US-Tochter braucht rund zwei Milliarden Euro
USA-Geschäft belastet Münchener Rück

Schlechte Nachrichten aus der Münchener Rück: Der weltgrößte Rückversicherer hat massive Probleme mit der angeschlagene US-Tochter und muss zusätzlich 500 Millionen Euro für die US-Terrorschäden bereit stellen. Zudem sinken die operativen Erträge leicht im 2.Quartal.

HB/cbu MÜNCHEN. Die US-amerikanische Tochter American Re bereitet der Münchener Rück schon seit langem große Sorgen. Erst Ende Mai hatte Konzernchef Hans-Jürgen Schinzler angekündigt, in den USA endgültig reinen Tisch zu machen und alle vorhandenen Risiken aufzudecken. Heute nun kündigte der Münchener Versicherer an, dass American Re die Reserven nochmals um 2 Milliarden $ (etwa 2 Milliarden Euro) stärken muss. Wieviel Kapital aus München fließen wird, ist noch offen.

Zwar hatte Schinzler bereits Ende Mai weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. Doch die Höhe schockte gestern Analysten und die Börse. "Das sind schlechte Nachrichten", hieß es an der Börse. "Der Betrag erscheint mir sehr hoch", sagte Oppenheim-Analyst Michael Haid. Auch Frank Stoffel von WestLB Panmure zeigte sich überrascht. Er hatte nur mit einem Bedarf von 200 Millionen Euro gerechnet.

Die 2 Milliarden Euro werden nötig, da die US-amerikanischen Erstversicherer, also die Kunden der American Re, sprunghaft mehr Schäden meldeten, hieß es. American Re hat schon in der Vergangenheit verlustträchtiges Geschäft zu teilweise nicht Kosten deckenden Prämien in die Bücher genommen. Dazu kommen in den USA hohe Belastungen durch Asbest- und Umweltschäden. Bereits in den vergangenen beiden Jahren musste die Münchener Rück rund 1,35 Milliarden Euro nachschießen. Seit die Münchner Rück die US-Gesellschaft 1996 übernommen hatte, gab es fast immer nur Verluste. Anfang diesen Jahres wurde das US-Management ausgewechselt.

Jetzt seien aus den USA keine weiteren Belastungen mehr zu erwarten, betonte gestern der Controlling-Vorstand des Konzerns, Jörg Schneider. Für 2002 werde American Re tiefrote Zahlen schreiben, aber ab 2003 sei mit Gewinnen zu rechnen. "Ab 2003 werden wir kräftig positive Ergebnisse bringen. Da habe ich keinen Zweifel", äußerte Schneider kämpferisch. Der neue American-Re-Chef John Phelan, der auch im Vorstand der Münchener Rück sitzt, ergänzte, mit der neuerlichen Kapitalspritze seien die Grundlagen für die Sanierung des US-Geschäftes gelegt. Die Stärkung der Reserven in Höhe von 2 Milliarden Euro gehe von einer konservativen Einschätzung aus.

Gleichzeitig teilte der Konzern mit, dass die Vorsorge für den Terrorangriff auf das World Trade Center nochmals um 500 Millionen $ (rund 500 Millionen Euro) aufgestockt werden muss. Die Münchener Rück setzt damit als erster der großen Rückversicherer die Schadenschätzung weiter hoch. Insgesamt ist der Konzern durch den bisher größten Versicherungsschaden der Geschichte jetzt mit über 2,6 Milliarden Euro getroffen.Von den 500 Millionen Euro seien etwa 400 Millionen Euro Rückstellungen, 100 Millionen Euro entfielen auf bereits gemeldete Schäden. Vorsorge soll vor allem für mögliche Arbeiterunfall- und Haftpflichtschäden sowie Betriebsunterbrechungen getroffen werden.

Insgesamt muss der Münchener-Rück-Konzern also einmalige Belastungen von bis zu 2,5 Milliarden Euro verkraften. Davon werden Schneider zufolge etwa 1,8 Milliarden Euro auf die Gewinnrechnung durchschlagen. Die Börse reagierte mit einem deutlichen Kursabschlag von zeitweise über 5 % auf knapp über 230 Euro. Andere Versicherungsaktien wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Rück-Vorstand Schneider teilte zudem mit, dass er für das zweite Quartal mit einem operativen Ergebnis von unter 700 Millionen Euro rechnet. Das wäre ein schlechteres Resultat als im 1. Quartal.

Trotzdem rechnet die Münchener Rück für die ersten beiden Quartale weiter mit einem deutlichen Gewinnanstieg. Der Grund sind außerordentliche Gewinne von 4,7 Milliarden Euro, gegen die die jetzt bekannt gegebenen Belastungen gerechnet werden. Die hohen Erträge resultieren aus der Umschichtung der Beteiligungen nach der Entflechtung mit der Allianz und wurden bereits Ende Mai bekannt gegeben. Die Münchener Rück reduzierte unter anderem ihre Beteiligung an der Allianz von knapp 25 % auf etwa 21 %.

Betont vorsichtig äußerte sich Schneider zu der weiteren Entwicklung im laufenden Jahr. Zwar würden die Preise im Rückversicherungsgeschäft weiter steigen. "Da sind wir nicht am Ende, sondern erst am Anfang", ergänzte Vorstandmitglied Clement Booth. Doch die Krise an den Kapitalmärkten mache dem Konzern weiter zu schaffen. Bisher hatte der Konzern für 2002 mit einem operativen Ergebnis ohne Sondereffekte von etwa 1,7 Milliarden Euro gerechnet. "Ich wäre sehr froh, wenn wir das angesichts der Kapitalmärkte erreichen würden", meinte Schneider gestern. Auch die Investmentbank Merrill Lynch bezeichnete diese Prognose angesichts der Verluste an den Kapitalmärkten als "nicht mehr konservativ".

Quelle: Handelsblatt

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