Archiv
US-Steuersenkungen helfen der deutschen Wirtschaft

Die von US-Präsident George W. Bush angekündigten umfangreichen Steuersenkungen dürften nach Einschätzung deutscher Verbände und Experten letztlich das Wachstum weltweit fördern.

Reuters BERLIN. Außenhandelsverbandspräsident Anton Börner erklärte am Mittwoch wie auch die großen Wirtschaftsverbände, die Steuerpläne sollten dem amerikanischen Wirtschaftswachstum Impulse geben, was auch die Weltwirtschaft voranbringe. Die Bundesregierung gerate durch Bushs Pläne unter stärkeren Druck, die Steuern ebenfalls weiter zu senken. Sonst könnte Deutschland im Standortwettbewerb zurückfallen, sagten Börner und Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und des Deutschen Industrie- und Handelstags (DIHT).

Der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) Börner sagte zu Bushs Plänen: "Ich werte das als ausgesprochen positiv." Die US-Pläne bedeuteten mehr Markt, weniger Staat, mehr Geld beim Verbraucher sowie Anreize für mehr Leistung. Kurzfristig könnte schon ein psychologischer Impuls ausgelöst werden, mittel- und langfristig sollte dann das Wachstum in den USA und damit in der Weltwirtschaft durch Bushs Pläne gefördert werden.

Sigrid Zirbel von BDI sagte, das Bush-Programm sollte eine "gewisse Abfederung" der US-Konjunktur bringen. Reiner Pierau, Amerika-Experte des DIHT, erklärte, allein schon die Ankündigung des Programms könne die Stimmung in der US-Wirtschaft verbessern.

Der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank , Martin Hüfner, nannte Bushs Pläne eine "geniale Kombination von Verbesserungen auf der Angebots- wie der Nachfrageseite". Gerade in der gegenwärtigen Abschwächungspause in der US-Wirtschaft könnte das Bush-Programm Impulse geben. "Und das ist auch wichtig für die Weltwirtschaft insgesamt", sagte er. Dieter Teichmann, Steuerexperte beim Deutschen Institut für Wirschaftsforschung (DIW), sagte, die Bush-Ankündigung komme zum richtigen Zeitpunkt. Bush sei offenbar gewillt, die US-Haushaltsüberschüsse an die Steuerbürger weiterzugeben.

BGA-Präsident Börner sieht durch in den US-Pläne auch ein Signal für die anderen Länder, ihre Steuern weiter zurückzunehmen. Wenn die USA den Eingangssteuersatz auf zehn nach bislang 15 % und des Spitzensteuersatzes auf 33 nach bislang knapp 40 % senkten, setze das die Bundesregierung im Wettbewerb der Volkswirtschaften unter Handlungsdruck. Gerade bei der Lohn- und Einkommenssteuer gebe es großen Handlungsbedarf. Mit der deutschen Steuerreform soll der Eingangssteuersatz auf 15 % und der Spitzensteuersatz auf 42 % sinken.

Der DIHT-Steuerexperte Jörg Schwenke sagte, die US-Pläne sollten die deutsche Regierung veranlassen, ehrgeiziger und schneller ihre geplanten Steuersenkungen voranzutreiben. Der DIW-Experte Teichmann und der HVB-Chefvolkswirt Hüfner erwarten nach eigenen Angaben aber derzeit nicht, dass die deutschen Steuersätze noch weiter sinken werden. "Die Situation ist unterschiedlich, denn die USA haben in den letzten Jahren hohe Budget-Überschüsse, in Deutschland aber immer noch Defizite", sagte Teichmann. Daher habe die Bundesregierung nicht den Spielraum wie die USA. "Nein, ich glaube nicht, dass hier Möglichkeiten für weitere Steuersenkungen gegeben sind", sagte Teichmann zu Chancen für neue Steuersenkungen in Deutschland.

Hüfner verwies auf die deutsche Steuerreform, mit der Deutschland seine Position verbessert habe. Die müsse erst einmal ihre Wirkung entfalten. Die Erwartung, dass Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) entsprechend dem US-Beispiel die Steuern weiter senke, hege er nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%