US-Vermittler Zinni in Israel eingetroffen
Israels Armee zieht aus Palästinenserstädten ab

Wenige Stunden vor der Ankunft von US- Nahostvermittler Anthony Zinni hat sich die israelische Armee am Donnerstag aus nahezu allen besetzten Teilen der autonomen Palästinenserstädte Ramallah und Dschenin zurückgezogen.

dpa RAMALLAH. Drei Wochen nach einer Großoffensive im Westjordanland und im Gazastreifen hielt die Armee lediglich eine Stellung nahe dem Amtssitz von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Ramallah aufrecht. Arafat bestritt die israelischen Angaben über die Armeeaktionen und bezeichnete sie als «Versuch, (Anthony) Zinni noch vor seiner Ankunft zufrieden zu stellen.»

Ex-General Zinni traf am Donnerstagnachmittag in Israel ein, wo er sich sofort von den Chefs sämtlicher israelischer Geheimdienste über die Entwicklung in den Palästinensergebieten informieren ließ. Zinni wird an diesem Freitag zunächst mit der israelischen Führung zusammentreffen. Anschließend ist ein Gespräch mit Arafat in Ramallah geplant. Der US-Gesandte, der vier Tage in der Region bleiben will, hat für kommenden Sonntag ein Treffen der israelischen und palästinensischen Sicherheitschefs unter seiner Vermittlung einberufen.

Stunden vor der Ankunft des Gesandten löste die israelische Polizei aus Furcht vor neuen Terroranschlägen palästinensischer Extremisten in Zentral-Israel Alarm aus. Sicherheitskreise hätten Hinweise, dass palästinensische Gruppen, wie schon bei Zinnis erstem Nahost-Aufenthalt im Dezember, die Bemühungen um ein Ende der Gewalt mit Anschlägen zum Scheitern bringen wollten, hieß es.

Dennoch lockerte die Armee am Donnerstag mehrere Straßenblockaden im Westjordanland und räumte autonomes Palästinensergebiet, das Israel nach dem letzten schweren Terroranschlag Mitte Dezember besetzt hatte. Im Umkreis der Autonomiestädte Nablus und Ramallah hielt Israel jedoch seine strikte Abriegelung aufrecht.

Israel begründet die Belagerung Ramallahs und das Reiseverbot für Arafat unter anderem damit, dass sich die Mörder des israelischen Tourismusministers Rechawam Seevi in Ramallah aufhielten. Der Chef des palästinensischen Geheimdienstes im Westjordanland, Dschibril Radschub, bestritt jedoch am Donnerstag, dass sich die Attentäter dort versteckt hätten. Ihr Aufenthaltsort sei nicht bekannt. Die Armee lockerte dennoch die Blockade am so genannten Kalandia- Kontrollpunkt im Süden Ramallahs auf der Straße nach Jerusalem.

Insgesamt wurden nach Angaben der israelischen Armee im Westjordanland sechs Blockaden komplett aufgehoben und sechs weitere gelockert. Nach der Kritik des israelischen Außenministers Schimon Peres vom Vortrag setzte Israel auch im Gazastreifen angekündigte Erleichterungen um und verlängerte im Süden die Öffnungszeiten am Grenzübergang nach Ägypten.

Kurz vor der Ankunft Zinnis berief Israels Ministerpräsident Ariel Scharon seine wichtigsten Minister zu einer Sondersitzung ein. Anschließend hieß es, man wolle Zinni bitten, weiter Druck auf Arafat auszuüben, damit dieser entschlossen gegen die Infrastruktur palästinensischer Extremisten vorgehe und militante Mitglieder der radikal-islamischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad festnehmen lasse.

Israelische Spezialeinheiten drangen am Morgen in den autonomen Teil der Stadt Hebron ein und nahmen vier mutmaßliche Extremisten der radikalen Organisation Islamischer Dschihad fest. In der Nähe von Tulkarem (Westjordanland) wurde ein mutmaßlicher Aktivist der Hamas - Organisation festgenommen.

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