US-Truppen stoßen Richtung Norden: Saddams Heimatstadt Tikrit ist nächstes Ziel

US-Truppen stoßen Richtung Norden
Saddams Heimatstadt Tikrit ist nächstes Ziel

Nachdem der Kampf um Bagdad entschieden zu sein scheint, wendet sich zumindest die militärische Aufmerksamkeit jetzt einer Region zu, die bislang nicht im Mittelpunkt des Kriegsgeschehens stand. Es ist das Gebiet nördlich der Hauptstadt, rund um Saddam Husseins Heimat in Tikrit. Das US-Militär mutmaßt, dass sich der irakische Präsident hierhin zurückgezogen haben könnte, weil er unter der Bevölkerung in seiner Geburtsstadt größeren Rückhalt finden dürfte. Entsprechend kam es gestern rund um Tikrit und das nahe gelegene Mosul zu schweren Kämpfen.

HB/wsj WASHINGTON. Nach Angaben des US-Brigadegenerals Vincent Brooks haben die Alliierten die Straßen von Bagdad nach Norden blockiert, um Regierungsmitglieder an der Flucht zu hindern. "Wir konzentrieren uns jetzt auf Tikrit", sagte er. Ein Sprecher der Streitkräfte sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man werde außerdem "Tikrit und weitere Städte im Norden von der Luft aus" angreifen.

Die 150 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene 200 000-Einwohner-Stadt Tikrit ist nicht nur die Heimat Saddam Husseins, sondern auch vieler Funktionäre seines inneren Führungskreises. Vor allem aber ist Tikrit Sitz der Führungsspitze von Saddams Leibgarde. Nachdem die Suche nach den angeblichen Massenvernichtungswaffen bisher nichts zu Tage förderte, sollen nun diese Militärs und Funktionäre nach dem Willen der Amerikaner verraten, wo sich die behaupteten Bestände befinden. "Hier stecken die Leute, die Bescheid wissen", sagt Laith Kubba, Präsident der Iraq National Group, einer Gruppe von 500 Exil-Irakern, die zurzeit in Washington tagt. "Wenn ich im Irak Inspektionen durchführen würde, würde ich hier anfangen."

Amerikaner hoffen auf Aussagen gefangener Funktionäre

Vor allem hoffen die Amerikaner auf Erkenntnisse durch Aussagen gefangener Funktionäre und auf Ergebnisse von Hausdurchsuchungen. Nach Angaben eines ehemaligen Uno-Waffeninspekteurs, David Kay, waren die irakischen Behörden jüngst dazu übergegangen, Akten aus Regierungsgebäuden auf Privathäuser zu verteilen. Darin, so meint die Bush-Administration, ließen sich nun endlich Beweise für die von ihr zum Kriegsgrund erklärten Bestände von Massenvernichtungswaffen finden.

In Tikrit hatte sich die irakische Führungselite während der vergangenen Jahrzehnte zu einem idyllischen Landleben zurückgezogen und Luxusvillen in der Umgebung von Saddams dortigem Palast gebaut - offenbar dem größten und prächtigsten in seiner Sammlung. Jetzt droht dieser Pracht die Zerstörung. Auch viele Iraker, zumal jene im Exil, wünschen sich die Zerstörung Tikrits als Symbol für das Luxusleben der inzwischen vermehrt in Ungnade gefallenen Hussein-Elite. Auch dürften die Republikanischen Garden die Stadt besonders stark verteidigen, was schwere Schäden bedeuten dürfte.

Hartnäckig hielt sich gestern das Gerücht, Saddam Hussein selbst sei auf der Flucht nach Tikrit, um sich von seinen loyalen Vertrauten dort verbergen zu lassen. Angesichts der ausgedünnten Reihen der Republikanischen Garden allerdings hält Anthony H. Cordesman, Irak-Experte am Center for Strategic and International Studies in Washington, das für unwahrscheinlich. "Tikrit ist für ihn allenfalls noch ein Platz zum Sterben", sagt er. Der Exil-Iraker Kubba vermutet dagegen, dass Saddam sein letztes Versteck im Ausland sucht: "Er wird entkommen und jeden töten, der seine Route kennt."

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