US-Soldaten sind in Kabul als Beobachter
Nordallianz: Taliban haben keine Kontrolle über Kandahar

Nach dem Verlust der afghanischen Hauptstadt Kabul haben die Taliban der oppositionellen Nordallianz zufolge die Lage in ihre Hochburg Kandahar nicht mehr unter Kontrolle. "In Kandahar herrscht seit heute eine chaotische Situation", sagte Nordallianz-Außenminister Abdullah Abdullah am Dienstag in Kabul.

Reuters KABUL. Die Truppen der Allianz setzten ihren Vormarsch an allen Fronten fort. Taliban-Oberhaupt Mullah Mohammad Omar rief seine Kämpfer auf, sich neu zu formieren und Widerstand zu leisten. Die USA erklärten, US-Eliteeinheiten befänden sich im Süden Afghanistans. Der UNO-Gesandte Lakhdar Brahimi legte einen Plan für die politische Zukunft des Landes vor und kündigte an, so rasch wie möglich Mitarbeiter nach Kabul zu entsenden.

Die Lage in Kandahar ähnele der Kabuls, als die Taliban sich von dort zurückgezogen hatten, sagte Abdullah. Kein Taliban- Vertreter sei in der Stadt zu sehen, die Menschen seien in einer unklaren Situation zurückgelassen worden. Die Nordallianz meldete weiter, Kandahar könne bis Mittwochmorgen erobert werden. Augenzeugen berichteten, tausende Stammeskrieger rückten auf die Stadt vor, nachdem bereits der nahe gelegene Flughafen erobert worden sei.

Nordallianz hat Uno zu Gesprächen eingeladen

Am Vormittag war die Allianz trotz internationaler Forderungen, eine politische Lösung abzuwarten, unter dem Jubel der Bevölkerung in Kabul einmarschiert. Die Soldaten sollten nur Sicherungsaufgaben übernehmen, bis eine Übergangsregierung gebildet worden sei, sagte Abdullah. Er lud die UNO und alle afghanischen Gruppen außer den Taliban zu Gesprächen über die Zukunft des Landes ein. Der Chef der Nordallianz und international anerkannte Präsident Afghanistans, Burhanuddin Rabbani, sagte dem Fernsehsender El Dschasira, er wolle am Mittwoch nach Kabul reisen. Ein Sprecher der Allianz lud den afghanischen Ex-König Sahir Schah zu Gesprächen ein.

Die Taliban hatten Kabul offenbar in der Nacht geräumt. Ihr Oberhaupt Omar befahl der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge seinen Truppen über Funk, sich dem Feind entgegenzustellen und nicht überzulaufen. Er habe zudem erklärt, in Kandahar zu bleiben. Das iranische Fernsehen zitierte Nordallianz-Innenminister Junis Kanuni mit den Worten, Dschalalabad östlich von Kabul werde spätestens am Mittwoch erobert. Mehrere Lager bin Ladens sollen dort in der Nähe sein. Die Taliban wiesen Berichte zurück, sie hätten die Kontrolle über Dschalalabad in Folge eines Aufstandes verloren.

Eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums sagte, Kampfflugzeuge verfolgten die fliehenden Taliban- und El-Kaida - Kämpfer. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, US- Eliteeinheiten seien nun auch im Süden Afghanistans im Einsatz. Dort wurde bin Laden vermutet. Auch in Kabul seien US-Soldaten als Beobachter, sagte Rumsfeld. Die USA öffneten eine Route von Afghanistan nach Usbekistan und bereiteten einige Flugplätze im Norden vor, um humanitäre Hilfe ins Land zu lassen.

Die USA halten den moslemischen Extremisten Osama bin Laden und dessen El-Kaida-Gruppe für die Urheber der Anschläge am 11. September. Seit Anfang Oktober greifen die USA die Taliban an, die Bin Laden Schutz gewährten. Der Offensive der Nordallianz waren mehrtägige Luftangriffe vorausgegangen.

Brahimi forderte möglichst bald eine internationale Konferenz über die Zukunft Afghanistans. Sein Plan sieht zudem die Schaffung eines provisorischen Rates vor, der alle Bevölkerungsteile repräsentieren solle. Dieser Rat solle eine Verfassung ausarbeiten und eine Übergangsregierung einsetzen. Eine traditionelle Stammesversammlung solle dann die Verfassung bestätigen und später eine Regierung einsetzen. Sicherheitskräfte müssten diese Maßnahmen sichern, sagte Brahimi. Diese Kräfte könnten entweder aus den verschieden afghanischen Gruppen gebildet werden oder international besetzt sein. Zudem müssten die Hilfslieferungen rasch wieder aufgenommen werden.

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