US-Softwarehersteller rechnet 2002 mit weiterem Umsatzrückgang
Gewinneinbruch bei Oracle

Der Software-Hersteller Oracle hat im vergangenen Quartal einen Gewinneinbruch von 33% hinnehmen müssen. Auch für das laufende Quartal sind die Aussichten nicht rosig. In Europa sind Entlassungen geplant.

HB MÜNCHEN/NEW YORK. Larry Ellison gibt sich nicht so leicht geschlagen. Trotz einer anhaltenden Nachfrageflaute nach Unternehmenssoftware sieht der Chef von Oracle das von ihm gegründete Softwarehaus als eines der großen vier der Branche. Neben IBM und Microsoft nannte der für seine aggressiven Vermarktungsstrategien bekannte Firmenchef erstmals den deutschen Erzrivalen SAP in einem Fernsehinterview als Mitbewerber in der "Champions League" der IT-Branche.

Dabei hatte Ellison angesichts der Quartalszahlen allen Grund zur Niedergeschlagenheit. Die Nachfrage nach Software-Produkten ist im Ende August abgelaufenen ersten Quartal des Geschäftsjahres 2003 weiter gesunken, musste Oracles Finanzchef Jeff Henley einräumen - der Umsatz daher schwächer als erwartet ausgefallen.

Der Nettogewinn des im kalifornischen Redwood Shores ansässigen Software-Konzerns fiel im Vergleich zum Vorjahresquartal von 511 Mill.$ auf 343 Mill.$. Der Quartalsumsatz sank um 10% auf 2,03 Mrd. $. Vor allem bei den Software-Lizenzen, ein wichtiger Maßstab für die Geschäftsentwicklung, musste Oracle herbe Einbußen hinnehmen: Hier fiel der Umsatz um fast ein Viertel auf 549 Mill.$. Nur beim Geschäft mit Verlängerungen bereits bestehender Software-Lizenzen konnte Oracle um 9% zulegen.

Keine rosigen Aussichten

Und auch die Aussichten für die kommenden Quartale sind nicht rosig. Oracle rechnet damit, dass der Umsatz im laufenden zweiten Quartal 4% bis 5% unter dem Vorjahreswert liegen wird. Die Wall Street reagierte dementsprechend: Der Aktienwert von Oracle fiel zum Handelsbeginn an der New Yorker Börse um fast 10%.

"Es wird noch ein paar Quartale dauern, bis wir wieder gute Wachstumsraten haben", sagte Finanzvorstand Jeffrey Henley in New York. "Bei der derzeitigen Wirtschaft können wir kurzfristig nur wachsen, indem wir Marktanteile hinzugewinnen", so Henley weiter. Er sei aber zuversichtlich, dass das gelingen werde. Mit Anzeichen einer Besserung rechnet Henley allerdings erst im Laufe des Jahres 2003.

Analysten sehen in den Äußerungen von Oracle ein schlechtes Zeichen für die gesamte Branche: "Wir sollten vor der zweiten Jahreshälfte nicht mit einem Umschwung für den Sektor rechnen", sagte Sanford Bernstein-Analyst Charles Di Bona.

Auch interne Probleme verantwortlich

Für die anhaltende Absatzmisere der Oracle Software machen Beobachter neben der konjunkturbedingten schwachen Nachfrage auch interne Probleme und zunehmenden Konkurrenzdruck verantwortlich. So traten bei der Einführung der Business Software 11i - eine Sammlung von Business Software für Finanzprozesse, Kunden- und Partnerbetreuung (CRM) sowie Personaleinsatz (HR) - Anfangsprobleme auf, die nach Angaben von Oracle nun behoben sind. Zudem konnten nach Angaben von IDG und Gartner gerade im Datenbankgeschäft IBM und Microsoft zulegen.

Auch weitere Entlassungen stehen an: Im vergangenen Quartal hat das Unternehmen, das weltweit 42 000 Menschen beschäftigt, insgesamt 600 Mitarbeiter überwiegend in den USA entlassen. In diesem Quartal sollen weitere 500 Mitarbeiter gehen, vor allem in Europa. In Großbritannien und anderen Ländern habe Oracle nach Angaben von Henley bereits seine Pläne vorgestellt. Betroffen sind fast nur Berater. "Bei den Entwicklern stellen wir trotz der schwachen Marktlage weiter ein", betonte Henley".

Im internationalen Geschäft musste Oracle erhebliche Einbrüche hinnehmen. In Asien lag der Umsatzrückgang bei Softwarelizenzen bei 35%, in Europa bei 14% sowie in Nordamerika bei 22%. Für Oracles Geschäft in Deutschland verweist der Geschäftsführer der Oracle Deutschland GmbH, Rolf Schwirz, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt auf eine Marktsituation, die sich deutlich von der in den USA unterscheide. Schwirz sieht in Deutschland, wo der Konkurrent SAP seinen Stammsitz hat, die Stärken von Oracle eher in den Geschäftsbereichen Datenbanken und dem Applikations Server - einer Softwaretechnologie die die Zusammenarbeit verschiedener Komponenten in IT-Systemen regelt. Dort habe man im vergangenen Quartalen gut gepunktet.

Bei Angeboten von Oracles Business Suite 11i, so Schwirz, habe man in Deutschland nur in zwei Fällen gute Chancen: bei internationalen Unternehmen, die 11i bereits im Mutterland einsetzen und bei Kunden, die ausdrücklich Produkte von SAP nicht einsetzen wollen.

Quelle: Handelsblatt

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