US-Soldaten übernehmen Kontrolle
Kurden kündigen Rückzug aus Kirkuk an

Nach der Kritik der Türkei an dem Vormarsch kurdischer Kämpfer in die nordirakische Ölstadt Kirkuk hat einer ihrer Anführer einen Abzug bis Freitag angekündigt. "Ich habe allen Peschmerga angeordnet, die Stadt bis morgen früh zu verlassen", sagte der Chef der Kurden Partei PUK, Dschalal Talabani am Donnerstag dem TV-Sender CNN Türk.

Reuters ANKARA. Zuvor hatten die USA der Türkei zugesagt, US-Soldaten würden die Kontrolle in Kirkuk übernehmen. Die Regierung in Ankara befürchtet, ein Erstarken der Kurden im Nordirak könne auch separatistische Bestrebungen der Kurden im Südosten der Türkei fördern. Eine dauerhafte Präsenz kurdischer Kämpfer in der Stadt sei für die Türkei inakzeptabel, sagte ein Regierungssprecher.

Talabani sagte weiter, seine Einheiten würden die Kontrolle über Kirkuk den US-Truppen übergeben und sich zurückziehen. Von US-Truppen unterstützte kurdische Kämpfer nahmen die für die Ölförderung wichtige Stadt Kirkuk am Donnerstag ohne größere Gegenwehr ein, wie Einwohner berichteten. Ein Sprecher des US-Verteidiungsministeriums bestätigte, dass US-Soldaten den Vormarsch der türkischen Kämpfer der Demokratischen Partei Kurdistans (PUK) und der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) unterstützt hätten. Die Lage in Kirkuk dort sei jedoch noch "im Fluss". Klar sei jedoch, dass die irakischen Verbände die Kontrolle verloren hätten.

Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte, sein US-Kollege Colin Powell habe ihm zugesichert, die USA würden für einen Abzug der kurdischen Kämpfer aus Kirkuk sorgen. "Powell hat sein Wort gegeben, dass innerhalb weniger Stunden neue US-Kräfte nach Kirkuk geschickt werden, um die Peschmergas zu vertreiben, die dort hinein gegangen sind", sagte Gül nach einem Telefonat mit Powell. US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer äußerte sich ähnlich. Die USA hätten der Türkei die Möglichkeit eingeräumt, "eine kleine Zahl" militärischer Beobachter in die Region zu entsenden, sagte Fleischer. Dieser Schritt dürfte allerdings wiederum bei den Kurden auf Vorbehalte stoßen.

An der türkisch-irakischen Grenze hat die Türkei große Truppenverbände zusammengezogen. Diese könnten in den Irak einmarschieren, falls die Türkei ihre Interessen bedroht sieht. Die USA haben die Türkei vor einer Intervention im Nordirak gewarnt. Ein türkisches Eingreifen im Nordirak könnte die Auszahlung eines Milliarden-Dollar-Hilfsprogramms der USA gefährden. Vor dem Krieg war ein 30-Milliarden-Dollar-Paket gescheitert, nachdem das türkische Parlament die Stationierung von 60 000 Soldaten der US-Invasionstruppen in der Türkei abgelehnt hatte. Die US-Regierung befürchtet einen "Krieg im Krieg" zwischen türkischen Soldaten und kurdischen Kämpfern, die sich einer türkischen Invasion widersetzen könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%