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US-Studenten mogeln sich online durch

Die lässigen Jahre in der High School sind vorbei, jetzt beginnt der Uni-Stress. Millionen von Amerikanern beginnen mit dem Herbstquartal ihre Studentenlaufbahn, üblich sind mindestens vier Jahre an einem College bis zum Erreichen des Bachelor-Abschlusses. In diesem Zeitraum müssen Dutzende von kurzen Aufsätzen abgegeben werden, die zumindest rudimentär wissenschaftlichen Ansprüchen genügen sollten.

dpa SEATTLE. Der Sprung in die akademische Welt fällt vielen schwer, aber sie können sich das Leben leichter machen, indem sie ihre Texte nicht selber schreiben, sondern über das Internet einkaufen.

In den USA boomt eine besonders bizarre Nische des Online-Handels: Websites wie www.cheathouse.com verkaufen ihren Kunden komplette Essays, Buchbesprechungen und bei Bedarf sogar Dissertationen. Eingereicht werden sie von Studenten, die ihre eigenen Texte für besonders gut halten. Gekauft werden die vermeintlichen Meisterwerke dann von Faulpelzen, die nach der Bezahlung horrender Studiengebühren von mehreren tausend $ pro Jahr immer noch Geld übrig haben.

Der Service der Händler ist nicht billig. Unter www.fastpapers.com etwa wird bei der Eingabe des Stichwortes "Thomas Mann" eine lange Liste von kostenpflichtigen englischsprachigen Aufsätzen präsentiert, etwa über den Roman "Der Zauberberg". Einer dieser Texte bespricht angeblich die wichtigsten Themen des großen Mann-Meisterwerks, und zwar auf insgesamt sechs Seiten. Die kosten umgerechnet mehr als 120 DM (etwa 60 Euro), dazu kommen dann noch Versandgebühren; selbst für eine Anlieferung per E-Mail kassiert Fastpapers.com noch zwei DM.

Professoren gehören zu den größten Kritikern

Amerikas Professoren hassen Unternehmer wie Kenneth Sahr. Dieser erhielt von der "New York Times" bereits den wenig schmeichelhaften Titel "am meisten beschimpfte Symbolfigur der Online-Industrie für Hausarbeiten". Seit fünf Jahren macht Sahr unter www.schoolsucks.com gute Geschäfte, nach eigenen Angaben hat seine Website täglich bis zu 10 000 Besucher. "Wir haben vom ersten Tag an Profit gemacht", behauptet Sahr. Und natürlich wolle er nicht zum akademischen Betrug beitragen. Sein Angebot solle doch bitte von den Nutzern nur zu Recherchezwecken benutzt werden.

Diese scheinheiligen Beteuerungen nimmt an amerikanischen Universitäten niemand ernst. Professoren klagen über dreiste Plagiate, die von immer mehr Studenten eingereicht werden. Inzwischen aber können sich die Betrogenen wehren, und zwar mit den Mitteln der Betrüger. Unter der Adresse www.plagiarism.org betreibt eine gemeinnützige Organisation eine raffinierte Suchmaschine zur Entlarvung der Mogler.

Arbeiten auf Echtheit testen

Entworfen wurde der Service von John Barrie, einem kalifornischen Doktoranden, der sich beim eigenen Unterricht darüber ärgerte, dass viele seiner jungen Studenten offensichtlich abgeschriebene Hausarbeiten ablieferten und diese als eigene Fleißarbeiten ausgaben. Für eine Jahresgebühr von umgerechnet 1500 DM können Universitätsabteilungen bei Plagiarism.org die Hausarbeiten ihrer Studenten auf Echtheit testen lassen. Die Texte werden elektronisch eingereicht, und dann beginnt eine gründliche Nachforschung in Tausenden von Datenbanken. Plumpe Komplett-Abschriften fallen sofort auf.

Aber dieser Service entlarvt auch geschicktere Betrüger, die ihre Fälschungen aus mehreren Quellen zusammenklauben. Wenn die Suchmaschine auf abgekupferte Stellen stößt, werden diese im Mogeltext markiert. Ein Mausklick auf die markierte Stelle reicht, und schon erscheint auf dem Bildschirm das Original, aus dem gestohlen wurde. Solche Entlarvungen können für die ertappten Studenten schwerwiegende Konsequenzen haben: Ihnen droht der Rauswurf aus der Universität.

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