US-Unternehmen wollen ihre Forschungsbudgets aufbessern
Biotechfirmen hegen Börsen-Hoffnungen

In der Biotechnologiebranche steigt offenbar die Zuversicht, dass die Geldquelle Börse wieder zu sprudeln beginnt. Insbesondere in den USA verstärken viele Firmen ihr Werben um frisches Kapital - allein seit Juni liebäugelt ein halbes Dutzend Unternehmen mit einem Börsengang.

abo/ant FRANKFURT/M. Sie wollen damit zusammen über 500 Mill. $ erlösen. Auch in Europa versuchen die kapitalhungrigen Forschungsunternehmen verstärkt ihr Glück bei Investoren.

Die bisherigen Technologiefinanziers - zum großen Teil Wagniskapitalfirmen - sind jedoch skeptisch, ob die Anlagebereitschaft der Investoren am offenen Kapitalmarkt mit dem Finanzbedarf der Börsenaspiranten Schritt hält. Die Firmen versuchen mit allen Mitteln, sich für potenzielle Anleger attraktiv zu machen, sagt ein Branchenkenner bei J.P. Morgan. So herausgeputzt könnten durchaus mehr als nur die Top-Biotechunternehmen den Sprung an die Börse schaffen. "In der Branche nimmt zur Zeit jeder so viel Geld mit wie er kriegen kann", meint auch ein auf Startups spezialisierter Banker in San Francisco.

Auch in Europa buhlt die Biotechbranche verstärkt um das Interesse der Investoren. Auf dem Frankfurter "Stock day" etwa, einer Investorenkonferenz, die der Finanzdienstleister Value Relations seit gut drei Jahren in regelmäßigen Abständen veranstaltet, stellte die Branche in der vergangenen Woche die Hälfte der Teilnehmer. Aus der einst dominierenden Software- und Internetbranche präsentierte sich in diesem Jahr gerade mal ein Unternehmen.

Nach dem Platzen der Biotechblase schaut das Gros der Anleger allerdings verstärkt auch auf die Substanz der geldhungrigen Klientel. Das erfährt auch das New Yorker Unternehmen Callisto Pharmaceuticals. Das erst vor wenigen Monaten aus einem Zusammenschluss entstandene US-Unternehmen ist zwar außer am Freiverkehr der Nasdaq auch an der Frankfurter Börse notiert. Doch den Finanzbedarf von 9 Mill. $ für die Forschung versuchen die Amerikaner gerade durch eine Privatplatzierung zu decken. Denn außer einem einzigen, noch in einem frühen Forschungsstadium befindlichen Wirkstoff gegen Knochenmarkkrebs, hat Callisto bislang noch wenig zu bieten. Den selben Weg ging auch das auf die in den USA derzeit staatlich geförderte Technologie zur Abwehr von Bioterrorismus spezialisierte Unternehmen Centrex. Diese Privatplatzierung spielte allerdings lediglich 750 000 $ ein.

Die Unternehmen, die zum Sprung an die Börse ansetzen, haben meist einer praller gefülltere Produktpipeline. So kann das US-Unternehmen Cancervax, das gerade die Börsenzulassung beantragte, mit einem Produkt aufwarten, das sich in der entscheidenden dritten Phase der klinischen Entwicklung befindet.

Nach Informationen des Branchen-Newsletters "BioCentury", der kürzlich eine Liste mit 13 Börsen-Kandidaten veröffentlichte, will Cancervax an der Börse 115 Mill. $ erlösen und ist damit der ambitionierteste der potenziellen Neuzugänge. In der Produktentwicklung bereits einen Schritt weiter ist der Wettbewerber Pharmion. Nach der gerade erfolgreich abgeschlossenen klinischen Entwicklung des von Pharmacia einlizenzierten Knochenmarkmedikaments feilt Pharmion derzeit am Zulassungsantrag. Der Gang an die Börse soll dem Unternehmen 86 Mill. $ bringen.

Weitere US-Börsenkandidaten sind Cusphere, Advancis, Genitope und Nitromed. Die angepeilten Emissionsvolumina liegen zwischen 50 Mill. $ und 100 Mill. $. Andere Unternehmen wie Corgentech, Eyetech und Myogen haben zwar bereits angekündigt, den Weg an die Börse zu suchen, die Konditionen jedoch noch nicht spezifiziert.

Bis auch in Deutschland der Markt für Neuemissionen wieder anspringt, wird es nach Einschätzung der Commerzbank noch einige Monate dauern. "In diesem Jahr werden wir keinen Neuzugang sehen", sagt Jochen Großmann von der IPO-Abteilung der Commerzbank voraus. Auch im kommenden Jahr sei nur mit einer Hand voll Börsengänger aus dem Bereich Biotechnologie zu rechnen.

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