US-Versicherer springt in die Bresche
Schwer zu versichern: Die WM 2002

Millionen Fußballfans fiebern dem Eröffnungsspiel am 31. Mai entgegen. Wer wird Weltmeister? Einen interessiert die Antwort wenig: Den Versicherer National Indemnity. Wenn die 32 Teams bei der Fußball-WM in Japan und Südkorea um Tore und Punkte kämpfen, wollen die Verantwortlichen des US-Unternehmens nur eines wissen: Geht alles gut?

DÜSSELDORF. Der US-Versicherer sprang in die Bresche, nachdem der französische Versicherungskonzern AXA im vergangenen Herbst kurzerhand die WM-Police gekündigt hatte. Nach den Terroranschlägen vom 11. September war den Franzosen der Vertrag zu heiß geworden. Der höchste zu erwartende Schaden, der bei Anschlägen auf das Weltsportereignis hätte eintreten können, war dem Unternehmen zu groß. Für einen Totalausfall der Spiele hätte AXA mit einer Deckungssumme 850 Millionen Dollar gerade stehen müssen. Bei Neuverhandlungen des Vertrags konnten sich die Partner nicht einigen.

AXA hatte nach dem 11. September alle Verträge für Sportveranstaltungen überprüft und ab einer gewissen Deckungssumme systematisch gekündigt. Damit stand auch der Weltfußballverband Fifa plötzlich ohne Police da.

Die Versicherung von Großveranstaltungen ist seit dem 11. September ein Problem geworden. Ein vollbesetztes Fußballstadion ist ein lohnendes Ziel für Terroristen. Nicht nur Fifa-Präsident Joseph Blatter, auch die Organisatoren in Japan und Südkorea sowie Sponsoren wie Yahoo oder Adidas waren deshalb äußerst erleichtert, als sie den neuen US-Partner präsentieren konnten. Selbst in der Vorbereitungsphase wäre es für den ohnehin unter Liquiditätsengpässen leidenden Fifa-Verband finanziell riskant gewesen, ohne Deckung zu operieren.

Die National Indemnity Company gehört zur Berkshire-Hathaway-Gruppe, die von dem legendären Multimilliardär und Großinvestor Warren Buffet kontrolliert wird. Eingefädelt haben den Deal der Versicherungsmakler Marsh, eine Tochter des New Yorker Finanzdienstleisters Marsh & McLennan Companies (MMC) und der deutsche Sportversicherungsmakler Erwin Himmelseher, der Hier zu Lande Sportler, Trainer , Schiedsrichter und Funktionäre versichert.

Für die Berkshire-Tochter National Indemnity ist die Ausfallpolice bereits das zweite Engagement bei der WM. Zusammen mit dem Rückversicherer Münchener Rück versichert sie das Turnier, wenn es wegen eines Erdbebens abgesagt werden muss.

Fifa und National Indemnity haben Stillschweigen über die Höhe der Versicherungsprämie vereinbart. Man kann es sich jedoch an einer Hand abzählen: Die Risikolage hat sich seit den Anschlägen in New York verschlechtert, die Versicherungsbranche leidet doppelt unter den hohen Schadensforderungen und der wirtschaftlichen Flaute. Der neue Vertrag wird daher kaum billiger sein, als die AXA-Police. Diese hätte die Fifa 17 Millionen Dollar gekostet.

Ein Trost: Zumindest bei den Vertragsbedingungen hat es der Fußballverband diesmal besser erwischt: Der neue Vertrag mit den Amerikanern ist nicht kündbar.

Die Gastgeberländer wollen das Ihrige für die Sicherheit von Spielern und Zuschauern an den 20 Austragungsorten tun. Schließlich hat jedes der beiden Länder 10 neue Stadien gebaut. Zusammen haben beide insgesamt mehr als 3 Milliarden Euro investiert. Da fallen die 18,8 Mill. Dollar kaum ins Gewicht, die Japan für den Schutz der 400 000 Besucher aus aller Welt ausgeben will. Das ist ein Viertel mehr als ursprünglich geplant.

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