US-Sprecher bestätigt Verhandlungen
Taliban-Chef Omar gibt Kandahar auf

Nach wochenlangen Kämpfen um seine letzte große Bastion Kandahar ist Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar nach Angaben der Taliban zur Kapitulation bereit. Der ehemalige Gesandte der Taliban in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saeef, sagte am Donnerstag, die Taliban hätten mit dem designierten Chef der Übergangsregierung, Hamid Karsai, vereinbart, sich zu ergeben.

afp/rtr/dpa ISLAMABAD. Die Taliban würden ihre Waffen am Freitag an Kommandeur Mullah Nakibullah übergeben. Dem Anführer der Taliban, Mohammad Mullah Omar, werde zugesagt, "in Würde zu leben".

Omar habe entschieden, die Stadt an den einheimischen Kommandeur Mullah Nakibukllah zu übergeben. Er sei ein Stammesführer, der früher Offizier in der Stadt gewesen sei. Die Übergabe solle innerhalb von ein bis zwei Tagen erfolgen. Omar habe die Entscheidung in Absprache mit mehreren Stammesführern, seinen Verbündeten und den geistlichen Führern getroffen. Zuvor hatte der Sprecher der von den USA geführten Anti-Terror-Koalition in Islamabad gesagt, Berichte über Kapitulationsverhandlungen mit der Taliban-Spitze seien ernstzunehmen.

Ein Sprecher der US-Armee hatte zuvor in Islamabad gesagt, Omars wichtigste Kommandeure stünden in Kapitulationsverhandlungen. Auch der Taliban-Führer selbst versuche, "seine Haut zu retten". Am Mittwochabend hatte AIP gemeldet, die Taliban verhandelten mit dem künftigen Regierungschef Hamid Karsai über die Übergabe von Kandahar. Demnach hatte Omar eine Delegation zu Gesprächen nach Schah Walikot rund 15 Kilometer nördlich von Kandahar entsandt, von wo Karsais Truppen einen Angriff auf die eingekesselte Stadt vorbereiten. Die Taliban wollten ein Blutbad in Kandahar vermeiden und eine friedliche Lösung finden.

In Kandahar sind seit Tagen vermutlich mehrere tausend Taliban- Kämpfer und viele El-Kaida-Terroristen eingekesselt. Die Stadt ist durch US-Luftangriffe bereits schwer zerstört. In der Nähe warten 1000 amerikanische Elitesoldaten auf einen Einsatzbefehl. Erst am Mittwoch waren nahe Kandahar drei US-Soldaten beim Fehlabwurf einer amerikanischen Bombe getötet und rund 20 weitere verwundet worden.

Pentagon wollte Fall von Kandahar nicht bestätigen

Das Pentagon wollte die Berichte über einen bevorstehenden Fall Kandahars zunächst nicht bestätigen. "Wir haben darüber keine Informationen", sagte eine Sprecherin. Der Nachrichtensender CNN berichtete, US-Flugzeuge hätten die Innenstadt von Kandahar am Donnerstag nicht wie an den Vortagen massiv bombardiert. Dies könnte Zeichen einer bevorstehenden Kapitulation sein, hieß es.

Seit Beginn des Krieges haben die Taliban bereits die Hauptstadt Kabul und die Bastionen Kundus, Herat und Dschalalabad so gut wie kampflos aufgegeben. Allerdings gilt Kandahar als die entscheidende Hochburg und "Geburtsstadt der Taliban-Bewegung". US-Militärs hatten mehrfach deutlich gemacht, eine Eroberung werde nicht ohne Verluste verlaufen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sprach von einer "schmutzigen Aufgabe".

Omar hatte seine Mitkämpfer in den vergangenen Tagen immer wieder zum Durchhalten und zum Kampf bis zum Tod aufgerufen. Es hieß, er organisiere die Verteidigung Kandahars selbst und habe sich in einem Vorort verschanzt.

Nato bekräftigt Entschlossenheit zum Kampf gegen Terrorismus

Die Nato betonte ihre Bereitschaft zu einem konsequenten Kampf gegen den Terrorismus. "Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, die terroristische Bedrohung so lange zu bekämpfen, wie es erforderlich ist", betonten die Außenminister der 19 Mitgliedsländer am Donnerstag nach Beratungen in Brüssel.

Nato-Generalsekretär George Robertson betonte, die Nato stehe bereit, auf Anfrage der Vereinten Nationen logistische Unterstützung für die Afghanistan-Hilfe zu leisten. Eine Nato-Schutztruppe in Afghanistan werde es jedoch nach dem Stand der Beratungen nicht geben.

Die EU einigte sich in Brüssel auf eine einheitliche Definition für den Begriff terroristische Straftaten und machten damit den Weg für eine EU-weite Verfolgung von Terroristen frei.

In Berlin setzte die internationale Unterstützergruppe für Afghanistan ihre Beratungen über finanzielle Hilfen fort. Nach UN - Angaben werden bis März kommenden Jahres 600 Millionen Dollar Soforthilfe benötigt. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef rief am Rande der Konferenz dazu auf, vorrangig das Überleben der Kinder in Afghanistan zu sichern. Bis zu 100 000 könnten den Winter nicht überleben, wenn ihre Familien keine Hilfe von außen erhielten, teilte die Organisation mit.

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