US-Senat untersucht die Rolle der Banken
Citigroup half Enron bei Buchungstricks

Hätte Enron ohne Hilfe der Wall-Street-Banken die Investoren auf so gigantische Weise täuschen können? Anscheinend nein. Interne Unternehmensdokumente rücken jetzt das größte US-Finanzinstitut, die Citigroup, in ein schiefes Licht.

NEW YORK. Die Bank soll für die Energiehandelsgesellschaft eine Reihe von ungewöhnlichen Finanzierungstechniken arrangiert haben. Ziel war es, den Verschuldungsgrad von Enron zu verschleiern und den Cash Flow künstlich aufzublähen.

In einer komplexen Reihe von Transaktionen hat Citigroup Enron offenbar dabei unterstützt, in den vergangenen drei Jahren Mittel aufzunehmen, die als Handelserlöse verbucht wurden anstatt als Kredite. Dies geht aus Memos beider Unternehmen hervor, die gestern im Untersuchungsausschuss des US-Senats behandelt wurden. Dadurch konnte der schwache Cash Flow des Energiehändlers künstlich aufgeblasen werden, um dem Wachstum der Gewinne auf dem Papier standzuhalten. In Wirklichkeit aber lag die Kluft zwischen beiden Positionen zu dieser Zeit schon bei bis zu einer Milliarde Dollar im Jahr, ist einem Enron-Memo zu entnehmen.

Bei der Finanzierungstechnik spielte eine eigens gebildete Gesellschaft mit dem Namen Yosemite eine Rolle, die rund 800 Millionen Dollar bei Anleihen-Anlegern einsammelte. Außerdem war eine Gesellschaft mit dem Delta involviert - die saß auf den Cayman-Inseln und wurde von der Citigroup kontrolliert. In den komplizierten Zahlungsfluss war auch die Citigroup selbst einbezogen. Eine wichtige Rolle spielten Ringgeschäfte zwischen Delta, Citigroup und Enron, bei denen das Geld einmal im Kreis herumgeschickt wurde und Öl in der entgegensetzten Richtung. Im Endeffekt fand die Reise nur auf dem Papier statt - Geld und Öl blieben da, wo sie von Anfang an waren. Aber die virtuelle Rundreise gab Enron die Möglichkeit, das Geld letztlich als Einnahme zu verbuchen - statt als aufgenommenen Kredit, was korrekt gewesen wäre. Dieser Unterschied war wichtig, denn bei einigen Enron-Aktionären waren wegen der steigenden Schulden bereits Zweifel an der Unternehmensstrategie aufgekommen. Pech nur: Genau diese Ringgeschäfte sind den Ermittlern aufgefallen.

Die Citigroup, die Enron in den letzten drei Jahren insgesamt 14 derartiger Transaktionen 4,8 Milliarden Dollar bereit gestellt hat, weist jede Mitverantwortung an den massiven Betrügereien der Energiegesellschaft zurück. Auch wenn die Geschäfte kompliziert gewesen seien, seien sie lediglich die Refinanzierung eines bereits bestehenden Arrangements gewesen, bei dem Citigroup Enron Mittel für die künftige Lieferung von Erdgas zur Verfügung gestellt habe. Man sei ansonsten davon ausgegangen, dass die Geschäfte mit Enron von den Buchprüfern bei Arthur Andersen abgesegnet und rechtens gewesen seien.

Auch wenn die Vorgehensweise von Citigroup technisch gesehen vielleicht mit den Bilanzierungsrichtlinien vereinbar sein mag, so wirft sie doch die Frage auf, ob das Institut nicht dazu beigetragen hat, wichtige Informationen vor den Enron-Investoren zu verbergen. Ebenfalls in die Schusslinie der Ermittler ist J.P. Morgan Chase geraten. Der Investmentbank werden ähnlich gelagerte Manöver mittels Vorauszahlungsarrangements über ein Finanzierungsvehikel namens "Mahonia" vorgeworfen. Versicherungsgesellschaften, die für die Transaktionen garantiert hatten, klagten gegen JP Morgan, es habe sich effektiv um Kredite und nicht um Handelsgeschäfte gehandelt. Auch JP Morgan glaubt an die rechtmäßige Buchung der Vorgänge.

Die Banken haben dazugelernt. "Ich wünschte, ich hätte nie von Enron gehört", sagte Citigroup-Chairman Sanford I. Weill. Diese Einschätzung wird sich wohl auch nach den Senatsanhörungen in dieser Woche nicht ändern.

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