US-Supermarktkette verliert gegen Dumpingpreise
Experten: K-Mart gegenüber Wal-Mart chancenlos

Zwar schöpfen die Lieferanten des insolventen US-Supermarktfilialisten K-Mart nach dem Einlenken der Banken neue Hoffnung, doch Amerikas viertgrößtem Handelskonzern fehlt ein schlüssiges Firmenkonzept. Vor allem Wal-Mart setzt dem einstigen Rivalen zu.

NEW YORK. Nachdem ein Bankenkonsortium unter Führung von J.P. Morgan Chase und Fleet Securities für K-Mart einen Überbrückungskredit bereit gestellt hat, zeigen sich die meisten Lieferanten über die Zukunft der angeschlagenen US-Supermarktkette optimistisch. West- Point Stevens, K-Marts Lieferant von Heimtextilien, sagte dem langjährigen Geschäftspartner Unterstützung zu. Und auch der Lebensmittel-Großhändler Fleming Cos. versprach, seine Lieferungen an K-Mart wieder aufzunehmen.

Der inzwischen unter Gläubigerschutz stehende Supermarkt-Betreiber ist zum Opfer seines Erzrivalen Wal-Mart geworden. Lange Zeit brauchte sich Billig-Anbieter K-Mart, mit Sitz in Troy/Michigan, keine Sorgen über den schnell wachsenden Konkurrenten aus Bentonville/Arkansas zu machen. Denn die Märkte waren aufgeteilt: Wal-Mart konzentrierte sich auf die ländlichen Gebiete, K-Mart bediente die Städte und Vorstädte. Doch Wal-Mart expandiert längst in K-Marts Stammrevier.

Wegen der hohen Mieten tut sich Wal-Mart zwar in den Innenstädten schwer, in den Vororten sind seine Geschäfte mittlerweile aber eine Alternative. Mit seinen meist ramschigen Geschäften und dem unmotivierten Personal hat K-Mart die Kunden in die Arme von Wal-Mart getrieben. Dessen SB-Warenhäuser zeichnen sich durch Übersichtlichkeit aus, das Lächeln seiner Mitarbeiter hat Firmengründer Sam Walton einst zur Firmenmaxime erhoben.

Auch die Dauerniedrigpreis-Strategie, die in Deutschland von dem Drogeriemarktfilialisten dm und der SB-Warenhauskette Marktkauf erfolgreich kopiert wurde, bietet Wal-Mart einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. K-Mart hingegen lockt seine Kunden mit Sonderangeboten, kann aber oft die erhöhte Nachfrage nicht decken. Kunden, die eigens für die Schnäppchen zum nächsten K-Mart fahren, kehren dem Supermarkt danach enttäuscht den Rücken. Bei Wettbewerber Wal-Mart ist so etwas - dank der perfekten Logistik und einem ausgeklügelten Lieferketten-Management - nahezu undenkbar. Während K-Mart-Regale durchschnittlich nur zu 86 % gefüllt sind, bringt es Wal-Mart auf fast 100 %.

Noch 1990 waren die Handelshäuser, die beide Anfang der Sechzigerjahre ihren ersten Discount-Laden eröffneten, gleich groß. Heute macht Wal-Mart mit 212 Mrd. $ sechsmal so viel Umsatz wie K-Mart. Auf Grund seiner Größe kann Wal-Mart deutlich niedrigere Preise bei den Herstellern aushandeln, um sie anschließend den Kunden weiterzugeben.

Die K-Mart-Krise wird die Verhandlungsposition von Wal-Mart gegenüber den Zulieferern noch verbessern. "Wal-Mart profitiert am meisten von den K-Mart-Schließungen", sagt Morgan Stanley-Analyst Bruce Missett voraus. Nach Ansicht von Steven Roorda, Analyst bei American Express, werden Kunden den Schließungen von K-Mart-Läden kaum nachtrauern, außer sie haben keinen Wal-Mart oder Target - der dritte große Anbieter - in der Nähe. "Ich sehe derzeit keine Strategie, wie K-Mart einen Fuß zwischen Wal-Mart und Target bekommt".

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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