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US-Terroralarm beruhte auf veralteten Informationen

Washington (dpa) - Die jüngste Warnung der US-Regierung vor Terroranschlägen auf Finanzzentren stützt sich zum großen Teil auf Informationen, die schon Jahre alt sind. Das räumte die Beraterin von Präsident George W. Bush für Heimatverteidigung, Fran Townsend, am Dienstag ein.

Washington (dpa) - Die jüngste Warnung der US-Regierung vor Terroranschlägen auf Finanzzentren stützt sich zum großen Teil auf Informationen, die schon Jahre alt sind. Das räumte die Beraterin von Präsident George W. Bush für Heimatverteidigung, Fran Townsend, am Dienstag ein.

Sie wies aber zugleich Vorwürfe zurück, nach denen die Warnung wahltaktische Gründe habe. Auch Heimatschutzminister Tom Ridge versicherte: «Wir betreiben hier keine Politik. Unsere Aufgabe ist es, die Bedrohungslage zu analysieren.»

Es sei von «wesentlicher» Bedeutung gewesen, die Öffentlichkeit zu alarmieren und zusätzliche Schutzmaßnahmen zu treffen, verteidigte Ridge das Vorgehen der Regierung. «New York Times» und «Washington Post» hatten zuvor übereinstimmend berichtet, die Erkenntnisse über das Ausspähen möglicher Ziele in New York, Newark (New Jersey) und Washington durch El-Kaida-Terroristen bezögen sich praktisch sämtlich auf die Zeit vor den Attacken vom 11. September 2001.

Die US-Regierung hatte am Sonntag neue Terrorwarnungen gegeben und danach die Sicherheitsvorkehrungen für die Gebäude der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington sowie die Börse und mehrere Bankgebäude in New York und Newark erheblich verstärkt. Dabei wurde auf Erkenntnisse verwiesen, die im Zuge von Razzien in der vergangenen Woche in Pakistan gewonnen worden seien. Kritiker wie der ehemalige demokratische Präsidentschaftsbewerber Howard Dean hatten Bush vorgeworfen, er habe bei den neuen Warnungen die Präsidentschaftswahl am 2. November im Auge gehabt.

Die «Washington Post» verwies nun auf «ein halbes Dutzend Regierungsbeamte», deren Angaben zufolge die Erkenntnisse über mögliche Terrorvorbereitungen der Organisation El Kaida in den Finanzzentren mindestens drei Jahre alt seien, wenn nicht sogar älter. Eine Computer-Datei bezüglich eines der ausgespähten Gebäude sei Anfang Januar dieses Jahres auf neueren Stand gebracht worden, aber es sei unklar, ob die Aktualisierung wegen andauernder Spähaktivitäten von El-Kaida-Mitgliedern erfolgt sei oder ob es sich schlicht um neuere Angaben über das Gebäude an sich handele.

Insgesamt wisse man nicht, ob die Terrororganisation die potenziellen Ziele nach dem 11. September 2001 weiter ausspioniert hätten. «Es gibt zurzeit nichts, was neu wäre», zitiert die «Washington Post» einen Mitarbeiter aus Kreisen der Strafverfolgungsbehörden. «Warum wir den Alarm verstärkt haben? Ich weiß es nicht.»

Townsend sagte dem Sender NBC, die Spähaktionen der El Kaida seien «ursprünglich» 2000 und 2001 erfolgt. Aber im Januar habe es «Aktualisierungen» gegeben, fügte die Beraterin ohne nähere Erläuterungen hinzu. Ähnlich äußerte sich auch Ridge. Der Heimatschutzminister unterstrich zugleich, dass die älteren Informationen zusammen mit neueren Erkenntnissen über mögliche Anschläge vor der Präsidentschaftswahl am 2. November die massive öffentliche Warnung und die verstärkten Schutzmaßnahmen für die Gebäude rechtfertigten. Außerdem seien die Informationen besonders erschreckend, weil sie so detailliert seien.

Townsend betonte darüber hinaus, es sei bekannt, dass das Terrornetzwerk El Kaida oft erst Jahre nach dem Ausspähen seiner Ziele zuschlage.

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