US-Vermittler Zinni setzt Nahost-Mission fort
Arafat bittet um mehr Zeit für Festnahmen

Nach den Selbstmordanschlägen in Israel hat der palästinensische Präsident Jassir Arafat um mehr Zeit für die Festnahme von Gewalttätern gebeten. Indes ist es in Gaza zwischen Anhängern der radikalen Palästinenser- Organisation Hamas und Sicherheitskräften nach der Verhängung eines Hausarrests gegen den Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin durch die palästinensische Autonomiebehörde zu stundenlangen Schusswechseln gekommen.

ap/dpa JERUSALEM. Arafat bat US-Präsident George W. Bush um mehr Zeit für Beweise, dass er weitere Gewalt gegen Israel nicht dulden werde. Der Appell wurde vom norwegischen Ministerpräsidenten Kjell Magne Bondevik weitergeleitet, dem Arafat vor einem Besuch im Weißen Haus einen Brief schrieb. "Die Hauptbotschaft war: Gib mir eine Chance", sagte Bondevik. Bush erklärte vor dem Treffen mit dem Gast aus Oslo: "Arafat muss jetzt Führungskraft beweisen und diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die Mord als Waffe benutzen." Der amerikanische Senat verabschiedete am Mittwoch eine Entschließung, in der Israel der Beistand der USA versichert wird.

Nach Augenzeugenberichten vom Donnerstagmorgen verlangten etwa 3 000 Hamas-Unterstützer die Aufhebung der Maßnahme gegen Jassin und die Freilassung inhaftierter Hamas-Aktivisten. Zwei Demonstranten seien durch Schüsse der Palästinenserpolizei verletzt worden, berichteten Ärzte. Ein Polizeijeep sei in Brand gesetzt worden.

Weitere 25 Hamas-Mitglieder festgenommen

Augenzeugen widersprachen Berichten, nach denen Jassin von Hamas - Mitglieder aus seinem Haus geholt und an einen unbekannten Ost versteckt worden sei. Jassin sei vielmehr in ein Nachbarhaus gebracht worden, hieß es. Das Gebiet um das Haus von Jassin sei von Polizei abgeriegelt worden.

Die palästinensische Polizei erklärte, sie werde im Gazastreifen weiter gegen die Organisation vorgehen. Mindestens 25 Hamas - Mitglieder seien in Haft genommen worden, berichteten palästinensische Sicherheitskreise. Nach unbestätigten Berichten waren darunter auch zwei prominente Angehörige der Hamas.

Jassin war am Mittwochabend unter Hausarrest gestellt worden. Jassins Sohn Mohammed sagte, Mitarbeiter von Polizei und Geheimdienst seien in das Haus gekommen und hätten sie über die Maßnahme informiert. Mit Ausnahme von Angehörigen darf er nach Angaben der palästinensischen Polizei keine Besucher mehr empfangen, sein Telefon wurde gesperrt. Der 66-jährige Jassin, der im Rollstuhl sitzt, war 1997 aus israelischer Haft entlassen worden. Die Autonomiebehörde hatte ihn bereits einmal unter Hausarrest gestellt, nachdem Israel und die Palästinenser 1998 in den USA das Wye-Abkommen unterzeichneten.

Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, der Hausarrest Jassins sei Teil einer Reihe von Schritten, die weitere Anschläge verhindern und zu einer Waffenruhe mit Israel führen sollten.

Schießerei auch im Westjordanland

In Beit Dschala im Westjordanland gingen Arafats Sicherheitskräfte auch gegen militante Palästinenser vor, die erneut von dort aus die jüdische Siedlung Gilo bei Jerusalem beschossen. Einer der Angreifer wurde verhaftet.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte zuvor entschieden, Arafat eine Frist von zwölf Stunden zu gewähren, in der dieser mit der Bekämpfung mutmaßlicher Terroristen beginnen solle. Arafat hatte im Gespräch mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres geklagt, die israelischen Angriffe machten es ihm unmöglich, hart gegen Extremisten vorzugehen.

Unterdessen nahm der amerikanische Vermittler Anthony Zinni seine wegen der Anschläge zunächst unterbrochenen Gespräche wieder auf. Am Mittwochabend traf er mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zusammen, für den (heutigen) Donnerstag sind Unterredungen mit Außenminister Schimon Peres und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat geplant.

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