US-Sparte wird künftig von Deutschem geleitet
Schrempp feuert Chrysler-Chef

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp zieht Konsequenzen aus den roten Zahlen bei Chrysler in den USA. Chrysler-Chef James Holden soll abgelöst werden. Am Freitag tagt deshalb der Aufsichtsrat. Als Nachfolger ausersehen ist Dieter Zetsche.

ajo/weg STUTTGART. Kaum zwei Jahre nach dem Zusammenschluss von Daimler-Benz und Chrysler soll ein Deutscher an die Spitze der US-Sparte des deutsch-amerikanischen Autoherstellers rücken. Dieter Zetsche, bisher im Vorstand der Daimler-Chrysler AG für Nutzfahrzeuge zuständig, wird voraussichtlich den bisherigen Chrysler-Chef James Holden ablösen. Dies bestätigten dem Handelsblatt dem Unternehmen nahe stehende Kreise.

Zwar gab es in der Stuttgarter Konzernzentrale keine Stellungnahme. Allerdings findet schon am Freitag eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats statt. Die bisherigen Aufgaben von Zetsche soll Vorstandskollege Eckhard Cordes übernehmen. Er hat bisher das Ressort Strategie verantwortet, dass künftig Konzernchef Jürgen Schrempp verwalten soll.

Hintergrund des Stühlerückens sind die schlechten Zahlen von Chrysler in den USA. Die US-Sparte hat im dritten Quartal 2000 rote Zahlen ausweisen müssen. Chrysler leidet unter dem harten Wettbewerb am US-Markt, auf dem mit hohen Rabatten gearbeitet wird. Wie es intern im Konzern heißt, wird Chrysler-Chef Holden vorgeworfen, dass er mehrfach seine Prognosen korrigieren musste. Zudem soll er die Konzernzentrale in Stuttgart nicht über eine vorübergehende Schließung mehrerer Werke in den USA informiert haben.

US-Manager hielten es bei Daimler-Chrysler nicht lange aus

Holden ist nach Thomas Stallkamp bereits der zweite US-Manager an der Spitze von Chrysler, der seit dem als "Fusion unter Gleichen" propagierten Zusammenschluss den Vorstandssessel räumen muss. Holden konnte sich als Chrysler-Chef nur knapp ein Jahr halten. Die neue Unruhe an der Chrysler-Spitze belegt, dass die Turbulenzen, die die Fusion mit Daimler im US-Konzern ausgelöst hat, noch immer andauern. Seit Bekanntwerden des Zusammenschlusses im Herbst 1998 hat das Chrysler-Management bereits einen großen Aderlass verkraften müssen. Erst vor einigen Wochen hatte Chryslers Design-Chef Thomas Gale seinen Rückzug angekündigt. Ohne Holden sitzen künftig nur noch zwei Amerikaner im elfköpfigen Daimler-Chrysler-Vorstand.

In den USA stieß die bevorstehende Entlassung Holdens auf ein zwiespältiges Echo. "Das wäre ein Schlag für die Moral von Chrysler", sagte Efraim Levy, Analyst bei der Kreditbewertungs-Agentur Standard & Poor's. Der Schritt sende die Botschaft aus, dass die Angestellten von Chrysler keine gute Arbeit leisteten. Unter den Mitarbeitern ist Holden jedoch umstritten. Ihm habe Weitsicht gefehlt, er habe zu spät auf die Krise reagiert, hieß es.

Allerdings wird auch Skepsis laut, den Chefposten mit einem Deutschen zu besetzen. "Ein Deutscher versteht den US-Markt nie so gut wie eine Amerikaner", sagte ein Ingenieur. Andere widersprechen: Die Ernennung Zetsches könne Vorteile haben. Denn ein Deutscher habe es leichter, Maßnahmen gegenüber der Zentrale durchzusetzen.

Die Börsen reagierte zunächst positiv auf die Spekulationen. "Die Börse freut sich, dass etwas passiert", sagte Erik Burgold von der BHF-Bank. Er sieht bei Chrysler jedoch "massiven Handlungsbedarf".

Der neue Chrysler-Chef soll von Wolfgang Bernhard unterstützt werden, bisher Chef der Tuning-Beteiligung AMG. Zetsche, mit 47 jüngstes Mitglied im Konzernvorstand, bringt als ehemaliger Mercedes-Vertriebschef Erfahrung im Pkw-Geschäft mit. Auch die USA kennt er gut. Anfang der 90er Jahre leitete er das Geschäft der US-Nutzfahrzeugsparte Freightliner und schaffte hier die Ertragswende.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%