US-Stahlkocher trotzt dem Stahlstreit mit der EU
US Steel forciert Expansion in Osteuropa

Ungeachtet des Stahlstreits zwischen Washington und Brüssel geht einer der größten US-Stahlkonzerne - die Detroiter US Steel (USS) - in künftigen EU-Mitgliedsstaaten kräftig auf Einkaufstour - mit Erfolg.

jow PRAG. Getrieben wird US Steel vom bisherigen Gewinn. Nach der Übernahme der Stahlwerke VSZ Kosice in der Ostslowakei im Jahre 2000 verzeichnete die eigens dafür neu gegründete Tochter US Steel Kosice (USSK) im vergangenen Jahr einen operativen Betriebsgewinn von 123 Mill. $.

Das macht Appetit auf mehr: Nun will US Steel nun auch die größten Stahlwerke Tschechiens in der nord-mährischen Region um Ostrava übernehmen. Zudem unterzeichnete der Stahlkonzern eine Absichtserklärung zur Kooperation mit dem teilstaatlichen jugoslawischen Stahlkombinat Sartid.

Das Ziel: US Steel schafft sich ein sicheres zweites Standbein in jenen Ländern, die zwischen 2004 und 2010 in die EU aufgenommen werden könnten. Damit kann US Steel nach der EU-Osterweiterung von Mittel- und Osteuropa aus ganz Europa mit Stahl versorgen, ohne durch Handelsschranken gefährdet zu werden.

Der Sartid-Absichtserklärung zufolge plant USS in diesem Jahr rund 50 000 Tonnen kaltgewalzten Stahl in den serbischen Sartid-Werken Sabac and Smeredevo zu produzieren, so der Chef der ostslowakischen USS-Tochter Kosice, John Goodish, gegenüber lokalen Medien. Bereits 2003 solle die Produktion in Serbien auf 100 000 bis 150 000 Tonnen erhöht werden. Dazu kommen 20 000 Tonnen an warm gewälztem Stahl. Goodish zufolge wird USS unterdessen eine "strategische Partnerschaft" mit Sartid prüfen, dessen Kapazität lokalen Angaben zufolge 1,8 Mill. Tonnen Stahl im Jahr beträgt. Offen ist, ob dies eine Übernahme mit einschließt. Der serbische Staat hält zurzeit nach Angaben der Belgrader Tageszeitung Danas 41,25 Prozent an Sartid.

Übernehmen will USS ferner den gesamten tschechischen Stahlsektor. USSK-Chef Goodish beklagt indes, dass Tschechiens Finanzminister Jiri Rusnok auf bisherige Gesprächsanfragen überhaupt nicht reagiere. Dennoch hat US Steel in Tschechien bereits ein Konsortium mit den Stahlwerken Trinecke zelezarny AS (TZ) und dem US Commercial Metals Company-Metallhändler (CMC) gegründet. Das Konsortium will "Marktführer in der Stahlbranche Mitteleuropas" werden. Wegen der dort existierenden Großkapazitäten und Kostenvorteile würde dies nach der EU-Osterweiterung auch eine wichtige Rolle im EU-Binnenmarkt verheißen.

Bei der in Tschechien geplanten Übernahme geht es um die nordmährischen Stahlwerke Vitkovice und Nova Hut, die Hochöfen Ostrava und das Walzwerk Frydek Mistek. Der tschechische Stahlsektor produzierte im vergangenen Jahr 6,3 Mill. Tonnen Rohstahl, 1,6 % mehr als im Vorjahr. Der Ausstoß an weiterverarbeiteten Stahlprodukten stieg sogar um 5 % auf 5,8 Mill. Tonen. Grund dafür war eine um 17,5 % stärkere Exportnachfrage.

Tschechiens Stahlsektor befindet sich indes in einer tief greifenden Umstrukturierung. Prag hat dazu bei der EU-Kommission ein Konzept zur Verschmelzung seiner teilstaatlichen Stahlunternehmen eingereicht. Das Konzept stößt bisher aber auf wettbewerbsrechtliche Bedenken der EU.

Interessenten für die Übernahme der tschechischen Stahlkonzerne sind neben US Steel die indisch-niederländische LNM-Sipat-Gruppe und eine russisch-israelische Unternehmergruppe namens Shiran.

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