US-Verbrauchervertrauen drückt Dax und Nemax tiefer
Deutsche Aktien gehen in die Knie

Die Technologieaktien folgen den US-amerikanischen Märkten ins Minus. Der Dax gibt mehr als 100 Punkte nach.

rtr FRANKFURT. Ein schwächer als erwartet ausgefallenes US-Verbrauchervertrauen für den Monat August hat Händlern zufolge die deutschen Aktienwerte am Dienstagnachmittag noch tiefer in die Verlustzone rutschen lassen. Händler sagten, das rückläufige Verbrauchervertrauen in den USA lasse Zweifel an einem baldigen Aufschwung der US-Konjunktur aufkommen. Zudem sorgten schwindende Hoffnungen auf eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) für tiefere Kurse. Der Dax rutschte nach der Veröffentlichung der Daten zum US-Verbrauchervertrauen auf eine Minus von rund 1,7 % bei 5315 Punkten ab, nachdem er zuvor rund 0,6 % schwächer gelegen hatte. Unter den Einzelwerten zogen im Dax die Titel von Bayer, am Neuen Markt die Aktien von Metabox das Interesse auf sich.

Eine halbe Stunde nach Auftakt an den US-Börsen hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board mitgeteilt, der Index für das Verbrauchervertrauen im Monat August habe sich auf 114,3 nach revidiert 116,3 im Vormonat belaufen. Von Reuters befragte Volkswirte hatten dagegen einen Anstieg auf 117,0 prognostiziert. Die US-Aktienmärkte gaben daraufhin deutlich ab. Der Dow Jones notierte rund 0,9 % tiefer bei 10 287 Punkten, der Nasdaq-Composite-Index verlor um 1,6 % auf 1881 Zähler.

Mit Blick auf das rückläufige US-Verbrauchervertrauen sagte Christian Schmidt, Händler bei der Helaba: "Die Zahl signalisiert meiner Meinung nach, dass der erhoffte Aufschwung, den viele schon gesehen haben, noch länger auf sich warten lässt, als vielen vielleicht lieb ist." Die Reaktion der Märkte auf den Index falle zunächst relativ verhalten aus, auf kurze Sicht könnte es aber zu noch schwächeren Kursen an den Märkten kommen. "Momentan halten die US-Verbraucherausgaben die US-Wirtschaft aufrecht. Nach diesen Zahlen deutet vieles darauf hin, dass dieser Faktor nun wegbrechen könnte", sagte Schmidt.

Ebenfalls dämpfend auf das Marktgeschehen habe sich die Veröffentlichung einer gestiegenen Geldmenge M3 in der Euro-Zone ausgewirkt, sagten Börsianer. Die für die EZB-Zinspolitik wichtige Geldmenge war im Juli wegen Sondereffekten erneut stärker als erwartet gewachsen, wodurch sich nach Einschätzung von Händlern Hoffnungen auf eine Reduzierung der Leitzinsen am Donnerstag verringerten. Analysten gehen jedoch trotz des starken Wachstums weiterhin davon aus, dass die EZB die Zinsen bei ihrem Treffen am 30. August senken wird. Sinkende Zinsen wirken sich potenziell positiv auf den Aktienmarkt aus, da dadurch Unternehmen und Privatpersonen billiger Kredite aufnehmen können, um damit möglicherweise zusätzliche Investitionen und Ausgaben zu finanzieren.

Bei den Standardaktien führten die Titel von Bayer die Gewinnerliste an. Nachdem es zuvor in Branchenkreisen geheißen hatte, das Schweizer Pharmaunternehmen Roche habe zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Angebot für die Pharmasparte von Bayer vorgelegt, stiegen Bayer um zeitweise mehr als fünf Prozent. Reuters hatte aus Branchenkreisen am Montagabend erfahren, Roche habe in einem vorläufigen Angebot umgerechnet rund 44 Mrd. DM geboten. Am Dienstagnachmittag wies Roche allerdings Berichte über ein angebliches Kaufangebot für die Bayer-Sparte zurück. Bayer wollte zu dem Thema vorerst nicht Stellung nehmen. Die Bayer-Titel lagen am späten Nachmittag rund zwei Prozent im Plus bei 35,81 ?.

T-Aktie büßt Vormittagsgewinne wieder ein

Nach einem äußerst wechselhaften Verlauf gaben die Aktien der Deutschen Telekom bis zum Nachmittag ihre zuvor erzielten Gewinne von vier Prozent wieder ab, was Händler unter anderem auf die negative Tendenz an der Nasdaq zurückführten. Die T-Aktie notierte rund 2,8 % tiefer bei 17,65 ?. Konzernchef Ron Sommer hatte auf einer Pressekonferenz gesagt, dass nach Ablauf von Haltefristen ehemaliger VoiceStream-Aktionäre möglicherweise 170 Mill. T-Aktien in den deutschen Markt zurückfließen könnten.

Im Sog der allgemeinen Schwäche der Technologiewerte verbilligten sich die Papiere von Siemens, Infineon und Epcos im Durchschnitt um 3,5 %. Am Neuen Markt gab der Nemax50-Index um 3,09 % auf 1095 Punkte nach. Dort standen die Titel von Metabox mit Kursgewinnen von fast 70 % auf 0,71 ? im Mittelpunkt. Am Nachmittag hatte die finanziell angeschlagene Multimedia-Firma mitgeteilt, von einem privaten Investor ein Darlehen in Höhe von zwei Mill. DM erhalten zu haben. Der MDax für die mittelschweren Werte notierte bei 4661 Punkten rund 0,3 % höher.

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