatzes von TRW ausmacht, will der Konzern verkaufen. Northrop rechnet damit, dass nach der Übernahme und dem Verkauf der Autosparte im Jahr 2003 ein Umsatz von 26 bis 27 Mrd. $ erreicht wird. Damit würde der Konzern Branchenprimus Lockheed Martin mit einem Umsatz von 24 Mrd. $ überholen.

Das feindliche Übernahmeangebot kommt in einer Zeit wachsender Zuversicht bei der US-Rüstungsindustrie Nach Jahren mit Entlassungen können die Hersteller derzeit wieder auf dicke Aufträge hoffen. Denn nach dem Terroranschlag vom 11. September hat US-Präsident George W. Bush das Budget für militärische Ausgaben für das Jahr 2003 um 14 % oder 48 Mrd. $ erhöht. Das ist der größte Anstieg seit der Reagan-Regierung und entspricht dem gesamten Rüstungshaushalt der deutschen Bundesregierung. Der Aufschwung der Branche ist auch auf dem Arbeitsmarkt spürbar: Rüstungskonzerne gehören derzeit zu den wenigen Arbeitgeber, die in großem Stil einstellen.

Bis Mittwoch soll sich TRW zu dem Angebot äußern. Es besteht die Möglichkeit, dass die Konkurrenten Boeing oder Lockheed als so genannte weiße Ritter auftreten: Sie könnten das Angebot von Northrop überbieten und das TRW-Management auf ihre Seite ziehen.

Allerdings könnte dies bei den US-Wettbewerbshütern auf Widerstand stoßen, da die Position dieser Luftfahrtkonzerne in der Weltraumtechnik dann zu dominant werden könnten. Als weiterer Kandidat ist der Panzer- und U-Boot-Hersteller General Dynamics im Gespräch. Nach Ansicht von Analysten würde ein Kauf für General Dynamics jedoch wenig Sinn machen, da es kaum gemeinsame Geschäfte und damit kaum Synergien gebe.

Der Northrop-Konzern, der fast 100 000 Mitarbeiter in 25 Ländern beschäftigt, ist schon länger auf Expansionskurs. Nach der 5,1 Mrd. $ teuren Übernahme des Rüstungsunternehmens Litton Industries vor einem Jahr hat Northrop im vergangenen November die 2,1 Mrd.$ teure Übernahme des Schiffs- und U- Boot-Herstellers Newport News Shipbuilding abgeschlossen.

Das TRW-Management will das Angebot prüfen, forderte jedoch seine Aktionäre zunächst zur Zurückhaltung auf. Das Unternehmen bezeichnete es als bedauerlich, dass Northrop die Offerte unmittelbar nach dem unerwarteten Ausscheiden des Unternehmenschefs David Cote und "dem daraus resultierenden außergewöhnlich niedrigen Aktienkurs gemacht hat".

Cote war vergangene Woche, drei Tage vor dem Northrop-Angebot, überraschend als Chef zum Mischkonzern Honeywell International gewechselt. Noch steht nicht fest, wer der Nachfolger werden soll. Eine Honeywell-Sprecherin sagte, Cotes Arbeitsplatzwechsel habe nichts mit den Plänen von Northrop zu tun gehabt.

Northrop-Vorstandschef Kent Kresa sagte, das Angebot käme nicht überraschend. Er schließt auch nicht aus, dass er den Preis von 47 $ pro TRW-Aktie noch erhöhen könnte, wenn TRW ihm Informationen vorlege, die dies rechtfertigten.

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