US-Verbraucher im Stimmungstief
Handelsbilanzdefizit geht leicht zurück

Die US-Konjunktur setzt mühsam ihren Erholungskurs fort und muss immer neue Stolpersteinen überwinden: So hat sich die Stimmung der US-Konsumenten im Juni deutlich verschlechtert.

pbs DÜSSELDORF. Der Index des US-Verbrauchervertrauens ist auf 87,2 von 92,1 Punkten gesunken, berichtete am vergangenen Freitag das private US-Forschungsinstitut Conference Board. Das ist der deutlichste Rückgang seit acht Monaten. Allerdings ist das Ergebnis vorläufig und beruht auf einer Befragung von 250 Haushalten. Endgültig werden 500 Haushalte interviewt.

Die Amerikaner schätzen vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden fünf Jahren deutlich pessimistischer ein. Die aktuelle Lage dagegen beurteilten sie nur geringfügig schlechter.

Der Einbruch des Indexes kam für Ökonomen überraschend. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Volkswirte hatten einen Anstieg des Barometers auf 93 Punkte erwartet. Gerald Müller, Ökonom bei der Commerzbank, ist dennoch zuversichtlich und erklärt den Rückgang zumindest teilweise als eine Korrektur des starken Anstiegs im Mai. "Nach der Euphorie über die Steuersenkungen, die wohl zur Jahresmitte in Kraft gesetzt werden, hat sich schnell wieder Ernüchterung breit gemacht", meint Müller. Eine grundlegende Änderung des Konsumverhaltens erwartet er nicht. Der deutliche Rückgang der Energiepreise und die Steuersenkungen würden die Kaufkraft der Haushalte stärken. Wirklich nachhaltig werde sich der Konsum aber erst beleben, wenn die Arbeitslosigkeit sinkt.

"Das sind nicht die besten Zeiten", sagt Notenbankpräsident Edward Gramlich bei einer Konferenz in Milwaukee Ende vergangener Woche mit Blick auf die weitere konjunkturelle Entwicklung. Der Angst vor einer Deflation - einem dauerhaften Verfall der Preise - gab der Rückgang der US-Erzeugerpreise neue Nahrung. Sie sind im Mai um 0,3 % gegenüber dem vorangegangenen Monat gesunken, nach einem Rückgang um 1,9 % im April.

Immerhin hat sich das US-Handelsbilanzdefizit im April etwas verringert und ist nach vorläufigen Berechnungen wie von Ökonomen erwartet auf 42,03 Mrd. US-Dollar gesunken. Das ist das drittgrößte Defizit in der Geschichte. Wie das US-Handelsministerium am Freitag weiter mitteilte, betrug das Defizit im März 42,87 Mrd. $, nachdem vorläufig ein Minus von 43,46 Mrd. % gemeldet worden war.

Das Defizit hat sich verringert, weil die Importe deutlich um 2,1 % gegenüber März auf 123,03 Mrd. $ gesunken sind. Das ist der stärkste Rückgang seit Dezember 2001. Die Exporte gingen ebenfalls zurück - um 2,2 % auf 81 Mrd. $.

Der Wert der Importe ist wegen des deutlichen Rückgangs des Ölpreises gesunken. Weil sich bereits das Ende des Irak-Krieges abgezeichnet hatte, war der Ölpreis im Durchschnitt des Monats April gegenüber März um rund 4 auf gut 26 $ gefallen - so deutlich wie seit Anfang 1991 nicht mehr.

In der US-Exportwirtschaft leiden vor allem die Hersteller von Computerzubehör und Maschinen unter der schwachen Nachfrage aus dem Ausland. Die Konkurrenz durch billigere chinesische Produkte wird immer härter. Im bilateralen Handel erhöhte sich das US-Defizit gegenüber China und auf 9,45 Mrd. $ von 7,67 Mrd. im März. Gegenüber Japan wurde ein Passivsaldo von 5,97 Mrd. nach 5,83 Mrd. erreicht, gegenüber der Euro-Zone ein Minus von 7,80 Mrd., nach einem Defizit von 7,23 Mrd. Im Handel mit Deutschland stieg das Defizit auf 3,44 von 3,38 Mrd. $.

Das Defizit in der US-Handelsbilanz werde sich auf dem aktuellen Niveau stabilisieren, erwartet Heinrich Engelke, Volkswirt bei der Bankgesellschaft Berlin. Um das Defizit ins Lot zu bringen, müssten die Exporte deutlich anziehen. Zwar verbilligt ein schwächerer US-Dollar US-Produkte auf dem Weltmarkt. Allerdings werde sich dieser Effekt erst in der zweiten Jahreshälfte in der Handelsbilanz niederschlagen, glaubt Jay Bryson, Chef-Ökonom beim US-Kreditinstitut Wachovia. Zumal sich der Dollar nicht gleichmäßig gegenüber den ausländischen Währungen verbilligt hat: Seit Jahresbeginn hat er gegenüber dem Euro um 12 % an Wert verloren, gegenüber dem Yen aber nur 1 %. Gegen ein Abbau des Defizits spricht zudem die Wachstumsschwäche der übrigen Volkswirtschaften.

Chance Steuersenkungen: Die Ökonomen der US-Investmentbank Goldman Sachs schätzen den fiskalpolitischen Impuls der Steuersenkungen auf 70 Mrd.$ in diesem und 50 Mrd.$ im Jahr 2004. Das werde das reale Bruttoinlandsprodukt in den kommenden zwölf Monaten um 1,25 Prozentpunkten erhöhen. Im kommenden Jahr werde der stimulierende Effekt dann auslaufen.

Risiko Arbeitslosigkeit: Erst wenn sich wöchentlich weniger als 400 000 Menschen neu arbeitslos melden, sei das ein Zeichen für eine Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt, meinen die Ökonomen von Goldman Sachs. In der letzten Mai-Woche hatten 430 000 Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragt. Die Arbeitslosenquote hatte im Mai mit 6,1% ein Neun-Jahres-Hoch erreicht.

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