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US-Telekomkonzern Qwest baut Europa-Geschäft aus

Das US-Telekommunikationsunternehmen Qwest wird sein Europa-Geschäft im Gegensatz zu anderen US-Wettbewerbern mit der Übernahme von Anteilen an KPNQwest und Geschäftsteilen von GTS ausbauen.

rtr AMSTERDAM/DENVER. Qwest einigte sich eigenen Angaben zufolge in der Nacht zum Freitag mit dem niederländischen Telekom-Konzern KPN über die Aufstockung des eigenen Anteils an dem gemeinsam geführten Datenkommunikations-Unternehmen KPNQwest . KPN teilte mit, durch den Anteilsverkauf reduzierten sich die eigenen Verbindlichkeiten um 430 Mill. ?. Qwest wird zudem vom US-Konkurrenten GTS dessen Europa-Geschäft einschließlich der Netze für 580 Mill. Dollar (1,25 Mrd. DM) übernehmen.

Qwest und sein maßgeblicher Anteilseigner Anschutz Co. werden den Anagaben zufolge von KPN zehn Prozent der Anteile der KPNQwest übernehmen und dafür zusammen rund 101 Mill. ? bezahlen. KPN akzeptierte einen unter dem Börsenkurs liegenden Kaufpreis für seine 20 Mill. Aktien von 4,58 Dollar. KPN hatte seit Anfang Oktober mit Qwest verhandelt, um sich vorzeitig von eigenen Anteilen an KPNQwest trennen zu dürfen. Keiner der beiden Hauptgesellschafter, die bislang jeweils 44 % an dem in Amsterdam und an der Nasdaq notierten Unternehmen hielten, durften bislang Anteile vor dem Jahr 2004 verkaufen. Vereinbart wurde nun, dass Qwest auf der Basis der Marktpreise im März 2002 auch die restlichen Anteile an der gemeinsamen Tochter von KPN übernehmen kann. Vom April 2002 könnten KPNQwest-Anteile außerbörslich und vom Januar 2003 an auch über den Markt veräußert werden. Der Streubesitz an KPNQwest liegt bei rund zwölf Prozent.

KPN hatte sich unter dem Eindruck seiner Schuldenlast von zuletzt rund 22 Mrd. ? zu einem teilweisen Verkauf von Anteilen an der noch mit Verlusten arbeitenden KPNQwest bereit erklärt. Bis Oktober hatte KPN immer erklärt, die Tochter sei Teil des Kerngeschäfts. Zum 1. November tritt bei KPN Ad Scheepbouwer als neuer Vorstandschef an, der einem Sprecher zufolge eine Entscheidung über das weitere Vorgehen bei KPNQwest treffen sollte. Der Anteilsverkauf ermöglicht es KPN, künftig auf die Konsolidierung von KPNQwest in der eigenen Bilanz zu verzichten, was einer Tilgung von Nettoschulden in Höhe von 430 Mill. ? entspreche.

KPNQwest bietet weltweit Datenkommunikations-Leitungen und Dienstleistungen über Glasfaserleitungen an und sollte bislang Ende 2002 erstmals einen Nettogewinn ausweisen. Durch den Zukauf des Telekommunikations-Netzes Ebone und mehrere Anbieter von Telekom-Dienstleistungen in Mitteleuropa von GTS sollen Umsatz und Vorsteuergewinn steigen. KPNQwest rechnet 2002 mit einer Umsatzerhöhung um rund ein Drittel auf 1,3 bis 1,4 Mrd. ?. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen , Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) soll 150 bis 200 Mill. ? wachsen. Im zweiten Quartal hatte KPNQwest erstmals ein positives Ebitda von 15,1 Mill. ? ausgewiesen.

Nach der Zusammenlegung von KPNQwest mit dem Europa-Geschäft von GTS sollen rund 25 bis 30 % der insgesamt 4000 Stellen wegfallen, sagte Vorstandschef Jack Master. Dabei würden Kosten für Restrukturierungen von 80 Mill. ? anfallen. Die eigene Verschuldung werde auf rund 1,7 Mrd. ? steigen. Das Unternehmen sei mit Abschluss der Übernahme bis zum Erreichen der Gewinnschwelle voll finanziert. GTS erhält für seine Geschäftsteile neue Wandelanleihen von 210 Mill. ?. Qwest übernimmt zudem Finanz-Verbindlichkeiten von GTS.

Qwest-Chairman Joseph Nacchio erklärte, die Aufstockung bei KPNQwest sei eine zeitlich gut terminierte Gelegenheit gewesen, die paneuropäisch führende Position auszubauen. Im Gegensatz zu Qwest hatten zuletzt andere US-Telekom-Konzerne wie etwa SBC Communications ihren Rückzug aus Europa signalisiert oder einzelne europäische Tochtergesellschaften geschlossen. KPNQwest-Chef Master sagte, er denke, der Boden in der europäischen Telekom-Branche sei erreicht, weil allgemein angenommen werde, dass die Bewertungen nicht weiter sänken.

An der Börse profitierten lediglich die Aktien von KPNQwest von der Transaktion. Bei einem schwächeren europäischen Börsentrend legten die Papiere 3,3 % zu, nachdem das Verkaufsinteresse von KPN die Kurse beflügelt hatte. KPN-Aktien gaben 0,54 % nach. Für die Papiere von Qwest und GTS lagen in Frankfurt keine Notierungen vor.

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